Archiv

Umweltwoche „Klima und Finanzen”Hauptsache Nachhaltigkeit?

01.02.2010, 14:29 Uhr
imageden Experten der Zertifikatewoche

Die Experten der Zertifikatewoche raten auch bei nachhaltigen Geldanlagen zu kühlem Kopf und einer möglichst Streuung der Investments.

Industrie-3
(Foto: picture-alliance/ dpa)

Angesichts von Temperaturen mancherorts in Deutschland bis minus 25 % und einem Schneechaos in einem der strengsten Winter seit Jahren mag bei so manchem Zeitgenossen derzeit Zweifel an der These einer globalen Klimaerwärmung aufkommen. Buchstäblich frostig wurde es in diesem Monat auch für den UNO-Klimarat IPCC. Nach Hackerangriffen und Bekanntwerden von Unstimmigkeiten wissenschaftlicher Forschungsergebnisse legte die „Sunday Times” dieser Tage nach. Wie das Blatt herausfand und inzwischen auch vom IPCC selbst eingestanden wurde, lag im letzten Sachstandsbericht ein grober Übertragungs-Fehler vor. Denn nach wissenschaftlichen Erkenntnissen schmelzen die Gletscher nicht wie vom IPCC veröffentlicht, voraussichtlich bis zum Jahre 2035 sondern erst im Jahre 2350. Fehler, die das Image einer bis dato vielerorts als seriös geltenden Quelle stark ankratzen und Skeptikern an der These der globalen Erderwärmung zumindest teilweise Recht geben.

Klimaschutz und Investoren

Doch trotz gescheitertem Weltklimagipfel und sich mehrender wissenschaftlicher Zweifel soll insbesondere in Europa der Klimaschutz weiterhin oberste Priorität besitzen. Ganz besonders Deutschland, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel, bürgt für diesen Trend des ökologischen Umbaus der Wirtschaft. Um die sich selbst gesteckten Klimaschutzziele bis zum Jahr 2020 zu schaffen, besteht allein in Deutschland ein Finanzbedarf von rund 400 Milliarden Euro. Mit der vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit erstmals ins Leben gerufenen Aktionswoche „Klima und Finanzen” in Kooperation mit Banken, Sparkassen und Versicherungen möchte die schwarz-gelbe Koalition auch die Finanzbranche inklusiv Privatinvestoren in den Prozess aktiv einbinden. „Klimaschutz ist eng verbunden mit Innovationen und einer ökonomischen Modernisierungsstrategie für Deutschland”, so Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen beim Start der Aktionswoche. Die Finanzwirtschaft sei bei deren Umsetzung ein wichtiger Partner, denn nur sie könne die nötigen Finanzierungslösungen für transparente, rentable und gleichzeitig klimafreundliche Investitionen ausbauen und weiterentwickeln. Rund 36 Partner unterstützen diese Aktion mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen, darunter auch die Börse Stuttgart, die am 26. Januar 2010 Vertreter aus Umweltverbänden, der Finanzwirtschaft, Journalisten, Anlegerschützer und Privatinvestoren in ihre Räume einlud.

Dr. Gerhard Fischer, Leiter Corporate Sustainability der Landesbank-Baden-Württemberg sieht in der Auftaktveranstaltung, einer Podiumsdiskussion vor geladenen Gästen, einen klaren Trend zu Nachhaltigkeit bei Investments und der Beratung. Weniger überzeugt von dieser These zeigte sich davon Oliver Hans, Geschäftsführer der Baden-Württembergischen Wertpapierbörse GmbH, der bei einem Angebot von gerade einmal 245 an der Börse Stuttgart gelisteten reinen Nachhaltigkeitsprodukten von insgesamt 168.000 Produkten keinen klaren Trend zu mehr nachhaltigen Investments erkennen kann. Und er würde sich gern mehr Nachfrage bei solchen Produkten wünschen.

"...bis zehn Prozent Rendite..."

