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US-Anleger angesteckt: 12.000er-Dax stürmt zu neuem Schlussrekord

Ein weiterer Tag für die Geschichtsbücher der Frankfurter Börse: Zum ersten Mal knackt der Leitindex Dax die Marke von 12.000 Punkten. Danach steigen die Kurse noch weiter, die Gelflut der EZB beflügelt. In New York hilft ein schwacher Euro den Kursen auf die Sprünge.

Der deutsche Aktienmarkt war auch heute nicht zu halten: Der Leitindex Dax war von Beginn an in Rekordlaune und ließ die Bestmarken nur so purzeln. Los ging es mit der Rekordjagd eine knappe Dreiviertelstunde nach Handelsstart: Erstmals seit seinem Bestehen stieg der Dax über 12.000 Punkte. Am Nachmittag fiel auch die Marke von 12.100 Punkten, etwas später wurden auch die 12.200 Punkte erstmals überschritten. Das neue Allzeithoch liegt nun bei 12.219 Zählern. Und das ausgerechnet am von der Deutschen Börse und mehreren Direktbanken ausgerufenen "Tag der Aktie".

"Der Aufschwung beschleunigt sich seit den Anleihenkäufen der Europäischen Zentralbank", sagte ein Händler. Erst vor knapp fünf Wochen hatte der Dax die 11.000er Marke erreicht. Von 10.000 bis 11.000 Punkten und von 9.000 bis 10.000 Punkten hatte es jeweils etwa 8 Monate gedauert. Aktien seien wegen der Staatsanleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) zunehmend als Alternative zu den mehr oder weniger renditelosen Anleihen gesucht. Zudem führe der schwache Euro zu steigenden Gewinnerwartungen. "Das sichert den Kursanstieg ab", sagte ein Marktteilnehmer.

Der Aktienmarkt profitierte auch vom schwachen Euro, der zwar zwischenzeitlich über 1,06 Dollar stieg, aber weiter in der Nähe der jüngsten Zwölf-Jahres-Tiefs notierte. Das verlieh vor allem exportorientierten Aktien, wie den Automobilwerten, weiter Auftrieb.

"Die Rally kann durchaus noch eine Weile so weiter gehen. Dennoch nimmt auf dem hohen Niveau die Nervosität der Bullen zu", sagte Andreas Paciorek, Marktanalyst bei CMC Markets. Groß sei die Verführung, die seit Jahresbeginn aufgelaufenen Gewinne mitzunehmen. Seit Jahresbeginn hat der Index bereits um gut 22 Prozent zugelegt. Gerade einmal zwei Monate hat der Dax für die letzten 2000 Punkte gebraucht. Jedoch, bemerkte Paciorek, fehlten im Fall von Gewinnmitnahmen dem dann frei werdende Geld im Niedrigzinsumfeld die Alternativen. "Das hält die meisten von größeren Verkäufen ab", sagte Paciorek.

Die Börse in Athen meldete allerdings Kursverluste, der Leitindex gab dort um 1,3 Prozent nach. Das Land hat eine weitere Kredittranche von 560 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen müssen. Laut Athener Finanzministerium ist das Krisenland seiner Verpflichtungen nachgekommen. Dennoch wird die finanzielle Lage des Landes immer prekärer. Am Freitag muss Griechenland eine weitere Zahlung über 350 Millionen Euro an den IWF leisten sowie 1,6 Milliarden Euro an fällig werdenden Schatzanweisungen refinanzieren.

Deutschland: MDax knackt 21.000-Punkte-Marke

Der Dax schloss nach einem Tag voller Rekorde am Ende mit einem Plus von 2,2 Prozent bei 12.168 Punkten. So hoch wie nie zuvor. Das neue, kurz zuvor markierte Allzeithoch liegt nun bei 12.219 Zählern.

Auch der MDax legte weiter zu und stieg um 1,2 Prozent auf 21.114 Punkte. Auch er erlebte einen historischen Tag: Zum ersten Mal in seiner Geschichte durchbrach der Nebenwerte-Index die Marke von 21.000 Punkten und stellte gleichzeitig ein neues Allzeithoch bei 21.168 Zählern auf.

Der TecDax lag 1,0 Prozent im Plus bei 1673 Punkten, der Euro-Stoxx-50 verbessert sich um 1,4 Prozent auf 3707 Stellen, der höchste Stand seit fast sieben Jahren.

Deutsche Aktien: K+S führen den Dax weiter an

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Größte Gewinner im Dax waren die Aktien von K+S mit einem Zuwachs von 4,2 Prozent auf 33,08 Euro. Die Commerzbank hatte das Kursziel von 30 auf 40,50 Euro angehoben, Equinet sieht K+S nun bei 40 nach zuvor 33 Euro. Die Titel des Salz- und Düngemittelherstellers kommen seit der Vorlage der Geschäftszahlen am Donnerstag auf ein Plus von mehr als acht Prozent.

Deutlich nach oben ging es zudem für Siemens, die in der Spitze auf einem Sieben-Jahres-Hoch von 106,35 Euro notierten und am Ende 2,4 Prozent zulegten. Der Konzern hat aus Ägypten einen Milliardenauftrag zum Bau von Kraftwerken erhalten.

Zu den Dax-Gewinner zählten die Aktien von Linde mit einem Plus von 2,7 Prozent. Nach einem durchwachsenen Jahr machen volle Orderbücher dem weltgrößten Industriegase-Hersteller Hoffnung auf bessere Zeiten. Verlierer gab es am Ende übrigens keine mehr im Rekord-Dax.

Im MDax legten Gerry Weber 1,8 Prozent zu. Im Gesamtjahr 2014/15 peilt der Hersteller von Damenoberbekleidung - ohne die neue Tochter Hallhuber – einen Umsatz von 860 bis 880 an, nach 852,1 Millionen im Vorjahr.

