Wirtschaft
Richard "Dick" McDonald 1991 in Manchester vor einer Filiale der Kette, mit der er Fast-Food-Geschichte schrieb.
Richard "Dick" McDonald 1991 in Manchester vor einer Filiale der Kette, mit der er Fast-Food-Geschichte schrieb.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

15-Cent-Burger ändert Esskultur: Zwei Brüder erfinden das Fast Food

Ein 15-Cent-Hamburger markiert vor 60 Jahren den Beginn eines Fast-Food-Booms. Weil die Burger-Brüder die Erfolgsgeschichte so nie schreiben wollen, tut das ein anderer für sie - und zwar ein Milchshake-Vertreter.

Vor dem Burger-Riesen McDonald's waren die Burger-Brüder McDonald: Richard "Dick" und Maurice "Mac" zogen Ende der 1920er-Jahre vom ländlichen New Hampshire nach Kalifornien, um ihr Glück als Unternehmer zu suchen. Ihr Ziel: die erste Million vor dem 50. Lebensjahr machen. Das haben sie geschafft - und auf dem Weg dahin die weltweite Essenskultur für immer verändert. Alles begann mit dem 15-Cent-Hamburger.

1948 betrieben die Brüder bereits ein erfolgreiches Drive-In-Schnellrestaurant in der damals von der Arbeiterklasse geprägten Stadt San Bernardino. Das Geschäft lief gut, doch es ginge noch besser, dachten sich die McDonalds. Künftig verzichteten sie auf Kellnerinnen, die das Essen zu den Autos der Kundschaft brachten und stellten die Küche auf eine vorgefertigte Angebotspalette mit Selbstbedienung um, die hinter dem Tresen verkauft wurde. Das Konzept des Fast Food - auf Deutsch: schnelles Essen -, das das Gastgewerbe revolutionieren sollte, war geboren.

Burger am Fließband

Die Brüder orientierten sich dabei am Fordismus, der zuvor die Produktion in der Autoindustrie umgekrempelt hatte: Eine Art Fließbandfertigung, genannt "Speedee Service System", wurde eingeführt. In kleinteiligen Arbeitsprozessen steuerten Angestellte nur noch wenige Handgriffe zum Endprodukt bei. Das Menü wurde deutlich verkleinert, Sonderwünsche nicht mehr zugelassen: Hamburger, Cheeseburger, Milchshakes und Softdrinks sowie Milch, Kaffee, Kartoffelchips und Kuchen - mehr gab die Speisekarte nicht mehr her. Pommes, heute einer der Verkaufsschlager, wurden erst 1949 eingeführt.

Die älteste noch existierende McDonalds-Filiale in Downey, Kalifornien, wurde 1953 eröffnet.
Die älteste noch existierende McDonalds-Filiale in Downey, Kalifornien, wurde 1953 eröffnet.(Foto: AP)

Dick McDonald sorgte dafür, dass dem Geschäft ein neues Design verpasst wurde. Rot-weiße Fliesen und ein Paar goldene Bögen, von denen er glaubte, dass sie das Gebäude erhabener erscheinen lassen würden. Die "Golden Arches" sollten später ein "M" formen und zum weltberühmten Markenzeichen avancieren. Das Konzept der Brüder entpuppte sich als revolutionär. In den 1950ern boomte das Geschäft, es gab bereits acht Schnellrestaurants im Südwesten der USA und fast zwei Dutzend weitere, die das System der McDonald-Brüder nutzten.

Beginn des McDonald's-Booms

Die Großaufträge für Milchshake-Mixer zogen dann das Interesse des Handelsvertreters Ray Kroc auf sich. Erstaunt über die rege Nachfrage nach den Maschinen, die er vertrieb, machte Kroc sich auf den Weg nach Kalifornien, um das Fast-Food-Phänomen persönlich in Augenschein zu nehmen. Er erkannte das Potenzial der Geschäftsidee und überzeugte die McDonald-Brüder, ihn zum Franchise-Beauftragten zu machen. Am 15. April 1955 machte Kroc in Des Plaines nahe Chicago die erste Filiale der Firma auf, die später zur McDonald's Corporation und damit zum weltgrößten Burger-Konzern werden sollte. 1959 gab es bereits 100 McDonald's-Schnellrestaurants in den USA.

Mit den McDonald-Brüdern, die mit ihrem Konzept zunächst gar nicht hatten expandieren wollen, hatte Kroc allerdings nicht mehr viel Freude. Sie verkauften Geschäftsrechte einfach anderweitig, die Zusammenarbeit erwies sich als äußerst schwierig. 1961 kaufte Kroc die beiden für 2,7 Millionen Dollar aus dem Geschäft heraus. Es sollte sich als gute Investition erweisen - bereits wenig später machte die Kette Milliardengewinne, 1965 wurde sie an der Börse gelistet. Dick und Mac McDonald behielten nur das Original-Geschäft in San Bernardino. Nach dem Krach mit Kroc durften sie es nicht einmal mehr unter ihrem eigenen Namen betreiben und entschieden sich deshalb für die Marke "Big M".

Inzwischen waren die Fronten jedoch so verhärtet, dass Kroc es sich nicht nehmen ließ, einen Block weiter einen eigenen McDonald's aufzumachen. Diese Konkurrenz bedeutete das Aus für den Laden der Brüder - sie hatten zwar ihre Millionen gemacht, scheiterten letztlich aber doch irgendwie am Erfolg ihres Konzepts.

Quelle: n-tv.de

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