Die eigentlichen Investitionen fänden in der Tat wo anders statt, pflichtet ihm Hermann-Josef-Tenhagen, Chefredakteur „Finanztest” bei, nämlich in Form von Solaranlagen oder Biogasanlagen. Und mit solchen Investments seien durchaus acht bis zehn Prozent Rendite je nach Menge des erzeugten Stroms drin. Bei reinen Investments wären viele Anleger beispielsweise auch durch geschlossene Beteiligungen abgeschreckt worden, bei denen sich mancher dann 20 % der Rendite eingesteckt habe. Für Enttäuschung bei vielen Anlegern zeigte aber auch die Tatsache, dass sich beispielsweise manche Solarfirmen nicht den Auswirkungen der Finanzkrise entziehen konnten, viele davon sogar weit stärker als der DAX einbrachen. Und von der anschließenden Erholung der DAX-Werte seit März 2008 erholten sie sich unterdurchschnittlich, wenn überhaupt. Der Grund: Deutsche Unternehmen haben verstärkt mit der chinesischen Konkurrenz zu kämpfen, die Solaranlagen weit preisgünstiger produzieren. Zudem spielen politische Entscheidungen wie beispielsweise die Kürzung von Subventionen eine Rolle, denn noch immer hängt die Branche, wie auch andere erneuerbare Energieträger am Tropf des Staates. Und das macht es für den Privatanleger noch unberechenbarer.

Investitionen breit streuen

„Was in der Zeit des Internetbooms die dotcoms waren, waren in den Jahren 2005 bis 2007 die Solarfirmen”, so auch von Hans durchaus kritisch gemeint. Und wer beispielsweise in Aktien oder auch Zertifikate mit Basiswert Solaraktie investierte, aber noch rechtzeitig die Reissleine zog, verdiente prächtig. Aber dieses Beispiel des Kursabsturzes zeige, dass Nachhaltigkeit kein Garant auch für nachhaltige Rendite bedeute. So der Umweltminister Peter Hauck des Landes Baden-Württemberg in einer anlässlich der Aktionswoche verbreiteten Erklärung: „Klimaschutz reicht beim Wertpapierkauf als einziges Kaufargument bei weitem nicht aus. Wie bei jeder herkömmlichen Anlage, müssen auch beim Klimaschutz-Wertpapier finanzielle Chancen und Risiken nüchtern gegeneinander abgewogen werden. Darüber hinaus müsse der Verbraucher klar erkennen können, um was es bei dem Papier gehe und welche Ziele verfolgt würden. Nur so könne er abschätzen, ob sich das Investment mit seiner eigenen und ganz persönlichen Finanzplanung in Einklang bringen lasse. Er müsse sicher sein, dass ihm nicht unter dem Deckmantel von gut klingenden Formulierungen, wie zum Beispiel „gut fürs Klima” überteuerte Finanzprodukte untergeschoben werden. „Verbraucher dürfen sich bei Finanzanlagen nicht von Ideologien leiten lassen”, so sein Credo. Wie dies genau gemeint ist zeigte ein Vortrag über Management bei Nachhaltigen Investments der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Neben der Beurteilung ökologischer und sozialer Themen durch Ratingagenturen wie Oekom research, Inrate oder scoris spielen nach wie vor, wie bei allen Investments, auch die im sogenannten magischen Dreieck festgelegten Kriterien Risiko, Rendite und Liquidität eine Rolle. Und je enger das Investmentthema gefasst, wie beispielsweise nur Solarunternehmen, Bioenergie oder auch Windkraft-Unternehmen, desto größer auch das Investment-Risiko. Deshalb gilt auch hierbei: Immer so breit diversifizieren und möglichst in Nachhaltigkeitsindizes investieren, die branchenübergreifend in die am nachhaltigsten wirtschaftenden Unternehmen investieren, die Sector Leaders, wie sie beispielsweise derzeit im The Sustainability Yearbook 2010 aufgelistet sind. Zurzeit besonders lukrativ sind infolge der weltweiten Konjunkturprogramme Unternehmen, die beispielsweise im Bereich Wärmedämmung zu den führenden gehören wie Rockwool. Aber auch deutsche Maschinenbauer wie Manz Automation, Roth & Rau oder Centrotherm, die die Fertigungslinien für Solarzellen auch in China herstellen, profitieren noch von dem Trend, von denen auch Zertifikateanleger profitieren können.

