Wirtschaft
Harter Wochenbeginn: Konjunkturdaten schicken die Börsen auf die Bretter.
Harter Wochenbeginn: Konjunkturdaten schicken die Börsen auf die Bretter.(Foto: REUTERS)

Air Berlin bäumen sich auf: Dax muss Wirkungstreffer einstecken

Die sogenannte politische Börse sind überwunden - die Blicke richten sich wieder Wirtschaftsdaten. Doch die sorgen für Ernüchterung. Maue Indikatoren aus den großen Volkswirtschaften belasten die Märkte erheblich.

Für die europäischen Börsen beginnt die Woche schmerzhaft. Von mehreren Seiten prasseln enttäuschende Konjunkturdaten auf den Handel ein. Und die schlechten Nachrichten kommen aus von den Großen: USA, China und Deutschland. Über den Tag verteilt, drückt dies die Aktienmärkte auf dem alten Kontinent tief ins Minus.

Der Leitindex Dax verliert vor allem nach der Öffnung der US-Börsen beinahe den Boden unter den Füßen und sackte um 1,7 Prozent auf 9189 Punkte ab. Der MDax verlor 1,6 Prozent auf 16.081 Stellen. Der TecDax sackte mit 2,5 Prozent auf 1206 Stellen regelrecht ab. Für den Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 stand am Ende ein Minus von 1,5 Prozent auf 3050 Zähler zu Buche.

In den USA verfehlte der sogenannte Markit-US-PMI klar die Markterwartung. Sowohl der Ordereingang als auch die Beschäftigungskomponente kamen im Vergleich zum Februar zurück. In Deutschland gaben die Indizes für Service und Industrie im März leicht nach - bleiben aber immerhin oberhalb der Wachstumsschwelle. Nach zuvor guten Nachrichten aus Frankreich traf der Rückgang Anleger aber wohl auf dem falschen Fuß.

Was macht Chinas Notenbank?

Bereits am Morgen hatte es den ersten Dämpfer aus China gegeben. Der Einkaufsmanagerindex hat sich im März weiter abgeschwächt auf ein Achtmonatstief von 48,1 Punkten. Nach Ansicht der Societe Generale werden nun die chinesischen Behörden eingreifen. "Es wird zunehmend darüber spekuliert, dass die chinesische Notenbank die Geldpolitik weiter lockern wird", sagt ein Teilnehmer.

Von den Kursverlusten waren vor allem die konjunktursensiblen Werte und Sektoren betroffen. Im Dax gaben die Chemiewerte Bayer, BASF und Lanxess überdurchschnittlich nach, ebenso wie HeidelbergCement, Siemens und ThyssenKrupp. Im MDax wurden die Aktien von Automobilzulieferern wie Leoni, Norma und Rheinmetall verkauft sowie die der Maschinenbauer DMG Mori Seiki und GEA. Daneben zeigten auch Aurubis und Wacker Chemie Schwäche.

Bayer behakt sich mit britischer Zulassungsbehörde

Im Dax standen Lanxess ganz oben auf den Verkaufslisten und verloren 3,5 Prozent. Bayer sanken 3,3 Prozent. Händler verwiesen auf eine Ablehnung der Zulassung des Prostatakrebsmedikaments Xofigo durch die britische Zulassungsbehörde NICE. Zugleich halten sie die Kursabgaben jedoch für zu stark. "Das dürfte die Aktie eigentlich kaum belasten, denn es handelt sich nur um eine vorläufige Ablehnung", sagt ein Händler. Das letzte Wort zur Zulassung sei noch nicht gesprochen.

Commerzbank gaben 3,2 Prozent nach. Lufthansa verbilligten sich um 3,0 Prozent auf 18,74 Euro. Trotz des drohenden Pilotenstreiks hat Morgan Stanley das Kursziel auf 20,85 Euro erhöht. Die Einstufung Gleichgewichten hat Morgan Stanley bestätigt.

Kann Post noch mehr?

Chart

Gesucht waren am anderen Ende einzig Deutsche Post, die 1,7 Prozent zulegten. Hier stützt eine Meldung, die Post könnte die Prognose für das Briefgeschäft anheben. Firmenchef Frank Appel peilt ein Ergebnis von bis zu 1,6 Milliarden Euro an, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Insider aus dem Post-Aufsichtsrat. Bislang habe die Vorgabe gegolten, das Ergebnis bei einer Milliarde Euro nachhaltig zu stabilisieren. Appel will Anfang April seine neue Strategie 2020 vorstellen.

