Archiv

Stephan AlbrechInflation: 6 % können es werden!

07.05.2012, 14:12 Uhr

Die Inflation in Deutschland muss steigen, wenn die Euro-Zone gesunden soll – und zwar sehr deutlich. Davon ist der Internationale Währungsfonds überzeugt. Anleger müssen sich daher gut überlegen: Wie halte ich es mit Spareinlagen und Anleihen? Denn die wenigsten dieser Anlagen können dem Sturm der Geldentwertung trotzen.

Olivier Blanchard, Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), schlug jüngst erfreulich klare Töne an: Die Euro-Zone kann ihre Probleme auf Dauer nur lösen, wenn Deutschland eine höhere Inflation hinnimmt. Wohlgemerkt nicht zweieinhalb bis drei Prozent. Nein, Blanchard sprach von fünf oder sechs Prozent im Jahr. Sein Argument: Nur dann haben die Krisen-Länder in der EU eine Chance, ökonomisch wieder auf die Füße zu kommen. Falls nicht, drohe ihnen eine „sehr hohe Deflation“.

Dazu kann ich nur sagen: Danke! Endlich bringt ein Vertreter des politischen Establishments auf den Punkt, was unsere Vermögensverwaltung schon lange umtreibt. Wie Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre also soll es werden. Damals litt die Mark an Schwindsucht; die Kaufkraft des Geldes sank jährlich um fünf bis sechs Prozent. Stellt sich die 100.000-Euro-Frage: Was heißt das für die 4,6 Billionen an Geldvermögen, die die Privathaushalte hierzulande auf die Seite gelegt haben?

Drei Billionen in Anleihen und Spareinlagen

Nach Angaben der Bundesbank liegen knapp zwei Billionen Euro auf Geldkonten, Termingeldern und Spareinlagen. Weitere 1,4 Billionen Euro verwalten die Versicherer, die den allergrößten Teil in Staatsanleihen angelegt haben – das zeigen die stetig sinkenden Garantiezinsen der Lebensversicherer. Und eine knappe Billion steckt in Aktien, Investmentfonds und festverzinslichen Wertpapieren, wobei auf Anleihen inklusive Fonds vermutlich eine halbe Billion entfällt. Das bedeutet: Über drei Viertel des Geldes stecken in Produkten, die von einem hohen Anstieg der Inflation zum Teil extrem negativ betroffen wären.

Finger weg von Staatsanleihen!

Am härtesten würde es lang laufende Anleihen und Spareinlagen treffen. Konkret: Bei einem Zins von zwei Prozent für 10.000 Euro in Bundesanleihen und einer jährlichen Inflation von sechs Prozent bekommt der Anleger zwar jedes Jahr 200 Euro vor Steuern ausbezahlt. Doch die reale Kaufkraft schmilzt mit einer jährlichen Rate von minus vier Prozent. Am Ende der zehn Jahre hat unser Anleger zwar 12.000 Euro auf dem Konto, doch die Dinge sind so teuer geworden, dass er sich dafür so viel leisten kann wie aktuell für rund 6.600 Euro – und das auch noch vor Steuern!

Fazit: Lassen Sie die Finger von lang laufenden Anleihen, auch aus dem Unternehmenssektor, sowie von Spareinlagen mit Laufzeiten von zwei Jahren und mehr. Auch bei Lebensversicherungen sollte man skeptisch sein, da diese – wie gesagt – in (sichere) Staatsanleihen investieren. Überlegen Sie daher, ob es sinnvoll sein könnte, die Versicherung beitragsfrei zu stellen oder gar zu kündigen!

Tagesgeld: Achten Sie auf hohe Zinsen

Etwas anders sieht die Lage bei Tagesgeldkonten und Termingeld mit einer Laufzeit von drei Monaten aus. Solche Konten eignen sich gut, um dort die eiserne Reserve für Notfälle oder Geld für eine bald anstehende größere Anschaffung, etwa ein Auto, zu parken – vorausgesetzt, Sie achten dabei auf ordentliche Verzinsung. Wenn die Leitzinsen im Zuge einer Inflationierung steigen sollten, dürften auch die Tagesgeldzinsen nach oben ziehen.

Fazit: Nutzen Sie für Ihr „Flüssiges“ gut verzinste Tagesgeldkonten, die ihre Kaufkraft erhalten, indem die Zinsen die Inflation ausgleichen. Rund 2,5 Prozent bekommen Sie derzeit bei gut zahlenden Banken. Streuen Sie Ihr Risiko, wenn gewünscht, indem Sie Ihr „Flüssiges“ auf mehrere Banken verteilen.

Chancen auf Gewinne? Nur mit Sachwerten!

Und was machen Sie mit dem Geld, das nun nicht mehr in Anleihen und Versicherungen steckt? Die Geschichte hat gezeigt, dass Sachwerte eine gute Wahl sind, wenn es darum geht, das Vermögen vor Inflation zu schützen. Dazu gehören dividendenstarke Aktien von Unternehmen, die bei Inflation höhere Preise am Markt durchsetzen können, wie auch Edelmetalle. Zwar schwanken solche Depots teils erheblich im Wert, doch sie bieten in Zeiten der Inflation gegenüber Anleihen einen entscheidenden Vorteil: Bei Anleihen ist der Verlust sicher, bei Aktien kann auf lange Sicht am Ende sogar ein hübscher Gewinn stehen.

Der Autor Stephan Albrech ist im Vorstand der bankunabhängigen Vermögensverwaltung Albrech & Cie und Experte des Internetportals Vermögensprofis.de.

Quelle: ntv.de