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Montag, 17. Oktober 2011
Uwe Zimmer: Euro oder nicht Euro? Egal.
von Uwe Zimmer
Warum schreiben eigentlich alle über eine Euro-Krise? Oder besser gefragt: Warum kümmern wir uns um den Außerwert unserer Währung? Das Auseinanderbrechen der Eurozone wäre schlecht, nicht aber ein schwacher Euro.Wenn die Tagesschau oder
die Kommentatoren der großen Zeitungen oder der Wirtschaftspresse zeigen
wollen, wie schlecht alles ist, dann sprechen oder schreiben sie über den
„schwachen Euro“. Was aber genau heißt
eigentlich „ein schwacher Euro“? Das heißt doch zunächst einmal nur, dass der
Wert des Euro gegenüber dem Dollar, dem Franken, der norwegischen Krone oder
den Währungen der Schwellenländer weniger wert ist. Dass ich also mehr Euro pro
Dollar bekomme. Dass Einfuhren in die Eurozone teurer, Ausfuhren aus der
Eurozone billiger werden.
Ist das schlimm? Eher
nicht, denn es kurbelt zumindest bis zu einem gewissen Grad die Konjunktur, die
Exportwirtschaft, an. Ja, Einfuhren werden teurer, das wird sich bemerkbar
machen. Aber der Ölpreis, da er so gerne in Dollar gezahlt wird, droht derzeit
nicht durch die Decke zu gehen, und im Falle einer konjunkturellen
Abwärtsbewegung würde er sogar eher sinken. Die Einkäufer der Unternehmen
könnten einen schwächeren Euro wohl verkraften.
Brötchen bezahlt man in Euro
Wie sieht es beim privaten
Konsum aus? T-Shirts aus Bangladesch würden teurer, zugegeben. Beim Heizen und
Tanken aber würden wir – siehe oben – nicht viel merken. Und die wirklich
entscheidenden Dinge des täglichen Bedarfs zahlt man in Euro. Wie der zum
Dollar oder zum Renminbi steht, ist für den Brötchenpreis egal.
Vielleicht aber macht es
den Kapitalimport schwieriger. Wer möchte Anleihen einer Weichwährung kaufen?
Da ist gegenzuhalten, dass die Eurozone sich ja unter anderem deshalb
zusammengefunden hat, um einen starken Binnenmarkt, auch für Kapital, zu
schaffen. Die Staaten fahren zudem ihre Schulden zurück, der Kapitalbedarf
sinkt also langfristig. Zudem ist für die Kapitalgeber die langfristige
Stabilität entscheidender als der Realzins beziehungsweise die zu erzielende
Rendite. Anders ist nicht zu erklären, dass Japan mit Nullzins und hohen
Schulden noch immer ohne Probleme Kredite aufnehmen kann.
Auf Stärken besinnen
Es ist also gar nicht so
wichtig, wie der Euro nach außen dasteht. Viel wichtiger ist, dass er nach
innen stabil ist. Dazu zählt auch das Einstehen der Euro-Länder füreinander.
Eine Schwäche des Euro kann immer in Kauf genommen werden, nicht aber ein
Auseinanderbrechen der Eurozone. Denn das würde den Marktteilnehmern so viel
Angst einjagen, dass sie panisch verkaufen und erst nach geraumer Zeit wieder
anfangen zu handeln.
Der Autor Uwe Zimmer ist bankunabhängiger Vermögensverwalter bei Meridio und Experte des Internetportals Vermögensprofis.de.

