Wirtschaft
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Wirtschaftsweise? Na und!: Ein Gutachten für die Tonne

Ein Kommentar von Jan Gänger

Auch Professoren können Unsinn erzählen. Bei den Wirtschaftsweisen ist das nicht der Fall. Schade, dass die Bundesregierung ihre Ratschläge trotzdem ignoriert.

Die fünf Wirtschaftsweisen haben guten Grund, frustriert zu sein. Da stecken sie viel Zeit und Mühe in ein 405 Seiten starkes Gutachten, übergeben es der Bundesregierung, hoffen auf Gehör - und Kanzlerin Angela Merkel macht keinen Hehl daraus, was sie von der Sache hält: herzlich wenig. Das ist nicht nur unangemessen, sondern auch ein Fehler.

Erst wischt Merkel die Kritik der Wirtschaftsweisen beiseite, die Bundesregierung trage wegen ihrer Reform-Abstinenz eine Mitschuld an der gegenwärtigen Konjunkturflaute. Dann sagt sie, sie werde sich dennoch "konstruktiv" mit dem Gutachten auseinandersetzen.  

Wenn es denn so wäre. Wie gering das Ansehen der  Ökonomenzunft bei der Bundesregierung ist, hat Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vor einigen Tagen in aller Offenheit ausgedrückt, als er abfällig von "Wirtschaftstheologie" sprach.

Hier könnte man fragen, wer hier eigentlich einer "Wirtschaftstheologie" anhängt. Kleiner Hinweis: Die Wirtschaftsweisen wohl weniger. Tapfer wies der Chef des Sachverständigenrates, Christoph Schmidt, darauf hin, das Gremium mache "evidenzbasierte Politikberatung". Das ist sicherlich richtig. Doch nützt das wenig, wenn sich die Politik partout nicht beraten lassen will.

Dabei ist eine Kernaussage des Gutachtes unstrittig. Das Wachstum hierzulande ist schwach. Das ist keine Katastrophe, es besteht aber dringender Handlungsbedarf. Im Klartext heißt das: Die Regierung darf sich nicht mehr zufrieden zurücklehnen, sondern muss Reformen anpacken. Das ist beileibe keine Floskel. Die Herausforderungen des demographischen Wandels sind gewaltig, um nur ein Beispiel zu nennen.

Es kann doch nicht sein, dass die Bundesregierung ständig ungefragt andere Länder Europas fröhlich zu Reformen auffordert - und selber unbeirrt Geschenke wie Mindestlohn oder Rentenpaket verteilt.  

Es wäre wirklich schön, wenn die Bundesregierung wenigstens einen Rat der Wirtschaftsweisen beherzigen würde: Handelt nicht erst dann, wenn es bereits zu spät ist.

Quelle: n-tv.de