Wirtschaft

"Forderungsverzicht hilft nicht": Zypern will keinen Schnitt

Ein Schuldenschnitt ist für Zyperns Notenbankchef Demetriades kein Thema. Er sieht mit einem solchen Schritt die Stabilität der Eurozone in Gefahr. Deutschland will bei der Zypern-Rettung Russland mit ins Boot holen.

Gebäude der zyprischen Notenbank in Nikosia.
Gebäude der zyprischen Notenbank in Nikosia.(Foto: picture alliance / dpa)

Zyperns Notenbankchef Panicos Demetriades hat einen Schuldenschnitt für sein Land ausgeschlossen. Ein Schuldenschnitt im Rahmen des internationalen Hilfsprogramms für Zypern könne die europäische Währungsunion in Gefahr bringen, sagte er. Über einen Forderungsverzicht für die privaten Gläubiger, wie er im benachbarten Griechenland vorgenommen wurde, sollte nach Ansicht des Notenbankgouverneurs nicht einmal diskutiert werden.

"Ein Forderungsverzicht in welcher Form auch immer würde nicht helfen", sagte Demetriades weiter. "Diskussionen hierüber unterminieren die Aussichten für eine Erholung und gefährden die Stabilität der Eurozone, nicht nur die Zyperns".

Die zyprischen Banken, die im Mittelpunkt der Schuldenkrise des Landes stehen, benötigen nach den Worten von Demetriades weniger als 10 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung. Das wäre auch weniger als in einem Entwurf des Hilfspakets veranschlagt, über das Zypern zurzeit mit der EU und dem IWF verhandelt. Inspektoren prüfen gegenwärtig noch den tatsächlichen Betrag, den die Geldinstitute benötigen, um ihre Kapitalpuffer wieder aufzufüllen. Dieser Betrag werde das Volumen des Hilfspakets bestimmen.

Berlin will russische Beteiligung

Die deutsche Bundesregierung will bei einem möglichen Rettungspaket für Zypern will die Bundesregierung auch Russland in die Pflicht nehmen. Man habe Moskau signalisiert, dass es sich auch an einer Lösung beteiligen muss, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble in der CDU/CSU-Fraktionssitzung. Ohne Privatisierungen werde es schwierig, ein Momorandum of Understanding zu unterzeichnen, hieß es weiter. Gleichzeitig habe Schäuble dafür plädiert, in Ruhe zu verfolgen, wie die Entwicklung auf der Mittelmeerinsel weitergehe.

Im Sommer hatte Zypern einen Antrag auf Hilfe über 17,5 Milliarden Euro aus dem EU-Rettungsfonds gestellt. 12 Milliarden Euro sollen zur Sanierung des Bankensektors aufgewandt werden. Russische Anleger sollen hohe Geldsummen auf zypriotischen Banken angelegt haben. Zypern hatte bereits einen Milliardenkredit aus Moskau erhalten.

Eine Entscheidung über ein milliardenschweres Hilfspaket will die EU erst nach der Präsidentschaftswahl auf der Mittelmeerinsel fällen. Die beiden Wahlgänge sind für den 17. und den 24. Februar angesetzt. Die Gespräche mit dem amtierenden Präsidenten Dimitris Christofias gestalten sich schwierig, vor allem weil er Privatisierungen von Staatsbetrieben kategorisch ablehnt.

Quelle: n-tv.de

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