Waldinvestment ist Langfristanlage

Ein Themenschwerpunkt an der Börse Stuttgart war das Thema Holz- und Forstwirtschaft als ein Teilbereich der nachhaltigen Investments. Das zeigte auch die Anwesenheit des Rektors der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg sowie weitere Referenten und Studierende der Fakultät. Wie auch bei Solarzellen war die Boomzeit das Jahr 2007, in der die Mehrzahl der Zertifikate in diesem Bereich aufgelegt wurden. Doch bei Waldinvesments handelt es sich in der Regel um Langzeitinvestments. Ein Baum benötigt in Mitteleuropa in der Regel 90 Jahre, bis er der Nutzung zugeführt werden kann, in Emerging Markets geht es mit rund 20 Jahren weit schneller. Der Holzvolumenzuwachs beträgt hier das vier bis fünffache von deutschen Wäldern, und dies bei rund einem Viertel der Arbeitskosten und teilweise höheren Holzpreisen. Wer also beispielsweise in diesem Bereich auf Unternehmen im Forstbereich setzt, die in Ländern Mittel- und Südamerikas investieren, kann durchaus Renditen von 15 % p.a. erwirtschaften, während normalerweise in Deutschland Renditen von 2 bis 5 % üblich sind. Wichtig dabei jedoch für Investoren mit „grünem Herz”: Die Unternehmen sollten das FSC-Siegel tragen, nur das garantiert, dass Mindeststandards im Bereich Ökologie und Soziales tatsächlich eingehalten werden und kein Raubbau an der Natur betrieben wird. Denn auch hier gilt: Nicht immer ist Öko drin, wo Öko draufsteht. Und mancher Emittent sah sich bereits infolge von Protesten gezwungen, Unternehmen, die solche Standards nicht einhielten, aus dem Basket zu entfernen.

Natürlich konnte auch Holz sich den Auswirkungen der Finanzkrise nicht entziehen. Wird nicht mehr gebaut, sinkt natürlich auch die Nachfrage nach Zellstoff oder Bauholz. Das zeigte sich auch bei der Entwicklung der neun Holzzertifikate (siehe Tabelle), die zwischenzeitlich dramatisch an Wert einbüßten. Seit einiger Zeit geht es jedoch nahezu bei allen Produkten wieder aufwärts. Und wer beispielsweise in das S&P Global Timber & Forest TR Open-End-Zertifikat (GS0TWA) setzte, das in 25 Unternehmen der Forstwirtschaft und Zellstoffindustrie aus Industrieländern und Emerging Markets investiert, konnte eine Jahresrendite von +40,04 % erwirtschaften. Haken bei dem Investment jedoch: Bei dem Produkt handelt sich leider um ein Zertifikat, das ohne den Anspruch auf Nachhaltigkeit aufgelegt wurde. Dass sich aber auch reine Nachhaltigkeitsinvestments im Bereich Holz lohnen können, zeigt beispielsweise das Holz-Nachhaltigkeits-Basket-Zertifikat der Raiffeisen-Centrobank (RCB7YJ), das auf Jahressicht ein Plus von 51, 98 % erwirtschaftete. Vorausgesetzt, der Investor fand den richtigen Einstiegszeitpunkt. Denn zwischen September 2007 und März 2009 büßte das Zertifikat wie die meisten Holz-Zertifikate rund drei Viertel seines Wertes ein.

Renditemäßig kann sich ein Holz-Investment also durchaus rechnen, allerdings zeigt die hohe Volatilität der Anlage, wie unberechenbar dies auch für den Privatanleger sein kann. Und schließlich handelt es sich auch bei einseitigen Investement in nur diesem Bereich um ein hoch spekulatives Investment. Ähnlich scheint das auch Umweltminister Hauck zu sehen, der ursprünglich aus dem Bereich Waldwirtschaft kommt und sich hierbei bestens auskennt: „Auf den ersten Blick scheint es interessant zu sein, direkt in Wald oder in einschlägige Wertpapiere zu investieren. Allerdings ist die Bewertung der einzelnen Anlageformen für den privaten Anleger schwierig.” Auf Grund einer ständig steigenden Nachfrage nach Holz als Rohstoff und Energieträger sei eine Investition in Wald grundsätzlich positiv zu bewerten. Allerdings sei Forstwirtschaft vor allem in Mitteleuropa sehr kapitalintensiv. Darüber hinaus seien von den Emittenten in Aussicht gestellte Renditen stark unterschiedlich. Auch lasse sich nicht abschätzen, wie sich die Änderung des Weltklimas auf die Forst- und Holzwirtschaft letztendlich auswirken werde.

Den aktuellen Newsletter der Zertifikatewoche erhalten Sie hier.