Wirtschaft
"Die begonnene Konsolidierung bei Dax & Co. dürfte sich noch einige Zeit fortsetzen"
"Die begonnene Konsolidierung bei Dax & Co. dürfte sich noch einige Zeit fortsetzen"(Foto: dpa)

Dax-Vorschau: Anleger fürchten die Vorzeichen

Die kommende Woche dürfte Anlegern am deutschen Aktienmarkt reichlich Konzentration abverlangen. Das "Hauptargument der Aktien-Bullen" verliert an Zugkraft, heißt es, der Sog des Dollar hält an. In London zeichnen sich Vorbereitungen auf die große Zinswende ab.

Weltweit stehen die Kurse an den Aktienmärkten unter Druck. Im deutschen Aktienmarkt blicken die Anleger nun gespannt auf die neue Woche. Wie kann es im deutschen Leitindex weitergehen? Mit einer raschen Erholung rechnen Experten angesichts anhaltender Turbulenzen in den Schwellenländern nicht. Am letzten Handelstag vor dem Wochenende verlor der Dax 0,71 Prozent auf 9306,48 Punkte - auf Wochenbasis lag das Minus bei 0,91 Prozent.

Ganz oben auf der Themenliste für die kommende Woche stehen neben Unternehmenszahlen der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB), die Weichenstellungen der Bank of England (BoE) und der monatliche US-Arbeitsmarktbericht.

"Die begonnene Konsolidierung bei Dax & Co. dürfte sich noch einige Zeit fortsetzen", schreiben die Analysten der DZ Bank. "Der Kursverlust von 6 Prozent während der vergangenen zehn Handelstage ändert nichts an der weiterhin sehr ambitionierten Bewertung der Aktienmärkte." Nun bräuchten die Anleger etwas Geduld.

Übertriebene Unruhe?

Für Schnäppchenkäufe in den angeschlagenen Schwellenländern sei es noch zu früh, heißt es bei der DZ Bank weiter. Doch "die Angst vor einem Flächenbrand in den Emerging Markets wie zuletzt während der asiatischen Währungskrise 1997" halten die Kapitalmarktspezialisten für übertrieben. Notwendig sei eine Differenzierung zwischen den einzelnen Märkten, betonen die Analysten. Die Aktienmärkte der Industrieländer hätten sich lange gegen den Abwärtssog gestemmt. Die erstmaligen Verluste in jüngster Zeit seien gerechtfertigt, da die Euphorie über die Zukunftsaussichten ein Warnsignal gewesen sei.

"Die Risikoaversion ist wieder auf dem Vormarsch", fasst dagegen Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank den Ausblick auf die kommenden Tage zusammen. Der beschleunigte Ausverkauf von Devisen wie der türkischen Lira, dem südafrikanischen Rand oder dem brasilianischen Real habe das Vertrauen der Anleger weltweit erschüttert. Vor diesem Hintergrund bemühen sich verunsicherte Anleger, risikoreichere Positionen zu reduzieren und in die vermeintlich "sicheren Häfen" der Geldanlage zu flüchten.

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"Und es liegt noch viel mehr Unsicherheit vor uns", betont Investmentstratege John Chisholm vom Acadian Asset Management. Auch Helaba-Analyst Markus Reinwand konstatiert: "Die Sorglosigkeit der vergangenen Monate ist einer gewissen Ernüchterung gewichen." Auslöser der Talfahrt im Dax war nach Ansicht von Marktbeobachtern vor allem das Bangen um die Wachstumsaussichten aufstrebender Länder.

Die Dollarflut ebbt ab

"Auch eines der Hauptargumente der Aktien-Bullen, die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank, verliert angesichts der allmählichen Rückführung des Kaufprogramms an Zugkraft", sagt Reinwand. Diese baut zudem den Druck auf die lange als bevorzugtes Anlageuniversum geltenden Schwellenländer auf. Obwohl die Fed ihre Wertpapierkäufe "langsam und vorsichtig" reduziere, seien mit diesem Schritt Zinserhöhungen in den USA auf absehbare Zeit möglich geworden, erläutert Commerzbank-Stratege Ulrich Leuchtmann.