Spitzenreiter im MDax waren hingegen Dürr mit einem Plus von 3,1 Prozent. Ganz hinten landeten Rheinmetall, die 0,9 Prozent nachließen.

USA: Auch Wall Street punktet

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An der Wall Street standen die Zeichen zum Wochenstart auf Erholung. Händler bescheinitgen dem US-Aktienmarkt Nachholpotenzial - vor allem mit Blick den Dax. Positiv wurden die Aussichten auf frische Stimuli in China aufgenommen. Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang hat staatliche Hilfen angekündigt, sollte das Wachstumsziel von 7 Prozent in Gefahr geraten.

Auftrieb gab auch insbesondere die jüngste Erholung des Euro. Diese sorgte bei den Investoren wieder für mehr Zuversicht, sagte Marktstratege Nick Colas vom Handelshaus Convergex. Zuletzt seien Befürchtungen aufgekommen, der rasche Kursanstieg des Dollar könne die Gewinne der US-Firmen unter Druck setzen.

Vor diesem Hintergrund schloss der Dow-Jones-Index um 1,3 Prozent auf 17.977 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite legten um 1,4 und 1,2 Prozent zu. "US-Aktien haben in den drei vergangenen Wochen jeweils Verluste verbucht und sind reif für eine Erholung. Seit Jahresbeginn weist die Wall Street im Vergleich zu anderen Aktienindizes aus wichtigen Staaten eine fürchterliche Bilanz auf", sagte Marktstratege Keith McCullough von Hedgeye Risk Management.

Wenig Störfeuer kam von der Konjunkturseite. Die Industrie im Großraum New York ist im März zwar gewachsen, doch die Dynamik ging zurück. Der von der Federal Reserve Bank of New York ermittelte Index für die allgemeine Geschäftstätigkeit im verarbeitenden Gewerbe des Distrikts verringerte sich auf plus 6,90. Volkswirte hatten einen Stand von plus 8,30 prognostiziert. Daneben ist die Industrieproduktion im Februar nur leicht gestiegen und verfehlte damit die Markterwartung.

Im Blick standen vor allem Aktien aus der Gesundheitsindustrie. Der Branchenindex rückte 2,2 Prozent vor. Salix Pharmaceuticals zogen zwei Prozent an, nachdem der Arzneimittelhersteller einer aufgestockten Übernahmeofferte von Valeant Pharmaceuticals zugestimmt hatte. Damit setzte sich der kanadische Konzern im Bieterkampf gegen den irischen Rivalen Endo International durch. Endo zog sein Angebot zurück. Der Valeant-Kurs und der von Endo stiegen jeweils rund 2,5 Prozent.

Devisen: Euro kann sich über 1,05 Dollar halten

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Der Euro startet mit leichten Gewinnen in die neue Woche. Am Nachmittag wird die Gemeinschaftswährung bei 1,0574 US-Dollar gehandelt, nachdem sie zwischenzeitlich auch über die 1,06 Dollar gestiegen war. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,0557 Dollar festgesetzt.

Der Euro steht seit Wochen wegen der Staatsanleihekäufe der EZB sowie der Aussichten auf steigende Zinsen in den USA unter Druck. Am Freitag war die Gemeinschaftswährung auf ein neues Zwölfjahrestief bei 1,0463 Dollar gefallen.

Rohstoffe: US-Rohöl rutscht auf Sechs-Jahres-Tief

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Spekulationen auf ein steigendes Überangebot belasten die Ölpreise am Montag. US-Leichtöl der Sorte WTI rutscht um bis zu 2,8 Prozent auf 43,57 Dollar je Barrel (159 Liter) ab - das war der niedrigste Stand seit sechs Jahren. Das für die Finanzmärkte richtungsweisende Nordseeöl der Sorte Brent verbilligt sich zeitweise um 2,5 Prozent auf 53,33 Dollar.

Auf diesem Niveau hatte Brent zuletzt Anfang Februar notiert. Bis zum Mittag erholen sich die Ölpreise etwas: Brent liegt ein Prozent im Minus, WTI gibt 0,6 Prozent nach. Händler verweisen auf die anstehenden Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Sollte es bald eine Einigung mit Teheran geben, dürfte dies zu steigenden Öllieferungen aus dem Iran führen - dann würde sich das Überangebot an Öl noch verschärfen, heißt es bei Barclays.

Asien: Nikkei markiert neues 15-Jahres-Hoch

Die Aktienmärkte in Fernost haben am Montag vor einer zweitägigen Sitzung der US-Notenbank Fed überwiegend zugelegt. Für Zurückhaltung sorgten weiterhin Spekulationen über den Zeitpunkt der anstehenden Zinswende in den USA. Die Sorge vor höheren Zinsen sowie der starke Dollar hatten zum Wochenschluss bereits für Verluste an den US-Börsen gesorgt. Investoren richteten nun den Blick auf das am Dienstag beginnende Fed-Treffen. Uneinheitliche

In Tokio gab der Nikkei anfängliche Gewinne wieder ab und ging mit einem minimalen Minus von 0,04 Prozent bei 19.246 Punkten aus dem Handel. Zwischenzeitlich erreichte das Börsenbarometer den höchsten Stand seit 15 Jahren. Experten sprachen von Zuversicht am Markt, dass die japanische Konjunktur weiter anziehen werde. Zudem wird das Land als einer der größten Nutznießer des niedrigen Ölpreises gesehen.

In China kletterten die Aktienmärkte auf ein Fünf-Jahres-Hoch, nachdem Ministerpräsident Li Keqiang betont hatte, die Regierung habe eine Menge Möglichkeiten, um die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Quelle: n-tv.de

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