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Donnerstag, 18. Februar 2010

Optimismus made in Stuttgart: Zetsche redet Daimler

Der traditionsreiche Autobauer Daimler schließt das Jahr 2009 mit tiefroten Zahlen ab. Auf einer Pressekonferenz versucht Vorstandschef Dieter Zetsche das Ergebnis ins rechte Licht zu rücken. Doch während er spricht, rutscht der Aktienkurs weiter ab.
Dieter Zetsche zwischen Lkw-Vorstand Renschler und Finanzchef Uebber.

Dieter Zetsche zwischen Lkw-Vorstand Renschler und Finanzchef Uebber.
(Foto: APN)

Schwarz auf mattweiß prangt der Firmenname Daimler über dem Podium im großen Saal des Carl-Benz-Zentrums im Stuttgarter Stadteil Bad Cannstadt. Ein Mann mit Staubsauger entfernt letzte Fusseln vor dem großen Auftritt: Die Daimler AG, Deutschlands wohl bekanntestes Unternehmen, hat zur Bilanzpressekonferenz geladen, und alles, was in der Wirtschaftspresse Rang und Namen hat, sitzt mit Laptop, Krawatte und kritischer Mine im stimmungsvoll abgedunkelte Zuschauerraum.

"Premium" hat viel mit Details zu tun.

"Premium" hat viel mit Details zu tun.
(Foto: dpa)

Kurz vor elf kommt Hektik auf: Von rechts eilt der frisch im Amt bestätigte Konzernchef auf die Bühne. Aus der ersten Reihe schießen Pressefotografen Bilder von Dieter Zetsche. Der posiert willig vor einem grün-weißen Elektro-Smart am Eingang und dann noch vor dem knallroten Sportwagen SLS AMG, den seine Mitarbeiter auf der anderen Seite der Bühne vor den Notausgang geschoben haben. Beide Autos stehen offensichtlich symbolisch für "Innovation" einerseits und "Faszination" andererseits. Tatsächlich markieren sie die schwierige Schlaglochpiste zwischen Premiumstrategie, Absatzkrise und der schwierigen Umbruchsphase in der Automobilbranche.

Premiumprodukt in rot: Zetsche, Renschler, Uebber am SLS AMG.

Premiumprodukt in rot: Zetsche, Renschler, Uebber am SLS AMG.
(Foto: dpa)

Blau schimmert der Hintergrund auf, das Licht verlöscht, die versammelten Medienvertreter sehen einen Werbefilm, der sie dramaturgisch auf die Daimler-Bilanz des Jahres 2009 einstimmen soll. Während im Hintergrund glänzende Limousinen zu dynamisch pulsierenden Melodien beispielhaft abgasarm durch grüne Landschaften gleiten, treten im Vordergrund die Profile von Vorstandschef Dieter Zetsche, Finanzchef Bodo Uebber und Lkw-Vorstand Andreas Renschler als scharf geschnittene Schattenrisse hervor.

Diese Männer wollen den traditonsreichen Autobauer zusammen mit ihren Kollegen in die Zukunft fahren. Nicht anwesend sind der neu ernannte Produktions- und Einkaufsmanager Wolfgang Bernhard, Personal- und Arbeitsdirektor Wilfried Porth und Forschungsvorstand Thomas Weber: Zetsche, Uebber und Renschler machen es alleine.

Hoffnungsträger im Technologiewandel: Zetsche am elektrisch angetriebenen kleinwagen Smart.

Hoffnungsträger im Technologiewandel: Zetsche am elektrisch angetriebenen kleinwagen Smart.
(Foto: dpa)

Der Film verebbt, die Strahler fahren hoch und Jörg Howe, bei Daimler verantwortlich für die Konzernkommunikation, übergibt das Wort an seinen Chef. Vor gut einer Stunde erst hat der Konzern auf Basis vorläufiger Zahlen einen überraschend hohen Nettoverlust bekannt gegeben und die Dividende gestrichen. Noch während Zetsche spricht, rauscht der Kurs der Daimler-Aktie in den Keller. Zeitweise verliert das Papier bis zu zehn Prozent.

