Wirtschaft
Wann tritt die Fed auf die Bremse?
Wann tritt die Fed auf die Bremse?(Foto: REUTERS)

Geldpolitische Spekulationen lähmen Börsen: Alle Augen in Richtung Fed

Die Bilanzsaison ist so gut wie abgehakt, nun stehen an den Börsen vor allem amerikanische Konjunkturdaten im Fokus. Denn Anleger wollen vor allem wissen: Wann beginnt die US-Notenbank Fed, ihre lockere Geldpolitik zu drosseln?

Die neue Börsenwoche könnte für den Dax erneut zum Nullsummenspiel werden. "Der deutsche Aktienmarkt wird seine Sommerkonsolidierung wohl vorerst fortsetzen", sagt Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp. Die Unsicherheit über das weitere Vorgehen der US-Notenbank, Sorgen um die Entwicklung in den Schwellenländern und sinkende Gewinnerwartungen für deutsche Unternehmen dürften seiner Meinung nach belasten. Zwar ist das Interesse der Investoren an den Aktienmärkten in Deutschland und den USA laut Alexander Lukas vom Vermögensverwalter Weberbank grundsätzlich nach wie vor hoch. "Allerdings fehlen derzeit die Impulse."

Nach dem Abebben der Bilanzsaison ruht das Augenmerk der Anleger vor allem auf der US-Konjunktur, von deren Erholung die US-Notenbank Fed einen schrittweisen Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik (Tapering) abhängig macht. Die meisten Ökonomen setzen mittlerweile auf ein baldiges Abebben der großen Geldflut der US-Notenbank. Einer Umfrage zufolge erwarten knapp drei Viertel der Volkswirte, dass die Federal Reserve im September den Fuß vom Gas nimmt.

Sie gehen im Schnitt davon aus, dass die Notenbank in einem ersten Schritt das Volumen der monatlichen Ankäufe von Staatsanleihen und Immobilienpapiere um 15 Milliarden Dollar verringern wird. Derzeit kauft sie in diesem Zeitraum Papiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar, um der Wirtschaft auf die Beine zu helfen. "Der Aktienmarkt dürfte Zeit brauchen, um sich an das neue Zinsumfeld anzupassen", schreibt die Landesbank Berlin. Solange könnten sich die Märkte bei stärkeren Kursschwankungen eher seitwärts bewegen. Schon in der ablaufenden Börsenwoche war der Dax nicht vom Fleck gekommen, der Dow schloss auf Wochensicht im Minus.

Quartalssaison klingt aus

Die Investoren werden sich kommende Woche aller Voraussicht nach auf die US-Auftragseingänge und die führenden Stimmungsindikatoren der Federal Reserve in Dallas, Richmond und Chicago konzentrieren, wie Stratege Dennis Nacken von Allianz Global Investors voraussagt. "Paradoxerweise werden sehr gute Zahlen die Sorge nähren, dass die Fed mit ihrem Tapering früher als erwartet beginnen könnte." Bei den Auftragseingängen für langlebige Güter im Juli rechnet Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer mit einem deutlichen Rückgang nach drei Anstiegen in Folge, "was allerdings ausschließlich auf geringere Bestellungen von Flugzeugen zurückzuführen sein dürfte".

Die entscheidende Rolle für eine Reduzierung der Anleihekäufe der Fed komme der Arbeitsmarktentwicklung zu, konstatiert Carsten Klude von MM Warburg. "Positiv hervorgehoben wird im jüngsten Protokoll die Tatsache, dass es in den vergangenen Monaten zu einem kontinuierlichen Beschäftigungsanstieg gekommen ist", bemerkt der Volkswirt. Die Arbeitslosenquote war zuletzt auf 7,4 Prozent und damit auf das niedrigste Niveau seit Dezember 2008 gefallen. Am Donnerstag stehen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf der Agenda.

Hierzulande rückt am Dienstag der Ifo-Geschäftsklimaindex für August in den Fokus. Experten rechnen mit einem weiteren Anstieg des Barometers. "Ob das den Dax über die alten Höchststände katapultiert, ist aber fraglich", sagt Helaba-Stratege Markus Reinwand. "Schließlich haben Aktien schon viel Positives vorweggenommen."

Von Unternehmensseite gibt es nur noch wenige Nachzügler in der zu Ende gehenden Bilanzsaison. Über das erste Halbjahr berichten am Donnerstag unter anderem noch die DZ Bank, Fielmann und CTS Eventim, aus dem Ausland stehen Zahlen von Carrefour, L'Oreal und Vivendi an. Am Montag bleibt die Londoner Börse wegen eines Feiertages (Summer Bank Holiday) geschlossen.

Quelle: n-tv.de

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