(Foto: picture-alliance/ dpa)
Freitag, 06. Januar 2012
Ekkehard Wiek: China strauchelt - Asien hat Alternativen
Die Bäume wachsen auch in China nicht in den Himmel: Das Wirtschaftswachstum kühlt sich ab, die Börsen sind auf Talfahrt – und Besserung ist nicht in Sicht. Doch Asien bietet attraktive Alternativen.
Die Geschichte klingt stimmig und lässt sich gut verkaufen: China ist die wachstumsstärkste Wirtschaftsregion der Welt. Es verfügt über ein schier unbegrenztes Reservoir an billigen Arbeitskräften. Die Kaufkraft großer Bevölkerungskreise wächst stetig. Politisch bietet es seit Jahren vergleichsweise stabile Verhältnisse. Ist China also nicht der ideale Produktions- und Absatzmarkt und bietet Börsenpotenzial ohne Grenzen?
Darauf setzen zumindest seit Jahren
viele Anleger und deren Berater. Doch die Realität hat sie eingeholt. Chinas
Aktienbörsen gehören zu den enttäuschendsten in der Region. Die für Ausländer
zugänglichen H-Shares, gelistet in Hong Kong, wie auch die den Chinesen
vorbehaltenen Titel in Shanghai und Shenzhen liegen inzwischen bei durchschnittlich
minus 30 bis 40 Prozent seit ihrem letzten Hoch und damit auf
zweieinhalbjährigen Tiefständen.
Enttäuschte Erwartungen
Die ernüchternde Bilanz der
vermeintlichen Erfolgsgeschichte hat viele Ursachen. Eine, gültig für die meisten Länder: Je höher die Prognosen,
desto mehr Raum ist für Enttäuschungen. Werden diese Erwartungen nicht
übertroffen, droht schnell der Absturz. So zeigen zahlreiche weltweite
Untersuchungen keine positive, sondern eher eine leicht negative Korrelation
zwischen dem Wirtschaftswachstum und der Börsenentwicklung eines Landes auf.
Betrug und Staatslenkung
Bilanzbetrug kommt zwar nicht nur
bei Chinas Unternehmen vor. Doch Anleger etwa in Singapur berichten bereits
seit Jahren von schlechten Erfahrungen mit dort gelisteten chinesischen Firmen.
In diesem Jahr nun traf es selbst große US-Hedge- und Pensionsfonds, die aufgrund
falscher Unternehmenskennzahlen dramatische Rückschläge mit Investitionen in
China-Aktien erlitten – Stichwort: Sino-Forest.
Schließlich bleibt China ein zentralistisch
gesteuertes Land, in dem die Regierung weiterhin massiven Einfluss auf
Unternehmen und Banken nimmt. Die freie Entfaltung von Marktkräften und faire
Spielregeln unter Wettbewerbern dürften wohl allenfalls Idealisten
unterstellen. Zudem lassen sich offizielle Zahlen wie Wirtschaftswachstum oder der
Schuldenstand nicht unabhängig überprüfen.
ASEAN-Staaten trotzen globalen Finanzproblemen
Demgegenüber haben andere Staaten Asiens
klammheimlich den weltweiten Finanzturbulenzen getrotzt. Die ASEAN-Staaten
Südostasiens, wie Indonesien, Philippinen, Thailand oder Malaysien können für
2011 sogar ein leichtes Kursplus verbuchen. Ihr Vorteil: Aufgrund ihres starken
Binnenmarktes sind sie nicht so sehr der globalen Finanzkrise und einer
möglichen Wirtschaftsschwäche ausgesetzt. Vergleichsweise geringe Staatschulden
und stabile Bankensysteme bieten daher auch in einem schwierigen Umfeld eine
gute Grundlage für eine weiterhin überdurchschnittliche Börsenentwicklung.
Allerdings: Momentan zeigen die
Börsentrends in allen Ländern Asiens ausnahmslos nach unten. Solange die
Euro-Krise sowie Europas und Amerikas Schuldenproblem auch in Asien Börsenthema
Nummer eins bleiben, sind selbst vergleichsweise stabile Börsen gefährdet.
Nicht Renditemaximierung, sondern Kapitalsicherung ist daher aktuell die
Maxime. Die Chancen stehen gut, dass sich 2012 noch niedrigere
Einstiegsmöglichkeiten bieten. Die ASEAN-Staaten im Besonderen dürften dann
weiter außergewöhnliches Potenzial bieten.
Der Autor Dr. Ekkehard Wiek ist Geschäftsführer der W&M Wealth Managers (Asia) Pte. Ltd. in Singapur und der Asia4Europe Investment GmbH in Ettlingen sowie Experte des Internetportals Vermögensprofis.de.
