Wirtschaft
Sonntag, 07. Januar 2007

Die etwas andere Geldanlage: Investieren in ein Riesenrad

Das London Eye. Wer sich einen Überblick über die britische Hauptstadt verschaffen möchte, fährt dort hin. Das Riesenrad wurde von der Great Wheel Corporation zwar am Stadtrand gebaut, entwickelte sich aber trotzdem zu einem Erfolgsmodell. Jetzt wollen die Riesenradbauer auch in anderen Städten tätig werden.

Die Banken war schnell überzeugt, weil die Rechnung denkbar einfach ist. Mit dem Riesenrad ist London heute um ein Wahrzeichen reicher. Vier Millionen Touristen kommen pro Jahr, jeder zahlt rund 20 Euro Fahrgeld. Unterm Strich stehen also rund 80 Millionen Euro Bruttoeinnahmen pro Jahr.

Anlagepool

Die Idee: Anleger beteiligen sich an einer Art "blind Pool". Für 200 Millionen Euro sollen Räder in den großen und touristisch attraktiven Städten der Welt gebaut werden. Geplant sind Räder in Berlin, Orlando, Dubai und den chinesischen Städten Qingdao und Peking.

In der chinesischen Hauptstadt soll der Startschuss zur Olympiade 2008 fallen. 208 Meter hoch soll das Rad werden, vier Millionen Fahrgäste sollen kommen und jeder soll zehn Euro pro Fahrt dortlassen. Der Anleger ist an den Ticketerlösen beteiligt. Nach zwölf Jahren kauft der Betreiber das Rad, der Fonds wird aufgelöst und es gibt den doppelten Einsatz zurück. "Konservativ gerechnet ist eine Rendite von zehn bis zwölf Prozent zu erwarten", ist Christian Harreiner von DBMFonds Invest überzeugt.

Hohes Risiko

Diese verlockenden Ertragsaussichten bringen ein hohes Risiko mit sich. Alles steht und fällt mit den Touristen. Kommen sie nicht, kann der Anleger alles verlieren. Dann kann der Betreiber das Rad nicht zurückzukaufen. Es gibt zwar ein paar eingebaute Sicherheiten im Fonds und die Kalkulation basiert auf seriösen Tourismusstudien. Letztlich ist es aber jedem Anleger selbst überlassen, ob er an eine Wiederholung der Erfolgsstory von London glaubt.

In Berlin soll das Riesenrad hinter dem Bahnhof Zoo im entstehen. Es soll für zusätzliche 300.000 Touristen pro Jahr in der Hauptstadt sorgen. Der ehemalige Konkurrent ist mittlerweile abgesprungen und der Senat hat der Baugenehmigung zugestimmt. Der jetzige Anfahrtsweg - vorbei an der anderen Seite vom Bahnhof Zoo - könnte Kuhdammtouristen wohl verschrecken. Fraglich ist auch, ob der Kuhdamm noch der Touristenmagnet der Stadt ist oder ob ihm nicht längst die neue Mitte mit Reichstag und Brandenburger Tor den Rang abgelaufen haben.

Bei 10.000 Euro Mindestanlage wird klar, dass damit nicht der Kleinanleger angesprochen wird. Zudem sollte der Investor überzeugt sein, dass Riesenräder die Touristenattraktionen der Zukunft sind.

Quelle: n-tv.de