Wirtschaft
Thimoteus Höttges und René Obermann: Höttges übernimmt von Obermann den Chefposten bei der Deutschen Telekom.
Thimoteus Höttges und René Obermann: Höttges übernimmt von Obermann den Chefposten bei der Deutschen Telekom.(Foto: picture alliance / dpa)

Paukenschlag bei der Telekom: Obermann geht - Höttges kommt

Vor zwei Wochen stellte René Obermann noch die neue Strategie der Deutschen Telekom vor und präsentiert sich selbst als Garant für Kontinuität. Nun will er den Chefposten des Dax-Konzerns Ende 2013 abgeben und wieder näher ans "operative Geschäft" rücken.

Vor zwei Wochen stellte René Obermann noch die neue Strategie der Telekom vor und präsentiert sich als Garant für Kontinuität des Großkonzerns - nun muss sich das Unternehmen bis zum Ende kommenden Jahres einen neuen Chef suchen. Obermann hat den Aufsichtsrat gebeten, ihn zum 31. Dezember 2013 von seinen Aufgaben zu entbinden, wie der Dax-Konzern mitteilte. Dem Wunsch sei einvernehmlich entsprochen worden. Der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner reagierte mit Bedauern auf Obermanns Entscheidung: "Ich respektiere seinen Schritt, auch wenn ich unsere erfolgreiche Zusammenarbeit sehr gerne weitergeführt hätte."

Zur Begründung teilte der Konzern mit, Obermann wolle nach 16 Jahren Tätigkeit für die Deutsche Telekom, davon dann sieben Jahre an der Spitze des Unternehmens, wieder "näher ans operative Geschäft rücken", als das für den Vorstandsvorsitzenden eines Großkonzerns möglich sei. "Ich will wieder mehr Zeit für Kunden, Produktentwicklung und Technik haben", wird Obermann zitiert.

Der Nachfolger steht schon fest. Finanzvorstand Timotheus Höttges soll ab 1. Januar 2014 an die Konzernspitze aufrücken. Höttges werde ab Anfang kommenden Jahres zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bestellt.

Lob für den Nachfolger

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Noch vor zwei Wochen hatte Obermann auf einer Investorenveranstaltung einen Strategieschwenk angekündigt. M it einer Investitionsoffensive will die Telekom die Breitbandnetze ausbauen und wieder Neukunden an sich ziehen.  Die 30 Mrd. Euro, die in den nächsten drei Jahren die Netze auf Vordermann bringen sollen, will er sich mit Börsengängen von Unternehmensteilen, einem Sparprogramm und einer niedrigeren Dividende besorgen - ein Bruch mit der bisherigen Kultur.

Anders als andere Unternehmenschefs will sich Obermann nicht in den Ruhestand verabschieden. Der Telekom-Chef, der im kommenden März seinen 50. Geburtstag feiern wird, gilt als zupackender Manager, der sich gern ums Detail kümmert. Dazu hatte er als Chef eines der größten deutschen Konzerne wenig Gelegenheit.

Für seinen Nachfolger fand Obermann nur lobende Worte: "Ich kann mir keinen Besseren vorstellen als ihn, um die gute Entwicklung der letzten Jahre fortzuschreiben», hieß es. Höttges ist seit dem Jahr 2000 bei der Deutschen Telekom. Bei deren deutscher Mobilfunktochter war er zunächst Finanzgeschäftsführer, später übernahm er den Vorsitz der Geschäftsführung, bevor er 2004 Vertriebs- und Servicechef für die europäischen Mobilfunkaktivitäten der Deutschen Telekom wurde.

Obermann steht seit dem 13. November 2006 an der Spitze des Telekom-Konzerns. Er hatte Posten von Kai-Uwe Ricke übernommen, der auf Druck der Bundesregierung und des Finanzinvestors Blackstone zurückgetreten war. Die Großaktionäre versprachen sich damals von dem Wechsel an der Konzernspitze Impulse für den Aktienkurs. Obermann hatte damals auch Höttges in den Vorstand geholt. 

Märkte sind überrascht

"Das Unternehmen hat eine schwierige Zeit vor sich", sagte Analyst Wolfgang Specht vom Bankhaus Lampe. Innerhalb der kommenden zwei Jahre soll der Turnaround geschafft werden. Sollte es zu einem Machtvakuum innerhalb der Übergangszeit kommen, sei der Wechsel negativ zu werten.

Finanzvorstand Höttges steht vor "einem schwierigen Job", sagte der Analyst weiter. Fraglich sei zudem, wer Höttges als Finanzvorstand beerbt. Möglicherweise werde diese Frage schnell geklärt.

Die Aktie ist für den Analysten ein "Verkauf" mit einem Kursziel von 7,50 Euro. Der Kurs der Telekom-Aktie reagierte auf die Nachricht kaum. Das Papier schloss leicht fester bei 8,62 Euro.

Quelle: n-tv.de

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