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Sitz der Finanzgruppe in Dresden.
Sitz der Finanzgruppe in Dresden.(Foto: picture alliance / dpa)

Offenbar fingierte Jahresabschlüsse: Infinus-Gläubiger fordern Milliardenbetrag

Rund 30.000 Anleger haben der überwiegend insolventen Infinus-Finanzgruppe ihr Geld anvertraut. Der Verwalter gibt nun einen Einblick in das Vorgehen des Unternehmens - mit eindeutigem Urteil. Doch die Geschädigten können hoffen - und müssen warten.

Im Skandal um die Dresdner Infinus-Finanzgruppe belaufen sich die Forderungen der Gläubiger auf rund eine Milliarde Euro. Das sagte der Verwalter der Muttergesellschaft Future Business KGaA (Fubus), Bruno Kübler, nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Dresden. "Das ist schon ein großer Fall." Über die Summe hatte zu Jahresbeginn bereits die "Sächsische Zeitung" berichtet.

Allein bei der Fubus stünden nach derzeitigem Erkenntnisstand normalrangige Insolvenzforderungen in Höhe von 684 Millionen Euro zu Buche, hauptsächlich aus Orderschuldverschreibungen, in die knapp 30.000 Anleger investiert hätten. Sie können nach Angaben Küblers darauf hoffen, bis zu 20 Prozent ihres Geldes zurückzuerhalten.

Beinahe alle Firmen der Gruppe insolvent

Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft zehn Managern der Infinus-Gruppe vor, ein Schneeballsystem betrieben zu haben und ermittelt wegen Betrugs. Fünf von ihnen sitzen seit November vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Die Ermittlungsbehörde war bislang von einem Anlagevermögen in Höhe von 400 Millionen Euro ausgegangen. Nach Durchsuchungen und der Beschlagnahme umfangreicher Vermögenswerte sind fast alle Firmen der Gruppe insolvent.

Die Geschäftstätigkeit der Fubus hat sich den Angaben zufolge im Wesentlichen auf den Kauf und die Verwertung von Lebensversicherungspolicen, Edelmetallsparplänen, Unternehmensbeteiligungen und Immobilien konzentriert. Die Geschäfte seien häufig in Kooperation mit anderen Unternehmen aus dem Firmengeflecht abgewickelt worden, wobei auch hohe Provisionen zur Kapitalisierung geflossen seien.

Zweifel an Geschäftsmodell

"Im Ergebnis bestehen erhebliche Zweifel an der mittelfristigen, geschweige denn langfristigen Rentabilität der Geschäftsmodelle der Fubus", sagte Kübler. "Zusätzlich bestehen konkrete Anhaltspunkte dafür, dass das Unternehmen in den letzten Jahren, jedenfalls aber seit 2009, falsche Jahresabschlüsse aufgestellt und fälschlicherweise hohe Gewinne ausgewiesen hat."

Finanziert worden seien die Geschäfte vor allem durch die Ausgabe eigener Finanzprodukte. Allein die Orderschuldverschreibungen hätten mit Stand November 2013 ein Volumen von 684 Millionen Euro gehabt, Genussrechte und Nachrangdarlehen zusammen noch einmal knapp 80 Millionen Euro.

Das Gros der Investoren besteht nach Angaben Küblers aus Kleinanlegern. Mehr als zwei Drittel der Einzahlungen beliefen sich demnach auf Summen unter 15.000 Euro.

Mehrere Gläubigerversammlung angesetzt

Den 684 Millionen Euro Insolvenzforderungen stehe ein realisierbares Vermögen von 151 Millionen Euro abzüglich der Abwicklungskosten gegenüber. Normalrangige Gläubiger könnten damit rechnen, dass bis zu 20 Prozent ihrer Forderungen bedient werden, sagte Kübler. Sollten allerdings auch nachrangige Gläubiger etwa aufgrund betrugsbedingter Schäden höherrangig zu bedienen sein, könne die Quote auf 18 Prozent sinken. Laut Kübler eine vergleichsweise glückliche Aussicht: Im Durchschnitt liege diese Quote bei Insolvenzen bei rund drei Prozent.

Am 13. Mai finden für die Inhaber von Orderschuldverschreibungen der Fubus auf dem Dresdner Messegelände eigene Gläubigerversammlungen statt. Eine ordentliche Gläubigerversammlung ist für den 30. Juni angesetzt, der Prüfungstermin für den 10. November. Dann sollen auch die Quotenaussichten bekanntgegeben werden. Bis die Anleger an ihr Geld kommen, dürften aber angesichts der noch zu prüfenden komplexen Geschäftszusammenhänge Jahre vergehen.

Quelle: n-tv.de

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