Wirtschaft
Jack Lew.
Jack Lew.(Foto: REUTERS)

Inside Wall Street: Trubel um Jack Lew

Von Lars Halter, New York

US-Präsident Obama will seinen Stabschef Lew zum Nachfolger des scheidenden Finanzministers Geithner machen. Damit stößt er jedoch auf Widerstand bei den Republikanern. Für Kontroversen sorgt sogar Lews Unterschrift.

Timothy Geithner hat die Nase voll von den politischen Wirren in Washington. Seinen Rückzug nach einer Legislaturperiode hat der amtierende amerikanische Finanzminister lange vorbereitet – jetzt steht sein Nachfolger fest: Jack Lew, zur Zeit Stabschef im Weißen Haus, soll die "Treasury" übernehmen. Nach dem Haushaltsstreit droht dem Kongress jetzt auch noch eine langwierige Personalie.

Jack Lew war noch nicht einmal nominiert, da hagelte es bereits wütende Proteste seitens der Republikaner. Im vergifteten Klima in der US-Hauptstadt ist das keine besondere Überraschung, albern ist es dennoch. Denn die Kompetenz von Jack Lew für den neuen Posten müsste eigentlich unstrittig sein. Er war immerhin Haushaltsdirektor von zwei Präsidenten: Barack Obama und Bill Clinton. Damit kennt er den Haushalt in- und auswendig, und zwar mit einem historischen Überschuss und mit dem aktuellen Defizit. Lew gilt als detailbesessen – sicherlich ein Plus, wenn es um die Finanzen der Weltmacht geht.

Kein Mann der Wall Street

Was Jack Lew fehlt: die Erfahrung – manche sagen: die Korruption – in der freien Wirtschaft und an der Wall Street. Das heißt im Klartext: Der Mann kommt nicht von Goldman Sachs, und das passt so manchem nicht. Aus der Kaderschmiede im New Yorker Finanzdistrikt kam in den letzten Jahren jeder, der in Washington mitreden wollte. Wer in der Hauptstadt ausschied, ging im Gegenzug in der Regel zu Goldman Sachs. Die Investmentbank gilt nicht umsonst als der mächtigste Konzern der Welt, denn kein anderes Unternehmen hat derartig enge Beziehungen ins Zentrum der Macht.

Einmal auf einen möglicherweise neutralen Politiker und Strategen zurückzugreifen anstatt das Amt des Finanzministers wieder aus den Reihen der Wall Street zu besetzen, ist wohl für die meisten Menschen eine gute Idee. Für die Republikaner ist es eine Katastrophe, und sie machen keinen Hehl aus ihrer Meinung. "Die bisherige Finanzpolitik der Regierung Obama kommt bei vielen nicht gut an", sagt etwa Mike Johanns, republikanischer Abgeordneter aus Nebraska. "Und Lew ist da als Stabschef mittendrin. Das ist kontrovers."

Will heißen: Die Republikaner werfen Lew seine politische Nähe zum Präsidenten vor, der ihn für den Posten nominiert. Das ist vollkommen absurd, denn es gehört nun einmal zu den Aufgaben eines Präsidenten, ein Kabinett zu berufen, und da setzt man gewöhnlich die Leute ein, die eben die eigenen Ansichten teilen. Woher kommt die Abneigung der Opposition wirklich? In den jüngsten Verhandlungen um das "Fiscal Cliff" und die langwierige Diskussion um die Schuldendecke vor anderthalb Jahren kritisierte Lew die Blockadepolitik der Republikaner, die ihm das nicht verzeihen.

"Wir brauchen eine Führungskraft, die bei den Führern der amerikanischen und der Weltwirtschaft glaubwürdig ist", mosert auch Jeff Sessions, republikanischer Abgeordneter aus Alabama und macht damit klar, wen er gerne in der Position des Finanzministers sähe: einen Mann von der Wall Street. Nach der Hypotheken- und der Finanzkrise der letzten Dekade, die ja in erster Linie von den rücksichtslosen Spekulationen an der Wall Street verursacht wurden, ist das allerdings kaum ein mehrheitsfähiger Wunsch.

Präsident Obama wird den Widerstand der Opposition erwartet haben. Um Jack Lew wird der Kongress ebenso raufen wie um jeden anderen Kabinettsposten, denn die Blockadepolitik in der Hauptstadt wird auch in der zweiten Amtszeit des Präsidenten nicht enden.

Spott über Unterschrift

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Eine andere Posse spielt sich derzeit um die Unterschrift von Jack Lew ab. Die soll nämlich künftig jeden einzelnen neuen Dollar-Schein zieren. Das Problem: Jack Lew unterschreibt mit einem bizarren Kringel, der im Internet bereits vielseitig verhöhnt wird. Ein Blogger beschreibt die Unterschrift als "Skizze einer Achterbahn, die mein Sechsjähriger gezeichnet" hat, andere sehen darin "von Kinderhand gezeichneten Rauch" oder "ein Schamhaar". Alternativ könne der Krakel von einem Zettel kopiert sein, auf dem Kunden im Schreibwarenladen neue Kugelschreiber ausprobieren.

Unabhängig von einer möglichen Bestätigung Lews als Finanzminister ist fraglich, ob es der kindische Kringel je auf die Währung schafft. Denn bereits Timothy Geithner fiel anfangs durch eine unleserliche Signatur auf – er musste diese ändern, um auf Banknoten einen lesbaren Eindruck zu machen. Das dürfte auch Jack Lew blühen.

Quelle: n-tv.de