Was ist los bei dem deutschen Hersteller von Marken wie Smart, Mercedes und Maybach? "Das nicht zufriedenstellende Ergebnis des Konzerns im Jahr 2009 ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass die Fahrzeugabsätze aufgrund der globalen Wirtschaftskrise in allen Fahrzeugsegmenten rückläufig waren", fasst Zetsche betont trocken zusammen.

Schnelles Bild vor Beginn der Pressekonferenz: Der Film beginnt.

Schnelles Bild vor Beginn der Pressekonferenz: Der Film beginnt.
(Foto: Reuters)

Aufgrund des negativen Konzernergebnisses wolle man dem Aufsichtsrat vorschlagen, auf die Zahlung einer Dividende zu verzichten; dürre Worte, die am Parkett heftige Reaktionen hervorrufen. Auch wenn Zetsche schnell betont, dass sich darin lediglich der Geschäftsverlauf des Jahres 2009 widerspiegele und es sich dabei keinesfalls um ein Signal für die Geschäftsentwicklung 2010 handele, reagieren die Anleger verschnupft. "Die Streichung der Dividende ist eine große Überraschung", heißt es nervös aus Frankfurt.

Doch das ist nicht alles. Auch beim Ergebnis waren die Analysten nicht auf ein Minus von 2,6 Mrd. Euro vorbereitet. Sofort schießen Vermutungen ins Kraut, dass die Probleme bei Daimler größer sein könnten als bislang bekannt. Da Konzernchef Zetsche um die Mechanismen am Markt weiß, versucht er, die Befürchtungen umgehend Schritt für Schritt zu entkräften.

Strategierede vor kritischem Publikum: Dieter Zetsche sucht seinen Platz.

Strategierede vor kritischem Publikum: Dieter Zetsche sucht seinen Platz.
(Foto: APN)

Im Vordergrund stehen natürlich die Absatzzahlen im wichtigsten Geschäftsbereichs Mercedes-Benz Cars. In einem "äußerst schwierigen Marktumfeld" hätten sich hier die Bedingungen im zweiten Halbjahr kontinuierlich verbessert. Die Markteinführung der neuen E-Klasse habe die "spürbare Abkühlung der Pkw-Nachfrage" nur teilweise kompensieren können. Auch beim aktuellen Kleinwagenmodell Smart fortwo gingen die Verkaufszahlen zurück. Die Luxusmarke Maybach erwähnt Zetsche lieber gar nicht.

Immerhin gibt es Lichtblicke: Im Jahresverlauf habe man sich in allen Sparten kontinuierlich verbessert. Im laufenden Jahr werde die weltweite Automobilnachfrage im Vergleich zum Krisenjahr 2009 zwischen drei und vier Prozent zulegen, versichert Zetsche. Bis 2015 soll der Konzern seine Kapazität insgesamt sogar auf 1,5 Mio. verkaufte Fahrzeuge pro Jahr steigern.

Gespräche mit Renault.

Gespräche mit Renault.
(Foto: APN)

Weil diese Zahl schon im Vorfeld kursierte, horchen die Experten hier nun genauer hin. Wie will Zetsche das bewerkstelligen? Die meisten Beobachter sind sich sicher, dass dieses Ziel bisherigen Modellpalette nicht mit der zu erreichen ist. Als erklärter Premium-Hersteller sucht Daimler in den Klassen der Klein- und Kompaktwagen einen Kooperationspartner, auch wegen der Kosten.

Wer das sein könnte, darüber mag Zetsche auf der Bilanzpressekonferenz nicht sprechen. Erst auf Nachfrage erklärt er gegenüber n-tv: "Renault ist einer der Partner, mit dem wir sprechen." Ergebnisse der Verhandlungen soll es noch im ersten Halbjahr 2010 geben.

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Milliardenverlust 2009
Zetsche hängt die Latte hoch
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