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Ralf Goerkes Aktienklima 09/09Atypisches Börsenjahr

18.09.2009, 10:43 Uhr

Wenn in diesem Jahr alles anders läuft als sonst, würde es mich nicht wundern, wenn der September dieses Mal vielleicht im Plus schließt, so Charttechniker Ralf Goerke.

Wer in der Lage ist, das Aktienklima eindeutig zu bestimmen, kann sich entsprechend an den Börsen positionieren: In der Hausse wird das Depot zu 100% mit guten, trendstarken Aktien bestückt, in der Baisse ist man nicht mehr investiert oder setzt gar auf fallende Kurse.

„Märkte im Aufwind“ lautete die Überschrift dieser Kolumne zum allgemeinen Aktienklima vor genau fünf Wochen am 14. August (s. Archiv). Darin wurde auf die deutlich verbesserte Situation in der technischen Verfassung der 30 weltweit wichtigsten Aktienindizes auch gerade im Hinblick auf ihre langfristigen Indikatoren hingewiesen. Fast alle beobachteten Indizes lagen beispielsweise mit ihren Kursen über ihrer steigenden 200-Tage-Linie, welche die langfristige Trendrichtung vorgibt. Ein derart hoher Wert (97%) ist sehr bullish anzusehen. Deshalb lautete auch das Fazit Mitte August, dass die Börsenampeln wieder auf grün stehen.

Tatsächlich konnten die weltweiten Indizes seit dieser letzten Analyse auf Basis ihrer Heimatwährungen im Durchschnitt weitere 6,9% zulegen (€-Basis: +5,5%). Und das in einer für Börsen statistisch schwierigen Jahreszeit! Herausragend waren dabei die beiden osteuropäischen Börsenplätze Moskau und Budapest. So konnte der russische RTX über 18% und der ungarische BUX-Index über 14% hinzugewinnen. Die Börsenphase im zurückliegenden Betrachtungszeitraum war allgemein so gut, dass nur drei von fünfzig Indizes einen Verlust ausweisen. Dazu gehören die beiden japanischen Indizes Topix (-3,7%) und der Nikkei 225 (-1,45%).

Der Aktienklima-Indikator, der Anlegern die Veränderung und den Status Quo des globalen Börsenklimas vor Augen führt, liegt nun schon seit vielen Monaten über seinem langjährigen Durchschnitt (Abbildung 1). Möglichweise ist das eine Folge der vorangegangenen Übertreibung nach unten, der jetzt eine Übertreibung in die entgegengesetzte Richtung folgt. Der Indikator selbst liegt knapp unter seinem steigenden 38-Tage-Durchschnitt (s. Pfeil im oberen Fenster). Allerdings baut sich schon seit einigen Monaten eine negative Divergenz zum MACD im unteren Chartfenster auf (s. Strecken A/B und C/D). Derartige Divergenzen bedeuten normalerweise nichts Gutes (s. Jahreswechsel 2006/2007), sind aber im Hinblick auf ihre zeitliche Ausprägung schwer einzuschätzen. Auch vor 2½ Jahren dauerte die Ausbildung der damaligen Divergenz mehrere Monate, bevor schließlich im März 2007 eine kurzfristige Korrektur einsetzte.

Die Abbildung 2 zeigt Ihnen den DAX in den letzten zehn Jahren. Mit eingezeichnet ist seine 200-Tage-Linie (rot), wobei die jeweiligen Wendepunkte durch Pfeile hervorgehoben sind. Die feste Tendenz an den Börsen in den letzten Wochen hat den Indikator im unteren Chartfenster auf 100% steigen lassen. Das heißt, alle 30 weltweiten Indizes, die in diese Berechnung einfließen, liegen über ihrem steigenden 200-Tage-GD. Dies unterstützt nach wie vor das technische Bild des weltweiten Aktienklimas im positiven Sinne. Vergleicht man die aktuelle Situation mit der des Jahres 2003 (gelbe Rechtecke), könnte der Eindruck entstehen, dass die Börsen die Krise bereits „ad acta“ gelegt haben. Auffallend ist ebenfalls, dass während er gesamten Hausse der Jahre 2003 bis Ende 2007 der Indikator (fast ununterbrochen) über seinem Schwellenwert (Null-Linie) notierte.

Ein anderer Marktstruktur-Indikator ist der von mir entwickelte und erstmals in meiner Analyse vom 20. Februar an dieser Stelle vorgestellte Multi-MACD-Indikator (Abbildung 3). Er zeigt an, wie viele von fünfzig internationalen Indizes auf Monatsbasis ein MACD-Kaufsignal generieren. Per 31. August wies er erstmals wieder seit dem 28.12.2007 einen positiven Wert von 78% (s. Pfeil) aus. Sollte sich in den verbleibenden 1½ Wochen dieses Monats nichts Gravierendes im negativen Sinne ändern, würde auch dieser Indikator am Monatsende bei 100% stehen. Sie können in der Grafik erkennen, dass auch dieser Indikator die Haupt-Trendphasen im DAX in den vergangenen zehn Jahren gut „erwischt“ hat, wenn auch immer mit einer Zeitverzögerung von drei bis vier Monaten. Insofern soll er dem mittel- bis langfristig orientierten Anleger nur eine Vorstellung davon geben, wie die allgemeine Lage einzuschätzen ist.

Übrigens, die in der letzten Analyse abgebildete Relative Stärke-Rangliste der DAX-Werte zeigte die Commerzbank an erster Stelle und damit als die Aktie mit dem höchsten Momentum. Die Volkswagen-Aktie stand zum damaligen Zeitpunkt nur auf Rang 28. Seither stieg der DAX um 6,1%, die Commerzbank-Aktie um 44,6%(!) und die VW-Aktie fiel um 46,7%! Ein schönes Beispiel für Trendkontinuität, das die grundlegende Basis für die hier vorgestellte Strategie (Momentumstrategie) bildet.

Fazit:

Bisher verlief das Börsenjahr eher atypisch. Die ersten drei Monate, die häufig von einer freundlichen Börsentendenz bestimmt sind, waren dieses Jahr noch von der Subprime-Krise bestimmt und neigten deutlich zur Schwäche. Und in der eher ruhigen Börsenphase der Sommermonate setzte eine unerwartete Kursrallye rund um den Globus ein. Wenn also in diesem Jahr alles anders läuft als sonst, würde es mich auch nicht wundern, wenn der September dieses Mal vielleicht sogar im Plus schließt.

Die hier verwendeten Modelle zeigen derzeit jedenfalls keine akute Gefahr für einen Rückschlag größeren Ausmaßes. Sie bleiben also weiter investiert und ziehen allenfalls Ihre Stoppkurse nach, um die aufgelaufenen Gewinne abzusichern.

Mehr Informationen zur Strategie von Ralf Goerke finden Sie unter: Momentuminvestor.de