Wirtschaft
Lichtblick: Der Dax geht wohl mit Aufschlägen ins Wochenende.
Lichtblick: Der Dax geht wohl mit Aufschlägen ins Wochenende.(Foto: picture alliance / dpa)

Auf zur Jahresend-Rally?: Dax nicht hoch genug

Der Bundestag nickt die Griechenland-Hilfen ab. Aber in den USA dauert der Haushaltsstreit an. So richtige Kauflaune will da am deutschen Aktienmarkt nicht aufkommen. Das Jahreshoch im Dax wird nicht erreicht, die 7400er Marke steht aber.

Das Bett für die Jahresend-Rally des deutschen Aktienmarkts ist bereitet: Der Dax kann in der kommenden Woche sein Jahreshoch von 7479 Punkten angreifen. Am Freitag gelang das noch nicht: Der Leitindex schloss zwar fester, das Tageshoch von 7443 Zählern wurde aber bereits am Vormittag erreicht. Danach war die Lust aus dem Markt.

Der Dax ging mit einem Aufschlag von 0,1 Prozent und einem Stand von 7406 Zähler ins Wochenende. Am Donnerstag hatte er in der Hoffnung auf eine baldige Einigung noch um 0,8 Prozent zugelegt. Trotz allem erzielte er damit einen Monatsgewinn von rund 2 Prozent. Zudem ist es der sechste monatliche Anstieg in Folge. Der MDax verbesserte sich um 0,4 Prozent auf 11.613 Punkte. Der TecDax drehte noch ins Minus und ging 0,4 Prozent schwächer bei 841 Stellen aus dem Handel.

"Fiscal cliff" und Konjunktursorgen

Der Markt sei angesichts des Hin und Her anfällig für Stimmungsumschwünge gewesen, sagten Börsianer. Die Anleger hangelten sich von einem Tag zum nächsten, heiß es. Während US-Politiker am Mittwoch noch positive Signale ausgesandt hatten, warfen sich Republikaner und Demokraten am Donnerstag gegenseitig vor, keine ernsthaften Vorschläge für eine Einigung vorzulegen.

In den USA laufen zum Jahreswechsel Steuererleichterungen aus und es stehen automatische Ausgabekürzungen an, sofern sich Präsident und Kongress nicht auf einen neuen Haushalt einigen. Nach Ansicht der Experten könnte die weltgrößte Volkswirtschaft über diese sogenannte "Fiskalklippe" in eine Rezession stürzen.

In Deutschland mehrten sich indes die Konjunktursorgen. So waren die Einzelhandelsumsätze im Oktober unerwartet deutlich gesunken. Einem Volkswirt zufolge seien dies die ersten Anzeichen dafür, dass die deutsche Wirtschaft wie erwartet schrumpfen werde.

Für Beruhigung sorgte die breite Zustimmung des Bundestags zum neuen Hilfspaket für Griechenland. Für das Maßnahmenbündel stimmten 473 Abgeordnete, mit Nein votierten 100 bei 11 Enthaltungen. Vorgesehen sind ein Schuldenrückkaufprogramm, Zinssenkungen und längere Kreditlaufzeiten; mit dem Paket verbunden ist zudem die grundsätzliche Freigabe von Hilfszahlungen in Höhe von insgesamt  43,7 Mrd. Euro an Griechenland.

Anlauf in der neuen Woche

Nach dem Handelsverlauf am Freitag stehen die Chancen aber gut, dass das Jahreshoch in der kommenden Woche übertroffen wird. Damit dürfte der Grundstein für die Jahresendrally gelegt werden. Den Startschuss könnten zum Wochenstart bereits die Einkaufsmanager-Indizes aus China, Europa oder den USA liefern. Sollten diese das Wachstumstempo bestätigen und negative Überraschungen aus dem verarbeitenden Gewerbe ausbleiben, dürfte dies an den Aktienmärkten mit Kursgewinnen honoriert werden.

Viel Ruhe

Im Dax wiesen HeidelbergCement deutliche Gewinne aus. Eine Hochstufung von Morgan Stanley trieb die Papiere an, die 2,2 Prozent ansprangen. Die Analysten von Morgan Stanley haben ihre Anlageempfehlung auf "overweight" von zuvor "equal weight" hochgesetzt und unter anderem auf eine vergleichsweise schwache Kursentwicklung verwiesen. Zudem sei HeidelbergCement in vielen attraktiven Märkten in Asien, Afrika und den USA vertreten. Der Schuldenabbau werde erfolgreich mit neuen Investments kombiniert.

Die Details zum Umbau von Osram bewegten den Siemens-Kurs indes kaum. "Es gibt kaum etwas Neues, fast alles war in den vergangenen Wochen bereits in der Presse zu lesen", sagte ein Händler. Die Aktionärsversammlung dürfte grünes Licht für das Spin-off geben und dieser bis Mitte kommenden Jahres über die Bühne gehen. Damit wäre dann ein positiver Schritt für die Bilanz von Siemens getan. Siemens-Aktien gewinnen 0,2 Prozent.

Ein positiver Analystenkommentar gab Lanxess Auftrieb. Die Aktie des Chemiekonzerns zog um 1,7 Prozent an. Die Schweizer Großbank UBS hat ihr Kursziel für den Titel um 10 Prozent auf 77 Euro angehoben. Damit will die Bank die anhaltende Preismacht von Lanxess widerspiegeln. Angebotsseitig werde der für Lanxess wichtige Rohstoff Butadien knapp bleiben, was für das Unternehmen ein wichtiger Faktor sei. Zudem treibe die neue Kennzeichnungspflicht für Reifen die Nachfrage nach Öko-Reifen an, was zu einer größeren Nutzung von Prämium-Kautschuken führe. Lanxess ist der weltgrößte Hersteller von synthetischem Kautschuk für die Reifenindustrie.

ThyssenKrupp-Papiere verloren nach einem Bericht über eine Prüfung zweifelhafter Zahlungen in Asien und Osteuropa durch die Konzernrevision 1,7 Prozent.

Aufholjagd im MDax

Im MDax fielen Metro 0,3 Prozent. Hier spielte der Verkauf des Auslandsgeschäfts der Tochter Real mit Ausnahme der Türkei eine kursbeeinflussende Rolle. Laut Börsianern hat die Nachricht nach den jüngsten Pressespekulationen allerdings nicht wirklich überrascht. Die Hugo-Boss-Papiere gerieten nach einem negativen Analystenkommentar unter Druck und fielen um 0,6 Prozent.

Praktiker setzte zudem die Talfahrt fort. Die Papiere der Baumarkt-Kette fielen zum Auftakt einer rettenden Kapitalerhöhung um bis zu 8 Prozent auf ein Dreimonatstief. Aus dem Handel gingen sie mit einem Abschlag von 3,3 Prozent. Die 57,1 Millionen neuen Praktiker-Aktien können in den kommenden beiden Wochen zum Preis von je 1,08 Euro gezeichnet werden. Gleichzeitig muss Praktiker wohl um seinen Platz im SDax fürchten. Mit dem Börsen-Neuling Talanx stehe ein Aufsteiger in den Startlöchern, sagte Sophia Wurm, Index-Analystin der Commerzbank. Auch ihr Kollege Uwe Streich von der LBBW tippt auf eine Aufnahme des Versicherers in den Kleinwerte-Index. Talanx gewannen leicht.

Quelle: n-tv.de

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