Wirtschaft
Chancen für alle, die Jobs suchen: Die Konjunkturerholung erreicht den Arbeitsmarkt.
Chancen für alle, die Jobs suchen: Die Konjunkturerholung erreicht den Arbeitsmarkt.(Foto: REUTERS)

"Good news" are "bad news": Jobdaten stutzen die Wall Street

Alles dreht sich um die Frage, ob, wann und in welchem Umfang die US-Notenbank die geldpolitischen Zügel anzieht. Da die Fed-Banker es selbst nicht wissen, machen Spekulationen die Kurse. Und die bekommen frische Nahrung.

Auch am Mittwoch dreht sich wieder alles um die Frage, ob, wann und in welchem Umfang die US-Notenbank die geldpolitischen Zügel anzieht. Dabei dienen Konjunkturdaten als wichtiger Fingerzeig - vor allem die am Freitag anstehenden November-Daten zum Arbeitsmarkt.

Einen Vorgeschmack liefert der vorbörslich veröffentlichte Arbeitsmarktbericht des privaten Dienstleisters ADP. Danach ist die Beschäftigung in der Privatwirtschaft stärker gestiegen als erwartet. Die Börsen in New reagierten mit Kursabschlägen auf die Nachricht.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,2 Prozent niedriger auf 15.889 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,1 Prozent auf 1792 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging unverändert bei 4038 Stellen aus dem Handel. In Deutschland trennten sich Anleger ebenfalls von Aktien: Der Dax in Frankfurt fiel um 0,9 Prozent auf 9140 Punkte.

Laut ADP schufen die Unternehmen im November 215.000 Stellen. Im Schnitt hatten Experten mit 173.000 gerechnet. Mit der Erholung auf dem Arbeitsmarkt steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbank Fed ihr Anleihenkaufprogramm im Volumen von 85 Milliarden Dollar im Monat eher als bislang erwartet zurückfahren wird. Die Kursgewinne am Aktienmarkt der vergangenen Monate waren maßgeblich auf die ultralockere Geldpolitik der Fed zurückzuführen.

Auch Exportdaten aus den USA deuten auf eine Erholung hin: Das Handelsbilanzdefizit verkleinerte sich im Oktober auf 40,6 Milliarden Dollar. Dies wirke sich aber nicht auf die Kurse aus, sagte Investmentexperte Mike Serio von Wells Fargo in Denver. "Heute geht es nur um die ADP-Zahlen." Die Markt sei wegen der bevorstehenden Straffung der Geldpolitik besorgt.

Für ein wenig Erholung sorgte ein schlechter als erwartet ausgefallener ISM-Service-Index. Der Index ist im November auf 53,9 nach 55,4 im Vormonat gefallen. Von Analysten war ein weniger scharfer Rückgang auf 55 prognostiziert worden. Mit Blick auf die Einzelkomponenten ist die Beschäftigung im November deutlich auf 52,5 von 56,2 gefallen.

Warten auf Mitte Dezember

Die US-Wirtschaft wuchs einer Erhebung der Fed zufolge in den jüngsten Wochen moderat. Die Impulse seien von der Industrie und den Konsumenten gekommen, hieß es in dem aktuellen Konjunkturbericht "Beige Book" der US-Notenbank. Die Berichte aus den insgesamt zwölf Fed-Distrikten zeichneten ein gemischtes Bild: Sieben Bezirke meldeten ein stetiges Wachstum, in vier Regionen expandierte die Wirtschaft langsamer. In Boston erhöhte sich die Dynamik.

Der Bericht, der von der Federal Reserve Bank von Cleveland erstellt wurde, basiert auf Umfragen in allen zwölf Fed-Distrikten. Die Ergebnisse dienen der Vorbereitung auf die nächste Zinsentscheidung am 17. und 18. Dezember.

Technik, Mode, Banken, schwere Maschinen

Unter den Einzelwerten am Aktienmarkt stachen im Dow Jones Index Hewlett-Packard mit einem Anstieg von 2,6 Prozent hervor. Das Unternehmen will laut Gewerkschaftskreisen offenbar 1000 Stellen in Großbritannien einsparen.

An zweiter Stelle lagen Microsoft. Sie legten um 1 Prozent zu, gestützt von der Zustimmung der EU-Kommission zur Übernahme des größten Teils der Geräte- und Service-Sparte von Nokia.

Apple schlossen 0,2 Prozent leichter nach dem deutlichen Plus und dem neuen Jahreshoch am Vortag. Zwischenzeitlich hatte die Aktie etwas stärker verloren. Für positive Impulse sorgte hier, das Apple-Großaktionär Carl Icahn per Tweet forderte, die Aktionäre über einen Aktienrückkauf abstimmen zu lassen, wobei er von seinem früher geforderten Volumen von 150 Milliarden Dollar abrückte und 50 Milliarden einforderte.

Tagesfavoriten waren Aktien aus dem Bereich Soziale Medien. Twitter gewannen 5,6 Prozent, Facebook 4 Prozent und LinkedIn 1,2 Prozent. Um Facebook rankten sich Spekulationen, dass die Aktie in den S&P-500-Aktie aufsteigen könnte, da dort ein Platz frei wird angesichts der Zustimmung der Aufsichtsbehörden zur Übernahme des S&P-500-Unternehmens Molex durch Koch Industries. Pandora Media legten um 4 Prozent zu, nachdem der Internetradiobetreiber von steigenden Zuhöhrerzahlen und einem Anstieg seines Marktanteils berichtet hat.

Um 3,2 Prozent nach oben ging es mit der Aktie des Landmaschinenherstellers John Deere. Für Kauflaune sorgte hier, dass das Unternehmen sein Aktienrückkaufprogramm um 8 Milliarden Dollar aufgestockt hat.

J.C. Penney verloren 4,4 Prozent, obwohl das Unternehmen positive Umsatzzahlen gemeldet hatte. Der weitere Erholungsweg dürfte aber angesichts des extrem wettbewerbsintensiven Umfelds sehr steinig werden, hieß es zu der negativen Kursreaktion.

Papiere der Modekette Express gaben rund 23 Prozent nach, weil das Unternehmen in diesem Quartal wohl weniger verdienen wird als von Analysten erwartet. Als Grund nannte Express schwache Geschäfte zu Thanksgiving in der vergangenen Woche. Der Freitag nach dem Fest wird von vielen Amerikanern als Brückentag genutzt und gilt als Beginn des Weihnachtsgeschäftes für Einzelhändler.

Bergab ging es auch für das High-Tech-Unternehmen OmniVision Technologies, das Bildsensoren für Kameras und Smartphones herstellt. Die kalifornische Firma erwartet in diesem Quartal einen Umsatz, der deutlich unter den Erwartungen von Analysten liegt. Die Aktie verlor knapp 3 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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