Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Euro kommt nicht vom Fleck: Abe drückt Yen

Politische Börsen haben kurze Beine, heißt es im Allgemeinen. Der Devisenmarkt beweist derzeit das Gegenteil: In Japan sorgt der haushohe Wahlsieg der LDP für einen Kellerkurs des Yen.

Die Aussicht auf eine weitere Lockerung der bereits expansiven Geldpolitik in Japan drückt den Yen-Kurs auf den tiefsten Stand seit mehr als anderthalb Jahren. Hintergrund ist der Erdrutschsieg der Liberaldemokraten bei den Parlamentswahlen in Japan. Der Yen sank gegenüber dem US-Dollar bis auf 83,6050 Yen, erholt sich im europäisch geprägten Handel jedoch wieder bis auf 83,88 Yen.

Der künftige Ministerpräsident Shinzo Abe kann nun mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Rücken eine härtere Gangart gegen China und den Kampf gegen die Rezession durchsetzen. Anleger rechnen mit umfangreichen Konjunkturprogrammen und einer deutlichen Ausweitung der bereits lockeren Geldpolitik. Laut Commerzbank-Analyst Marco Wagner dürfte der Yen unter dieser Politik auf mittlere Sicht weiter abwerten. "Gleichzeitig wird die Staatsverschuldung noch schneller steigen, und die verkrusteten Wirtschaftsstrukturen werden zementiert", schrieb der Experte in einem Kommentar.

Mit dem Sieg der LDP war weitgehend gerechnet worden, was den Yen bereits im Vorfeld deutlich nach unten geführt hatte. In den vergangenen fünf Wochen hat der Dollar zum Yen bereits gut fünf Prozent gewonnen.

Der Euro behauptet sich dagegen mit Kursen von 1,3155 Dollar knapp auf dem Freitagsniveau. Aus technischer Sicht habe der Euro noch Aufwärtspotenzial, erklärten Händler. Aus fundamentaler Sicht dürfte aber der Haushaltsstreit in den USA solange auf den Euro drücken, bis sich Demokraten und Republikaner auf einen Kompromiss geeinigt haben. Viele Anleger sähen in diesem Zusammenhang den Dollar als sicheren Anlagehafen.

Quelle: n-tv.de

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