Wirtschaft
Vorwärts immer, rückwärts nimmer.
Vorwärts immer, rückwärts nimmer.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Komfortabel über 8000: Dax lässt sich nicht hetzen

Die Spannung wächst, das Allzeithoch liegt noch rund 100 Punkte entfernt. Aber das Börsenbarometer pausiert mal wieder in der dünner werdenden Höhenluft. Anleger müssen sich in Geduld üben.

Angetrieben von erfreulichen Konjunkturdaten aus den USA ist das deutsche Börsenbarometer deutlich über die Marke von 8000 Punkten auf ein weiteres Fünf-Jahres-Hoch geklettert.

Der Dax notierte 1,1 Prozent im Plus bei 8058 Zählern - nicht einmal 100 Punkte von seinem Allzeithoch entfernt. Börsianern zufolge nutzten Anleger die zuletzt eher maue Kursentwicklung nun zum Wiedereinstieg.

Der Stoxx50 der 50 größten börsennotierten Unternehmen Europas markierte mit 2718 Stellen immerhin den höchsten Stand seit März 2011. Auch an den US-Börsen setzte sich die Rally fort, nachdem der von Rekord zu Rekord eilende Dow Jones am Mittwoch den neunten Handelstag in Folge mit Kursgewinnen geschlossen hatte.

In der jüngsten Zeit verstärkte sich die Zuversicht, dass die weltgrößte Volkswirtschaft die Folgen des Haushaltsstreits in Washington doch besser als gedacht verarbeiten kann. "Solide US-Exporte, steigende Kreditnachfrage, ein noch immer robuster Konsum und starke Erholungstendenzen am Immobilienmarkt stützen die dortige Wirtschaft", urteilen die Analysten der Metzler Bank.

Für Zuversicht an den Aktienmärkten sorgten am Vortag veröffentlichte Einzelhandelsdaten aus den USA, die überraschend gut ausgefallen waren. Am Donnerstag fielen zudem die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe mit 332.000 Stück geringer aus als angenommen. Dem Euro machten die guten Zahlen aus den Staaten allerdings das Leben schwer. Er war am Vortag um rund einen US-Cent gefallen und notierte auch am Donnerstag deutlich unter 1,30 Dollar bei 1,2930 Dollar.

Bilanzen im Blick

Zu den größten Gewinnern zählten bis zum Mittag die Aktien von K+S mit einem Plus von 1,9 Prozent. Das Unternehmen rechnet dank des gestiegenen Absatzes von Auftausalz Anfang 2013 mit einem höheren Betriebsgewinn im laufenden Jahr. Zudem hob K+S die Dividende an.

Gefragt waren auch ThyssenKrupp, Lufthansa und HeidelbergCement: Positiv bewerten Marktteilnehmer die Berufung Ulrich Lehners als Aufsichtsratchef bei ThyssenKrupp. "Lehner war für viele der Wunschkandidat", sagte Heino Ruland von Ruland Research. Allerdings sind die Brancheneinflüsse negativ, wegen der fallenden Eisenerzpreise wird tendenziell mit fallenden Kursen bei den Rohstoff-Aktien gerechnet. Aus technischer Sicht habe der Kurs von ThyssenKrupp auf einer breiten Unterstützungszone unterhalb von 18 Euro aufgesetzt. Nach starken Auftaktgewinnen drückten Gewinnmitnahmen den Kurs wieder bis auf 18 Euro zurück. Das entsprach einem Plus von 1,6 Prozent.

Ein positiver Ausblick gab Lufthansa kräftigen Rückenwind. Die Titel verbesserten sich um 3,6 Prozent. "Es ist eindeutig positiv, dass die Lufthansa mit ihrem Sanierungsprogramm auf dem richtigen Weg ist", erklärte Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher. Allerdings hätten höhere Kosten 2012 den Erfolg dieses Programms mehr als aufgefressen. Auch weiter schienen die Verhandlungen mit den Gewerkschaften schwierig zu sein, so dass Streiks nicht ausgeschlossen werden könnten. Dennoch begrüße er die Strategie der Lufthansa, erklärte Rothenbacher.

