Wirtschaft
Wie schlägt sich der Dax in der kommenden Woche?
Wie schlägt sich der Dax in der kommenden Woche?(Foto: picture alliance / dpa)

Dax-Vorschau: Anleger setzen auf US-Bilanzsaison

Zu den Konflikten im Irak, in Israel und in der Ukraine gesellt sich die Furcht vor einer erneuten Erschütterung des europäischen Bankensystems. Für Börsianer sind das alles Nebensächlichkeiten. Sie blicken in die USA.

Mit dem Auftakt der Bilanzsaison für das zweite Quartal treten Experten zufolge die aktuellen Krisen etwas in den Hintergrund. "In einer Welt globalisierter Nachrichten wird man immer etwas finden, das nicht gut läuft - seien es politische Entwicklungen im Irak oder der portugiesische Bankensektor ", sagt Rick Meckler, Chef von LibertyView Capital Management. "Ein echter Test werden aber die Zahlen der Unternehmen. Sie werden den Leuten entweder Mut geben, zurückzukommen oder ihnen die Erkenntnis bringen, dass die Kurse einfach zu hoch sind."

Michael Dutz, Vorstand des Vermögensverwalters Adlatus, setzt auf Ersteres. "Wir sehen Potenzial für positive Überraschungen." Schließlich seien die Erwartungen in den USA wegen des harten Winters und in Europa wegen der schwächelnden Konjunktur in Frankreich und Italien gering. Auch aus Sicht von Jens Klatt, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses FXCM, ist für den Dax trotz eines Verlustes von 3,5 Prozent in der alten Woche Hopfen und Malz noch nicht verloren. "Die Aussicht auf ein kleines Sommermärchen mit neuen Dax-Höchstständen ist durch den Fall unter 9800 Punkte zwar leicht wolkig geworden, aber Gewitterwolken ziehen dadurch noch nicht auf. Sollte die US-Berichtssaison positiv überraschen, könnte der Dax noch einmal die 10.000er Marke ins Visier nehmen."

US-Großbanken legen Zahlen vor

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In der neuen Woche stehen in den USA unter anderem Banken im Rampenlicht. Citigroup (Montag), JPMorgan, Goldman Sachs (jeweils Dienstag) und Bank of America (Mittwoch) wollen ihre Bücher öffnen. Außerdem haben der Chip-Hersteller Intel (Dienstag) und der Internet-Konzern Google (Donnerstag) die Veröffentlichung von Ergebnissen angekündigt. Am Freitag ist der Siemens -Rivale General Electric (GE) an der Reihe. Bei den Dax-Werten macht SAP am Donnerstag den Anfang.

Auf erneuten Rückenwind aus den USA hofft auch Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Immobiliendaten am Mittwoch und am Donnerstag sowie das von der Universität Michigan berechnete Verbrauchervertrauen am Freitag dürften seiner Meinung nach eine Stabilisierung der größten Volkswirtschaft der Welt zeigen. Positive Impulse erhoffen sich Börsianer auch von den US-Einzelhandelsumsätzen am Dienstag. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Anstieg um 0,6 Prozent nach einem Plus von 0,3 Prozent im Vormonat. Am selben Tag steht in Deutschland der ZEW-Index auf der Agenda. Das Barometer für die Stimmung der Börsenprofis ist im Juli voraussichtlich auf 28,3 Punkte von 29,8 Punkten im Vormonat zurückgegangen.

Darüber hinaus rechnet Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner auch mit guten Nachrichten aus China: Nach Abzug der Preissteigerungen dürfte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal wie in den ersten drei Monaten um mehr als sieben Prozent zugelegt haben. Bei der Industrieproduktion im Juni könnte der Zuwachs mit einem Plus von neun Prozent sogar etwas höher als im Vormonat ausfallen. Beide Daten werden am Mittwoch veröffentlicht.

Kleiner Verfall

Am Dienstag steht laut Helaba-Analystin Claudia Windt das "geldpolitische Highlight der Woche" an, nämlich der Halbjahresbericht der Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, vor dem Bankenausschuss des Senats. Windt erwartet zwar keine großen Neuigkeiten, allerdings sollte sich einmal mehr zeigen, dass sich die Wege von Europäischer Zentralbank (EZB) und Fed trennen. Während in den USA die Zeichen auf Leitzinserhöhung stehen, dürfte die EZB erst einmal an ihrer lockeren Gangart zur Stützung der Wirtschaft festhalten. Weitere Impulse für den Aktienmarkt könnte der Konjunkturbericht der Fed am Mittwoch liefern.

In Deutschland wirft die Berichtssaison bereits ihre Schatten voraus. Der Softwareanbieter SAP wird am Donnerstag als erstes Dax-Unternehmen seine Zahlen für das zweite Quartal präsentieren.

Am Freitag ist zudem kleiner Verfall an den Terminmärkten. Dann laufen Optionen auf Indizes und einzelne Aktien aus. In den Tagen zuvor schwanken die Kurse meist überdurchschnittlich, weil Investoren die Preise derjenigen Papiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

Quelle: n-tv.de

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