Wirtschaft

Per Saldo: Die Fürsten der Finsternis

von Jan Gänger

Gemeinhin gilt das Internet als Paradies für Anhänger der gepflegten Verschwörungstheorie. Doch es gibt noch eine andere Bastion des Lichts, in der die Mächte des Dunklen ohne Unterlass bloßgestellt werden: Brüssel.

An der Wall Street wimmelt es von dunklen Mächten.
An der Wall Street wimmelt es von dunklen Mächten.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Wackere EU-Kommissare und standhafte Euro-Finanzminister werden nicht müde, den Totengräbern des Euro die Stirn zu bieten. Jenen finsteren Gestalten, die den Lauf der Dinge bestimmen und sich diabolisch lachend die Hände reiben ob ihres finanziellen Erfolgs: den gierigen Spekulanten. Den Zockern, die taumelnde Euro-Länder angreifen und auf das Zerbrechen des Währungsraums setzen. Den gewissenlosen Gesellen, die nur eines im Sinn haben: Profit.

Die Mächte des Bösen haben nach dieser Lesart bereits eindrucksvolle Erfolge erzielt. Irland und Griechenland sind so gut wie pleite. Spanien und Italien nähern sich dem Abgrund und fürchten den gnadenlosen Stoß.

Moment! Hier könnte man einwenden, dass Griechen, Iren und Spanier nicht unbedingt frei von Verantwortung sind. Für die strukturellen Probleme ihrer Volkswirtschaften sind sie selbst zuständig. Die Finanzmärkte haben ihnen weder ihre Überschuldung noch die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit eingebrockt. Sie haben wirklich kein Interesse daran, dass die Eurozone kollabiert. Denn die Folgen wären auch für sie unabsehbar und im Zweifel fürchterlich teuer. Das mag einer der Gründe dafür sein, dass sie den taumelnden Staaten weiterhin dringend benötigtes Geld leihen.

Die Angst vor dem Unbekannten

Die Finanzierungsschwierigkeiten hochverschuldeter Euro-Länder sind nicht das Ergebnis einer Verschwörung dunkler Mächte. Es handelt sich vielmehr um einen völlig normalen Marktmechanismus. Anleger zweifeln - nicht ohne Grund - zunehmend an der Zahlungsfähigkeit von Euro-Staaten und verlangen deshalb für ihr Geld höhere Zinsen.

Das hindert zahlreiche ernstzunehmende Politiker allerdings nicht, die Mär vom bösen Spekulanten zu verbreiten. Bislang hat zwar noch keiner von ihnen erklärt, wer diese Spekulanten sind und auf welche Weise sie Unheil verbreiten. Manche murmeln "Hedgefonds", doch konkreter werden sie nicht.

Aber genau das ist womöglich der Beweis für die Gefährlichkeit der Spekulanten: Sie sind nicht greifbar. Sie schmieden ihre finsteren Pläne im Verborgenen, ziehen irgendwo ihre Strippen und richten unermesslichen Schaden an, um damit unglaublich viel Geld zu verdienen.

Alles klar. John F. Kennedy war ein Außerirdischer, Elvis lebt und die Amerikaner waren noch nie auf dem Mond.

Quelle: n-tv.de