Die Analysten der DZ Bank bekräftigten ihre Kaufempfehlung für Lufthansa-Aktien, deren fairen Wert sie bei 17,50 Euro sehen. Er sei für die Ergebnisentwicklung im laufenden Jahr optimistisch, auch wenn die Lufthansa keine Hinweise auf die mögliche Steigerung des operativen Ergebnisses zum Vorjahr gegeben habe, schrieb DZ-Analyst Robert Czerwensky in einer Kurzstudie. 

Fester notierten auch HeidelbergCement: Das Unternehmen verschärft trotz der guten Aussichten auf eine weltweit steigende Nachfrage nach Baustoffen seinen Sparkurs. Die Aktien verteuerten sich um 3,0 Prozent.

Hugo Boss erhöht Dividende

Der Modekonzern Hugo Boss will im laufenden Jahr seinen Wachstumskurs fortsetzen. Konzernweit werde der Umsatz 2013 voraussichtlich währungsbereinigt im hohen einstelligen Bereich zulegen. Operativ traut sich der Konzern einen Zuwachs in der gleichen Größenordnung zu. Dabei stützt sich Hugo Boss auf den Ausbau des Handels mit eigenen Läden.

Im vergangenen Jahr hatte das vom Finanzinvestor Permira kontrollierte Unternehmen das beste Geschäftsjahr in der Firmengeschichte gehabt. Seit Mittwoch ist zudem die Dividende bekannt, die um acht Prozent auf 3,12 Euro je Aktie steigen soll. Damit schüttet Hugo Boss erneut den überwiegenden Teil seines Gewinns an die Anteilseigner aus. Diese entschieden sich heute allerdings, Gewinne mitzunehmen. Die Aktie büßte 2,8 Prozent ein.

SGL präsentiert Gewinneinbruch

Mit Verkäufen reagierten die Anleger auch auf den Gewinneinbruch beim Grafitelektroden-Hersteller SGL Carbon. Die Aktien brachen in Frankfurt um bis zu 4,4 Prozent ein. Zuletzt notierten sie noch 1,7 Prozent leichter. Damit zählten sie im MDax zu den Schlusslichtern.

Die Analysten der DZ Bank bekräftigten ihre Verkaufsempfehlung für die Aktien. Zwar hätten die Umsätze im Rahmen der Erwartungen gelegen. Das bereinigte Ebit sei aber schlechter als von Analysten erwartet ausgefallen. Schließlich habe SGL das eigene Ebit-Ziel ebenfalls verfehlt. Auch die Prognose für 2013 liege unter den Erwartungen. "Unseres Erachtens ist der schwache Ausblick insbesondere auf das schwierige Karbonfasermarktumfeld und das herausfordernde Stahlmarktumfeld zurückzuführen", schrieb Analyst Dirk Schlamp in einer Kurzanalyse.

Bei Wacker Chemie verprellte der vorsichtige Ausblick die Anleger. Die Aktien verloren im MDax 3,4 Prozent. Der Umsatz soll im laufenden Jahr auf dem Vorjahresniveau von rund 4,6 Mrd. Euro stagnieren, das operative Ergebnis (Ebitda) angesichts der niedrigen Marktpreise für Polysilizium weiter schrumpfen.

"Die Ebitda-Guidance fällt geringer aus als von uns erwartet und wir sehen uns veranlasst, unsere Schätzungen nach unten anzupassen", schrieb LBBW-Analyst Erkan Aycicek in einem Kommentar. Stefan Freudenreich, Analyst bei Equinet, sieht das Unternehmen ebenfalls vor einem herausfordernden Jahr: "Auch wenn sich die Preise für Polysilizium zuletzt stabilisiert haben, haben wir nicht viel Hoffnung, dass es in diesem Markt zu einer nachhaltigen Erholung kommt."

Gespannt warten die Anleger auf den großen Verfall an der Eurex. Dort laufen, wie an anderen Terminbörsen auch, am Freitag Futures und Optionen aus. 

Quelle: n-tv.de

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