Ein Börsianer bezeichnete das neue Gewinnziel als ambitioniert und wertete es positiv. "Aber man darf dabei nicht vergessen, dass es den Weg für eine Platzierung weiterer Aktien ebnen könnte." Die DZ-Bank hält das Erreichen des neuen Gewinnziels durch eine Anpassung der Einstiegslöhne sowie weitere Ausgliederungen für durchaus realistisch.

Stada muss Jahresziele streichen

In der zweiten Reihe erschreckte Stada die Anleger: Angesichts des Konflikts um die Ukraine und der Wechselkursschwankungen in Russland und der Ukraine kassiert der Pharmahändler seine Jahresziele. Die Nachrichte saß - das Papier brach um 14,6 Prozent ein. Händler sprachen von einer übertriebenen reaktion. "Allerdings reagiert die Stada-Aktie immer extrem auf schlechte Nachrichten" sagte ein Analyst. Ein anderer Händler meinte, dass einige Investoren enttäuscht sein dürften, nachdem das Unternehmen trotz der Entwicklung an den Währungsmärkten so lange an dem 2014er Ausblick festgehalten habe.

Leoni sackten um 5,2 Prozent ein. Norma gaben 3,8 Prozent nach. GEA verbilligten sich um 3,6 Prozent.

Dagegen ziehen Talanx nach Zahlen um 0,7 Prozent an. Unter dem Strich verdiente der Versicherer mit Marken wie HDI und HDI-Gerling im vergangenen Jahr rund 22 Prozent mehr als im Vorjahr und damit so viel wie nie zuvor. Die Aktionäre sollen mit einer um 14 Prozent auf 1,20 Euro erhöhten Dividende am Erfolg teilhaben. Helvea-Baader sprach von soliden Ergebnissen - auch wenn diese zu einem großen Teil von der Auflösung von Rückstellungen und Beteiligungen getragen wurden. Talanx weise eines der besten Engagements im Rückversicherungssektor auf - mit klaren Wettbewerbsvorteilen und einer der attraktivsten Bewertungen im Sektor.

Nordex mit erstem Gewinn seit drei Jahren

Im TecDax verloren Nordex 1,9 Prozent. Hier konnten selbst gute Nachrichten nicht überzeugen. Immerhin stehen beim Windturbinenbauer die Zeichen auf Wachstum. Die prall gefüllten Orderbücher sicherten bereits jetzt fast vollständig das für 2014 angepeilte Umsatzplus auf bis zu 1,5 Milliarden Euro, sagte Vorstandschef Jürgen Zeschky. Im vergangenen Jahr hatte Nordex zudem den ersten Überschuss seit drei Jahren erwirtschaftet. Doch eine Dividende sieht Zeschky nicht vor 2016.

Der Ausblick von LPKF wurde an der Börse als "vorsichtig" eingestuft, die Aktie verlor 7,6 Prozent. Morphosys litt unter der Schwäche der US-Wettbewerber, die Aktie schloss 5,8 Prozent leichter.

Im SDax sind Air Berlin gesucht. Die Papiere ziehen 3,9 Prozent an und haben damit ihre Auftaktgewinne aber mehr als halbiert. Hintergrund sind Spekulationen, das Papier könnte von der Börse genommen und die Kleinanleger ausgezahlt werden. "Die Aktie ist seit langem schon fest in den Händen von Zockern und Spekulanten und die springen heute auf die Nachricht einer Abfindung an", sagt ein Händler. Er rate jedoch dazu, "die Finger von dem Papier zu lassen". Denn es gebe Kalkulationen, dass die Aktie bei einem De-Listing lediglich mit etwa der Hälfte des aktuellen Kurses fair bewertet sei. Insofern sei das Risiko der Käufer auf dem aktuellen Kursniveau "sehr hoch".

Sixt steigen um 2,3 Prozent. Die Zahlen fielen überhalb der Erwartungen aus. Geplant sind eine höhere Ausschüttung sowie eine Sonderdividende. Für die DZ-Bank ist Sixt im Marktumfeld gut positioniert. Mit Blick auf die Auslandsmärkte halten die Analysten die aktuelle Unternehmensprognose für konservativ.

Quelle: n-tv.de

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