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Das wiederum lässt den Renditevorteil der Schwellenländer schrumpfen, was teils heftige Kapitalabflüsse aus den aufstrebenden Ländern und dadurch ausgelöste Abwertungen der betroffenen Währungen zur Folge hat. "Alles starrt auf die Schwellenländer, die Konjunkturdaten spielen erst mal eine untergeordnete Rolle", sagt auch Chefstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co.

Kein Handlungsbedarf bei der EZB

Das "Highlight" der neuen Woche aus europäischer Sicht ist laut der Postbank die Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag. Am Markt geht eine Mehrheit der Beobachter davon aus, dass von Seiten der Europäischen Zentralbank (EZB) zunächst keine Zinsänderungen zu erwarten. EZB-Präsident Mario Draghi hatte zuletzt deutlich gemacht, dass nur kräftig zunehmende Spannungen an den Geldmärkten oder eine weiter sinkende Teuerungsrate die Notenbank zu weiteren Zinsschritten oder Sondermaßnahmen treiben könnte.

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Analysten rechnen daher damit, dass Draghi den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent belassen wird. Ein überraschend schwacher Preisauftrieb nährte zuletzt allerdings Deflationsängste. In diesem Zusammenhang kamen auch neue Spekulationen auf eine Zinssenkung der EZB auf.

Zinswende in London?

Am Tag des EZB-Zinsentscheids treten auch die Währungshüter der Bank of England (BoE) zusammen: In Großbritannien rückt mit einer neuen Zinsstrategie der britischen Notenbank eine geldpolitische Straffung näher. Notenbankchef Mark Carney kassierte jüngst die bisher geltende Koppelung der Leitzinsen an die Arbeitslosenquote.

Carney reagierte damit auf die überraschend schnelle Erholung am Jobmarkt, mit der die Prognose der Notenbank über den Haufen geworfen wird. Carney will nun einen neuen Zinsausblick - im Fachjargon "Forward Guidance" genannt - vorlegen. Der britische Leitzins liegt derzeit auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent.

Drei Bilanzen aus dem Dax

Auf der Ebene der Einzelwerte gewinnt die Berichtssaison in der neuen Woche auch in Deutschland an Fahrt: Mit Munich Re, Daimler und HeidelbergCement legen drei Dax-Unternehmen Rechenschaft über ihre Geschäftsentwicklung ab. Der Rückversicherungsriese will seine vorläufigen Eckdaten für 2013 vor Börsenstart am Dienstagmorgen vorlegen. Der Stuttgarter Autobauer lädt für Donnerstag zur großen Jahrespressekonferenz. Parallel dazu dürfte der Baustoffkonzern mit Sitz in Heidelberg seinen ersten Überblick über das Schlussquartal 2013 und das Gesamtjahr vorlegen.

In der Arena der großen europäischen Aktienunternehmen werden die Ergebnisse der Schweizer Großbank UBS am Dienstag erwartet. Am Donnerstag folgt die Credit Suisse mit ihrer Bilanz. In den USA öffnen in der kommenden Woche unter anderem News Corp sowie die Opel-Mutter General Motors (GM) ihre Bücher.

Am letzten Handelstag der kommenden Woche dürfte der offizielle US-Arbeitsmarktbericht für Januar das Marktgeschehen beherrschen. Analysten der Postbank rechnen damit, dass der Job Report eine deutliche Verbesserung gegenüber dem enttäuschenden Dezember aufzeigen wird. Eine weitere Stabilisierung in der Beschäftigung dürfte allerdings auch Spekulationen um ein zügiges Tapering neuen Auftrieb verleihen - mit den mittlerweile offensichtlichen Nebenwirkungen in den Schwellenländern. Das Thema Währungsturbulenzen dürfte verunsicherte Anleger damit über die neue Börsenwoche hinaus vor sich her treiben.

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Quelle: n-tv.de

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