WasserGewinne sprudeln wieder

Der Wasserbedarf wird künftig weiter, was nicht zuletzt an der demografischen Entwicklung liegen dürfte. Anleger können auf diesen Trend setzen.
Die Bewohner der kleinen rebellischen 2.500- Seelengemeinde Bundanoon in Australien lenkten das Medieninteresse wieder auf ein Thema: den Umgang mit dem kostbarsten Gut auf der Erde, dem Wasser. Eine große Mehrheit der Gemeindemitglieder stimmte dafür, den Verkauf von Wasser in Flaschen zu verbieten.
Kurz zuvor hatte bereits der Regierungschef des Staates New South Wales allen Behörden untersagt, in Flaschen abgefülltes Wasser zu kaufen. Der Streit entzündete sich, als ein Getränkeabfüller ein Werk errichten wollte, das in Bundanoon Wasser abpumpen und in Flaschen abfüllen wollte, um diese dann ins 160 Kilometer entfernte Sydney zu transportieren. Mit Folgen für die Umwelt an damit produziertem Straßenlärm für die Anwohner und ausgestoßenen CO2-Belastungen.
Als Alternative errichtet der Gemeinderat nun öffentliche Brunnen entlang der Hauptstraße, an dem sich Einwohner und Touristen jederzeit bedienen können. Aber auch an anderen Orten der Welt laufen ähnliche Kampagnen, so in den USA unter dem Motto „Think Outside the Bottle”. Den Sprechern dieser Kampagne geht es um sauberes Trinkwasser außerhalb der Flasche.
Denn durch die Herstellung der Flaschen, den Transport und die Entsorgung des Mülls entständen riesige Kosten. Und dabei wären wir beim eigentlichen Thema, der weltweiten Trinkwasserherstellung und Abwasseraufbereitung, die angesichts der drohenden Klimaerwärmung immer wichtiger ist.
Nur geringe Süßwasservorräte
Auch wenn man sich hierzulande angesichts eines teilweise verregneten Sommeranfangs dazu kaum Gedanken macht, Wasser scheinbar in Hülle und Fülle vorhanden zu sein scheint. Nur kurz zur Erinnerung: Lediglich drei Prozent der Weltwasserreserven sind Süßwasservorräte.
Davon sind zwei Prozent in Polkappen und Gletschern als Eis gebunden, ein Prozent ist direkt verfügbar. 70 % davon entfallen weltweit auf die Landwirtschaft, acht Prozent auf Haushalte und 22 % auf die Industrie. Wobei es natürlich starke regionale Unterschiede gibt. In entwickelten Industrieländern Europas entfällt 51 % auf den industriellen Wasserverbrauch, in Nordamerika 48 %.
Dies ergab zumindest eine vor kurzem veröffentlichte Studie des European Sustainable Investment Forum (Eurosif), einer gemeinnützigen Mitgliedervereinigung, die in Kooperation mit der Schweizer Nachhaltigkeitsagentur INrate, die Planung, Durchführung und Entwicklung von nachhaltigen und verantwortungsvollen Investments fördert. Die drohende Klimaerwärmung mit einhergehenden langanhaltenden Dürreperioden, aber auch die demographische Entwicklung sorgen für zusätzlichen Druck.
Demographische Entwicklung
Laut jüngsten UN-Angaben soll die Zahl der Weltbevölkerung von derzeit 6,8 Mrd. bis zum Jahr 2050 auf 9,1 Mrd Einwohner anwachsen. Das heißt, jedes Jahr müssen 78 Millionen Einwohner mehr mit der immer knapper werdenden Ressource Wasser versorgt werden. Und das größte Bevölkerungswachstum erleben gerade die ärmsten Regionen der Welt, wie zum Beispiel Afrika, das laut UN-Angaben seine Bevölkerung von derzeit 1,03 auf zwei Milliarden verdoppeln wird. Bis zum Jahr 2050 könnten, wenn nichts geschieht, sieben Milliarden Menschen unter Wasserknappheit leiden, warnten erst kürzlich Unesco-Vertreter.
