Börsenprügel für DaimlerZetsche hält den Kopf hin
Daimler spart an der Dividende, und die Aufregung an den Aktienmärkten ist groß. Dabei bleibt einem Unternehmen wie Daimler eigentlich gar nichts anderes übrig.
Ein Kommentar von Martin Morcinek
Eigentlich hat Dieter Zetsche ja alles richtig gemacht. Krise erkannt, eingegriffen, gespart, umgebaut, Krise gebannt. Trotzdem strafen ihn die Anleger ab, der Daimler-Kurs rauscht in den Keller. Woran liegt das? Die Analysten verweisen auf den unerwarteten Dividendenstopp.
"Wir sind durch die schwerste Weltwirtschaftskrise, die der Globus seit 50 Jahren erlebt hat, gegangen", fasst der Konzernchef gegenüber n-tv die Lage seines Hauses zusammen. "Das hat natürlich auch massive Auswirkungen auf Daimler gehabt. Wir sind in den ersten Quartalen davon massiv betroffen worden, haben uns dann aber in der Lage gesehen, kräftig gegenzusteuern".
Zu Beginn des Jahres 2010 befinde sich die Weltwirtschaft noch immer in einer Übergangsphase, erklärte Zetsche. "Einerseits wurde die Talsohle der schwerwiegendsten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit inzwischen durchschritten, andererseits gibt es kaum stichhaltige Belege dafür, dass sich tatsächlich schon ein selbsttragender, dauerhafter Aufschwung eingestellt hat."
In der Weltwirtschaft gebe es zwar Anzeichen für eine leichte Erholung, dies sei aber keineswegs "Grund zur Entwarnung", betont der Daimler-Chef. Doch Zetsches Ansichten zur Konjunktur können den Kursrutsch allerdings kaum erklären.
Parallel zur Pressekonferenz verweisen Analysten daher vor allem auf die unerwartet gestrichene Dividende. Erstmals seit 14 Jahren gehen Daimler-Aktionäre leer aus. "Die Streichung der Dividende ist eine große Überraschung", heißt es aus Frankfurt.
Der harte Schnitt bei der Dividende ergebe sich nur aus dem Konzernergebnis des Jahres 2009, beeilt sich Zetsche zu versichern. Keinesfalls sei das als ein Signal für die Geschäftsentwicklung des laufenden Jahres zu verstehen.
Eigentlich hat Zetsche also alles richtig gemacht. Denn was hätte er sich - am Fließband, in Berlin und im Feuilleton - anhören dürfen, wenn er trotz des überraschend hohen Nettoverlusts von 2,6 Mrd. Euro tatsächlich noch Geld an die Aktionäre ausgeschüttet hätte?