Wirtschaft
Lässt seine Villa von der Firma bezahlen: Steve Wynn.
Lässt seine Villa von der Firma bezahlen: Steve Wynn.(Foto: picture alliance / dpa)

Inside Wall Street: Die süßen Boni der US-Bosse

Von Lars Halter, New York

An der Wall Street steigen die Kurse. Verantwortlich dafür ist nicht etwa eine stark wachsende US-Wirtschaft. Nein, die Fed-Blase sorgt für den Aufschwung. Die Bosse versuchen nicht unangenehm aufzufallen und lassen ihre Gehälter nur minimal erhöhen. Sie konzentrieren sich auf die Sonderleistungen.

Wer dieser Tage den Dow Jones beobachtet, der weiß, dass der amerikanische Leitindex längst in seiner eigenen Welt handelt. Dass die Kurse der "Blue Chips" nicht mehr die Realität der US-amerikanischen Wirtschaft widerspiegeln, sondern Teil einer Fed-Blase sind, ist klar - auch den Chef der Unternehmen, deren Aktien um die Wette klettern. Einigen scheint die Diskrepanz zwischen Konjunktur und Markt fast schon peinlich zu sein.

Corporate America reagiert auf den Unmut, mit dem die US-Amerikaner auf die Wall Street blicken. Denn während im New Yorker Finanzviertel die Welt in Ordnung ist, während die Aktien klettern, gibt es auf dem Arbeitsmarkt keine nachhaltige Erholung, die Infrastruktur im Land fällt auseinander, Verbraucher sitzen auf Schuldenbergen - wer sich jetzt nicht ganz unbeliebt machen will, der versucht nach Kräften den allzu unverschämten Reichtum zu verstecken.

Die Bosse der größten US-Unternehmen haben einen Weg gefunden, zumindest in den eigenen Bilanzen nicht allzu unangenehm aufzufallen. Nachdem die Gehälter und Boni in den Chef-Etagen in den letzten Jahren zunehmend in Beschuss geraten sind, hat man diese im vergangenen Jahr nur minimal erhöht: um 2,8 Prozent, wie die Analysten von Equilar anhand jüngst eingereichter Daten berechnet haben. Der minimale Aufschlag spricht nicht etwa für eine neue Bescheidenheit. Nein, die Chefs langen anderswo zu: Die sogenannten "Perks" - also alle möglichen Sonderleistungen, die dem CEO das Leben versüßen - haben im vergangenen Jahr um satte 18,7 Prozent zugelegt.

Freiheit und Komfort grenzenlos

Ganz oben auf der Liste der Sonderleistungen stehen nach wie vor extravagante Reisevergütungen. Unter den Chefs der 100 größten amerikanischen Firmen ist es mittlerweile üblich, den Firmenjet auch privat zu nutzen. Nicht nur hin und wieder, sondern jedes Wochenende. Ob es zum Golf geht oder nach Disneyland, ob Hotelmogul Steve Wynn in einer nagelneuen Gulfstream G650 reist oder Hertz-Chef Mark Frissora, ganz egal, über den Wolken ist nicht nur die Freiheit grenzenlos, sondern vor allem der Komfort. Luxusfliegen auf Firmenkosten - im Durchschnitt schlägt das in den US-amerikanischen Top 100 mit rund einer halben Million Dollar jährlich zu Buche.

Verdient nicht schlecht: Larry Ellison.
Verdient nicht schlecht: Larry Ellison.(Foto: picture alliance / dpa)

Nicht dass sich die Bosse ihre privaten Flüge nicht leisten könnten. Zu den Großverdienern 2012 gehörten, wie jetzt mit Ablauf des ersten Quartals 2013 bekannt wurde, vor allem die Chefs der Topmarken: Robert Iger von Disney, Howard Schultz von Starbucks, Mark Parker von Nike - sie alle kassierten im letzten Jahr mehr als 25 Millionen Dollar. Und sind damit noch längst nicht die Spitze. Auf dem ersten Platz ist - wie immer - Oracle-Chef Larry Ellison mit einem Gehalt von mehr als 96 Millionen Dollar.

Und doch: Selber zahlen ist für das einfache Volk - der Boss lässt zahlen, und die Kosten für Sonderleistungen zogen im vergangenen Jahr eben deutlich an. Das liegt nicht zuletzt an einem Paragraphen im recht neuen Börsengesetz Sarbanes-Oxley, nachdem die Managementgehälter von den Aktionären abgesegnet werden müssen. Viele Unternehmen hoffen nun, dass die Anteilseigner vor allem auf die nackten Zahlen schauen und die "Perks" übersehen. Das scheint auch oft gutzugehen, am Ende kommt der verschwenderische Umgang mit der Geschäftskohle aber doch heraus.

Kaum Proteste

Dass sich Steve Wynn seine private Villa in Las Vegas von der Firma bezahlen lässt, dass Corning-Chef Jeffrey Evenson mit 400.000 Dollar über einen zeitweiligen Wertverlust seines Hauses bei Boston getröstet wurde. All das ist Aktionären schwer zu vermitteln. Dass Greg Brown von Motorola Solutions mit Firmengeld sogar ein Lehrstuhl an seiner Alma Mater finanziert wurde, ist geradezu grotesk, genauso die zahlreichen Mitgliedschaften in Golfclubs, die viele der Bestverdienenden über die Geschäftskasse abrechnen.

Und doch: Bei den jüngsten Aktionärstreffen gab es kaum Proteste gegen die Gehaltspakete der Bosse. Experten wundern sich. "Einige dieser Sonderzahlungen sind geradezu unverschämt", meint etwa Charles Elson vom Weinberg Center for Corporate Governance. Und der Unternehmensberater Alan Johnson, der auf Gehaltsverhandlungen spezialisiert ist, hält die außergewöhnlichen Ausgaben für "dumm mit einem großen D. Man führt die Aktionäre ja geradezu an der Nase herum." Dass es nicht längst zu massiven Protesten kam, scheint den kritischen Betrachter zu wundern.

Quelle: n-tv.de