Bereits 2025 könne die Hälfte der Menschheit an Wassermangel leiden. Hinzu kommen Wirtschaftsverluste aufgrund einer mangelnden Wasser-Infrastruktur. Beispiel China: So kämpft der Norden des Landes, die Kornkammer des Reiches der Mitte, mit den Folgen von Wasserübernutzung, Wüstenbildung, sinkenden Flusspegeln und fallendem Grundwasserspiegel.
China wird größter Wasserrecycler
Es gingen dem Land allein durch Wüstenbildung jährlich 6,9 Mrd. US-Dollar verloren, berichtete der globale Vermögensverwalter in Sachen Nachaltigkeit SAM. China sei deshalb, so SAM weiter, auf ein nachhaltiges Wassermanagement angewiesen und werde daher das Volumen des recyclten Wassers bis zum Jahre 2011 jährlich um 30 % steigern, bis 2016 um weitere 23 % pro Jahr. Mit 21 Millionen Kubikmeter Wasser werde China zu diesem Zeitpunkt der größte Wasserrecycler der Welt sein, vor den USA, Spanien und Israel. Um dieses Ziel zu erreichen, pumpt China ein Fünftel ihres 460 Milliarden umfassenden Konjunkturprogrammes in diesen Bereich. Ähnliche Programme, wenn auch in weit geringerem Umfang, gibt es auch in anderen Ländern, darunter übrigens auch Industriestaaten, die häufig wie Großbritanniens Millionenmetropole London unter einer veraltetem Infrastruktur leiden.
Wasser-Zertifikate für Anleger
Der Emissions-Boom der Jahre 2005-2008, als nahezu jeder Emittent, der etwas auf sich hielt, mit einem Wasser-Zertifikat aufwartete, scheint allerdings derzeit vorbei. Aber vielleicht auch deshalb, denn fast all diese Produkte sind Open-End-Indexstrukturen, die nach wie vor von Anlegern als „gebrauchte” erworben werden können. Hinzu kommen zahlreiche Discounts, Bonusstrukturen oder Hebelprodukte auf Einzelwerte wie Veolia, Geberit oder BWT.
Nur wenige der rund zwei Dutzend aufgelegten reinen Wasserzertifikate konnten sich komplett dem allgemeinen Abwärtstrend entziehen. Auf Jahressicht liegt die Mehrheit der Produkte im Minusbereich, dabei einige bis zur einer negativen Rendite von 25 %. Behaupten konnten sich in der Krise lediglich das THEMAX China Water TR Index-Zertifikat (GS0TCH) von Goldman Sachs, das immerhin auf Jahressicht +7, 74 % erzielte. Hier haben sich wohl die enormen Anstrengungen des Landes in diesem Bereich und die nach wie vor hohen Zuwachsraten in der Wirtschaft von geschätzten acht Prozent bemerkbar gemacht.
Punkten konnte in dieser Zeitspanne auch das Hesse Newman World Water Protect-Zertifikat (A0N1X7) der RBS, das 6,24 % erzielte. Im Plusbereich liegt zudem noch das Wasser-Garant 8 % Zertifikat 08/12 (SG2PAG) der Société Générale.
Weit besser dagegen die Bilanz zahlreicher Produkte im 6-Monatsbereich. Keine Veränderung gibt es allerdings bei der Spitzenposition: auch hier behauptet sich unangefochten und mit weitem Abstand das THEMAX China Water TR Index-Zertifikat von Goldman Sachs mit 41,37 % Performance.
Auf den weiteren Plätzen folgen nahezu gleichauf je ein Produkt der Emittenten Vontobel und der Deutschen Bank. Das Vontobel Wasser Index TR Zertifikat (VFP11N) mit 23,58 % und das SBOX Global Water TR Index Open End-Zertifikat (DB1WAT) mit 23,61 %. Ersteres Produkt investiert gleichgewichtet in 20 weltweite Unternehmen, die in den Bereichen Effiziente Wasserversorgung, Wassertechnologien, effizienter Konsum und Einsatz in der Produktion arbeiten. Für die Auswahl sorgt die Nachhaltigkeitsagentur INrate. Das Produkt der Deutschen Bank mit Basiwert SBOX Global Water Performance-Index partizpiert an der Wertentwicklung der jeweils zehn marktkapitalstärksten Unternehmen der beiden Bereiche Wasserversorgung und -aufbereitung.
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