Wirtschaft
Eine "Dax-Kurve" zeigt die Entwicklung des Deutschen Aktien Index Dax seit seiner Gründung 1988.
Eine "Dax-Kurve" zeigt die Entwicklung des Deutschen Aktien Index Dax seit seiner Gründung 1988.(Foto: picture alliance / dpa)

Krise im Irak birgt Risiken: Aktienmarkt droht Rückschlag

Rein in den Markt oder raus? Für Anleger gilt: es ist Vorsicht geboten. Die Börse ist heiß gelaufen und die Lage im Irak spitzt sich weiter zu. Der steigende Ölpreis bereitet Sorgen. Außerdem steht die nächste Ratssitzung der Fed bevor. An der Börse bleibt es spannend.

Das rasche Vorrücken islamistischer Kämpfer im Irak könnte sich Börsianern zufolge zu einem größeren Risiko für die Aktienmärkte auswachsen - ein Szenario, das die meisten Akteure nicht auf der Agenda hatten. "Eine Eskalation im Nahen Osten würde auf einen Markt treffen, der erstens heiß gelaufen ist und zweitens in einer Art Sorglosigkeit den Sommerschlaf angetreten hat", warnt Jens Klatt, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses FXCM. "In Schwung kommende Gewinnmitnahmen gepaart mit steigender Nervosität könnten den Dax schnell ein paar hundert Punkte kosten."

Der Dax, der am Dienstag bei 10.038 Punkten auf ein Rekordhoch gestiegen war, hatte anschließend drei Tage in Folge nachgegeben. Im Wochenverlauf verlor er etwa 1,5 Prozent. Der Ölpreis der US-Sorte WTI stieg an der New Yorker Warenterminbörse dagegen in der Spitze auf über 107 US-Dollar.

Angst vor Angebotsengpass bei Öl

"Der Zentralregierung in Bagdad scheint mehr und mehr die Kontrolle über weite Landesteile zu entgleiten", sagt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Die Reaktion an den Finanzmärkten könne heftig ausfallen, sollten die Rebellen die Ölproduktion im Süden des Landes bedrohen. "Dort wird mehr als doppelt so viel Öl produziert wie zu Normalzeiten in Libyen. Derart große Angebotsausfälle könnten kaum kompensiert werden", sagt der Rohstoffanalyst. Unklar sei ferner, wie die Nachbarländer, insbesondere der Iran und die Türkei, auf die neue Situation im Irak reagieren.

Ein Rückschlag am Aktienmarkt wäre jedoch wohl nur von kurzer Dauer, wie Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg betont. Etwas anderes sei nur zu erwarten, wenn die Weltwirtschaft wegen der Irak-Krise und eines lang anhaltenden, kräftigen Ölpreis-Anstiegs in die Rezession rutsche. Danach sehe es derzeit aber nicht aus. "Unser Grundszenario ist weiterhin positiv", sagte Klude. Anleger würden Kursrücksetzer sicher zum Einstieg nutzen. "Mittelfristig wird der Dax nachhaltig über die Marke von 10.000 Punkten steigen."

Wann erhöht die Fed die Zinsen?

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Mit Spannung wird zudem auf die Zinsentscheidung der Fed am Donnerstag und die anschließende Pressekonferenz ihrer Chefin Janet Yellen gewartet. Die Notenbank werde wohl nur die erneute Reduzierung der monatlichen Wertpapierkäufe auf 35 von derzeit 45 Milliarden Dollar ankündigen, schreiben die Commerzbank-Analysten Bernd Weidensteiner und Christoph Balz in einem Kommentar. Die US-Zinswende werde aber früher kommen als bislang allgemein erwartet. "Die US-Wirtschaft steht besser da als viele vermuten", betonen sie.

Hinweise auf den Zustand der weltgrößten Volkswirtschaft erhoffen sich Börsianer unter anderem vom Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia (Philly Fed) am Donnerstag. Analysten sagen für Juni einen Rückgang auf 14,8 Punkte von 15,4 Zählern voraus. Das Stimmungsbarometer der New Yorker Fed (Montag) sei auf 15,7 Stellen von 19,01 Punkten zurückgegangen.

In Deutschland soll am Dienstag der ZEW-Index veröffentlicht werden. Experten zufolge hat sich die Stimmung der Börsenprofis verbessert. Sie sagen einen Anstieg des Indikators auf 35 Punkte von 33,1 Zählern im Vormonat voraus.

Alstom-Saga geht weiter

Bei den Unternehmen steht erneut der Übernahmepoker um Alstom im Fokus. Börsianer rechnen mit Klarheit über ein mögliches offizielles Gebot von Siemens und seinen Partnern Mitsubishi und Hitachi für den französischen Technologie-Konzern. Die drei wollen den US-Rivalen General Electric (GE) ausstechen.

Hexensabbat lässt Kurse schwanken

Neben dem Bürgerkrieg im Irak gibt es für die Aktienmärkte in der kommenden Woche noch einen Störfaktor der ganz anderen Art. Am Freitag verfallen an den Derivatebörsen Terminkontrakte und Optionen auf Aktienindizes und einzelne Werte. Kurz vor diesem auch "Hexensabbat" genannten Termin versuchen Investoren, die Basispreise - also etwa den Dax oder die Commerzbank-Aktie - in die Richtung zu bewegen, in der ihnen Gewinne am Derivatemarkt winken. Das sorgt in der Woche vor dem Verfall oftmals für erratische Kursausschläge.

Was tut sich am Devisenmarkt?

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An den Devisenmärkten spielt die Musik gegenwärtig im Pfund Sterling. Die Erwartung steigender Zinsen treibt die britische Währung kräftig nach oben. Da die britische Wirtschaft wieder an Fahrt aufgenommen habe, könnten die Zinsen schon früher erhöht werden, als viele Anleger erwarteten, sagte Mark Carney, Gouverneur der Bank of England, am Donnerstagabend in einer Ansprache im Londoner Finanzdistrikt - und überraschte damit viele Marktteilnehmer.

Der Euro fiel daraufhin am Freitag zum Pfund Sterling erstmals seit eineinhalb Jahren unter 0,80. Zum US-Dollar ist das Pfund Sterling sogar auf den höchsten Stand seit fast fünf Jahren gestiegen. Bislang hatten die meisten Beobachter damit gerechnet, dass die Bank of England frühestens Anfang kommenden Jahres die Zinsschraube anzieht. Nun ziehen einige Volkswirte ihre Erwartung auf das Ende dieses Jahres vor. Das könnte die britische Währung weiter aufwerten lassen.

Quelle: n-tv.de

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