Wirtschaft
Börsen in Zeiten des Krieges: Viel hängt jetzt von der Entwicklung in Syrien ab.
Börsen in Zeiten des Krieges: Viel hängt jetzt von der Entwicklung in Syrien ab.(Foto: picture alliance / dpa)

Börsen zwischen Syrien und Fed : Anleger sollten wachsam sein

Vor allem die Lage in Syrien dürfte den Handel kommende Woche bestimmen. Analysten raten, Ruhe zu bewahren. Für Unsicherheit sorgt auch der baldige Anfang vom Ende des Billiggelds in den USA. Frische Job-Daten könnten neue Hinweise geben.

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Die Aktienmärkte weltweit stehen in der kommenden Woche erneut im Bann des Syrien-Konflikts und der Geldpolitik der US-Notenbank. Die Frage bleibt, ab wann und wie stark die Fed die geldpolitischen Zügel anzieht. Die US-Arbeitsmarktdaten für August, die am Freitag veröffentlicht werden, dürften weiteren Aufschluss leisten. Starke Jobzahlen würden nach Einschätzung von Experten den Eindruck verfestigen, dass bereits beim Fed-Treffen am 17. und 18. September der beginnende Ausstieg aus den milliardenschweren Anleihe-Käufen beschlossen wird.

Doch über allem steht weiterhin die Lage in Syrien. "Anleger sollten die Lage dort sorgfältig beobachten", raten die Experten der Landesbank Berlin (LBB). "Die Hauptgefahren für die Märkte liegen in einem Flächenbrand im Nahen Osten, einem weiteren deutlichen Ölpreisanstieg, der die sich gerade langsam erholende Konjunktur wieder abwürgen könnte, und einem offenen Konflikt mit Russland."

"Kein Grund zur Eile"

"In den kommenden Tagen sollten angesichts der kritischen Nahost-Gemengelage Korrekturbewegungen kaum überraschen", schrieb Investmentanalyst Thomas Hollenbach von der Landesbank Baden-Württemberg in einem Marktkommentar. Für neue Engagements in Aktien bestehe mit Blick auf den historisch ohnehin eher schwächeren September keine Eile.

Der Preis der richtungsweisenden Ölsorte Brent aus der Nordsee stieg in der alten Woche um 3,5 Prozent und erreichte mit 116,61 Dollar je Barrel (159 Liter) zeitweise ein Sechs-Monats-Hoch. Der Dax und der US-Standardwerteindex Dow Jones verloren in der Woche dagegen 3,7 Prozent beziehungsweise 1,3 Prozent. Der S&P 500 erlebte mit einem Minus von 3,1 Prozent im August den heftigsten Einbruch in einem Monat seit Mai 2012. Die Wall Street steht vor einer verkürzten Börsenwoche, da die Wall Street am Montag wegen des US-Feiertags Labor Day geschlossen bleibt.

Einstieg in den Ausstieg - Rauchende Köpfe bei der Fed

Sollte der Ölpreis wegen eines möglichen Militärschlags des Westens gegen Syrien wie von der Societe Generale prognostiziert auf ein neues Rekordhoch von 150 Dollar klettern, hätte das auch Einfluss auf die US-Geldpolitik. "Ein steigender Ölpreis erhöht die Benzinpreise, was in den USA die erhoffte Konjunkturbelebung im zweiten Halbjahr zumindest verzögern könnte", betonen die LBB-Experten. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed ihr Ankaufprogramm für Anleihen und Immobilienpapiere im Volumen von derzeit 85 Milliarden Dollar monatlich nicht wie bislang erwartet im September zurückfahren wird.

Doch besonders im Fokus werden die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag stehen. Die Beschäftigungslage ist ein Eckstein ihrer Konjunkturbeurteilung ist. Analysten sagen für August die Schaffung von 175.000 neuen Jobs voraus, nach einem Plus von 162.000 im Vormonat. Die Arbeitslosenquote werde bei 7,4 Prozent verharren. Sollten mehr als 190.000 Stellen geschaffen werden und die Quote auf 7,3 Prozent fallen, rechnet die Deutsche Bank damit, das die Fed den Ausstieg einleitet. "Die August-Zahlen müssen wirklich enttäuschend ausfallen, damit die Fed von ihrem im Juni von Fed-Chef Ben Bernanke vorgestellten Zeitplan abweicht", schrieb die Deutsche Bank.

Von der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank von England (BoE) erwarten Börsianer keine Überraschungen. Beide Notenbanken werden in der kommenden Woche voraussichtlich ihre jeweiligen Positionen zur Geldpolitik bekräftigen.

Arbeitskreis Aktienindizes tagt

Auf Unternehmensseite richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf Mittwoch. An diesem Tag trifft sich der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse, um über die Zusammensetzung von Dax, MDax & Co. zu beraten. Wackelkandidat K+S wird Berechnungen der Index-Analystin Silke Schlünsen vom Bankhaus Close Brothers Seydler zufolge seinen Platz in der ersten deutschen Börsenliga behaupten können. Für ihren Kollegen Klaus Stabel vom Brokerhaus ICF ist dies aber alles andere als sicher: "Es steht Spitz auf Knopf."

Im MDax stehen Experten zufolge Puma und Baywa auf den Abstiegsrängen. Ihre Plätze könnten Osram und Evonik einnehmen. Chancen räumen Börsianer auch RTL ein. Der Abschied der insolventen Baumarktkette Praktiker aus dem Kleinwerte-Index SDax gilt als sicher. Auf der Kippe stünden außerdem SKW Stahl Hornbach Holding und MVV Energie.

Quelle: n-tv.de

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