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Noch kommt keine Sommerlaune im Handel auf - zu dominant sind die krisen-Sorgen.
Noch kommt keine Sommerlaune im Handel auf - zu dominant sind die krisen-Sorgen.(Foto: picture alliance / dpa)

Keine Sommerlaune: Börse könnte weitere Marken testen

Am Aktienmarkt dürfte es weiter zurückhaltend zugehen. Der Konflikt im Gaza-Streifen sowie die unübersichtliche Lage in der Ostukraine lassen Anleger in der Deckung bleiben. Dennoch ist die Agenda prall gefüllt - die Quartalsberichte kommen.

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Die Furcht vor einer Eskalation des Konflikts zwischen Russland und dem Westen dürfte auch in der neuen Woche das dominierende Thema am deutschen Aktienmarkt sein. Börsianer rechneten mit Kursrücksetzern, weil noch unklar ist, welche Auswirkungen die zuletzt verschärften Strafmaßnahmen gegen Russland auf die Weltwirtschaft haben werden.

Der ungeklärte Absturz eines Passagierflugzeugs über der Ost-Ukraine schürt zudem Spekulationen, dass weitere Sanktionen folgen könnten. Das könnte den Kursoptimisten - im Börsenjargon Bullen genannt - einen Strich durch die Rechnung machen. Die Nachricht über den mutmaßlichen Abschuss treffe den ohnehin schon angeschlagenen Markt mitten ins Mark, sagt Baader-Bank-Aktienstratege Robert Halver. "Es ist nicht auszuschließen, dass es in den nächsten Tagen zu einer gesunden Konsolidierung im Dax kommt."

Dax könnte 200-Tage-Linie testen

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Frank Wieser vom Vermögensverwalter Packenius, Mademann und Partner hält einen Rückgang von 300 bis 500 Punkten für vorstellbar, sollten sich die Ukraine-Krise, aber auch der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern weiter verschärfen. Das Abwärtsrisiko beim Dax liegt im Bereich zwischen 9450 und 9400 Punkten. In diesem Zielgebiet liegt bei 9435 Punkten auch die 200-Tage-Linie. Sie könnte in der kommenden Woche getestet werden. Ein nachhaltiger Fall unter die 200-Tage-Linie dürfte aber unwahrscheinlich sein. Auch diese Korrektur wird die Hausse wohl kaum beenden.

Andere Beobachter zeigten sich indes optimistischer. Die Auswirkungen der Ukraine-Krise und des Gaza-Konflikts auf die Börsen dürften begrenzt sein - es sei denn, es komme zu einem Handelskrieg, sagte George Pearkes, Analyst bei der Bespoke Investment Group in den USA. Ein solcher Handelskrieg zwischen den USA und Russland sei aber nicht wahrscheinlich. "Die Anleger werden sich daher auf die Bilanzen konzentrieren", sagte Pearkes mit Blick auf die Wall Street. "Es gibt keine Anzeichen, dass die Fed irgendetwas ändern wird, daher gibt es immer Käufer, die Kursrücksetzer zum Einstieg nutzen", sagte Michael O'Rourke, Chef-Marktstratege von Jones Trading.

In der abgelaufenen Woche hat der deutsche Leitindex 0,6 Prozent auf 9720 Zähler zugelegt - Ende Juni war er mit 10050,98 Zählern noch auf ein Rekordhoch geklettert. Der Dax hat den weltweiten Hiobsbotschaften bislang auch deshalb getrotzt, weil Konjunkturdaten aus Asien und den USA positiv ausgefallen waren.

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An der Wall Street ergab sich für den Dow-Jones-Index auf Wochensicht ein Plus von 0,9 Prozent auf 17.100 Punkte. Große internationale Anleger nehmen derzeit besonders in Europa Gewinne mit. Und auch in den USA ist die Lage schlechter als auf den ersten Blick ersichtlich. Während sich die großen Indizes wie der Dow Jones relativ gut halten, geben viele Kurse in der zweiten und dritten Reihe bereits deutlich nach.

Berichtssaison kommt in Schwung

Neben den Unruheherden in der Ukraine und im Gazastreifen dürften die Anleger ihr Augenmerk auch auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen dies- und jenseits des Atlantiks richten. In den USA lassen sich unter anderem der Chipkonzern Texas Instruments, der iPhone-Hersteller Apple, Coca-Cola und Facebook in ihre Bücher schauen.

In Deutschland legen aus dem Dax die Deutsche Börse, BASF und Daimler Zahlen vor. Beim Autobauer rätseln die Anleger, ob ein neues Sparprogramm für die Pkw-Sparte in Planung ist. Nach Informationen des "Manager Magazins" soll das bis Ende des Jahres laufende Programm nicht ausreichen, um die angepeilte Rendite von zehn Prozent des Umsatzes in der Pkw-Sparte zu erreichen. Ebenfalls auf der Agenda stehen unter anderem die Berichte von Amadeus Fire, Comdirect oder Vossloh. Hinzu kommen dem Credit Suisse, ABB, OMV, Iberdrola, Nokia, Roche, Danone, LVMH, Lafarge und Unilever.

Ifo und GfK

Auf der Konjunkturseite ragen am Donnerstag die Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum heraus. Die Stimmungsindikatoren für den Service-Sektor und das Verarbeitende Gewerbe dürften allenfalls leicht zulegen, prognostiziert Commerzbank-Analyst Christoph Weil. "Die Rezession im Euroraum ist zwar schon seit dem vergangenen Jahr zu Ende, richtig in Schwung gekommen ist die Konjunktur aber nicht."

Für den am Freitag auf der Agenda stehenden Ifo-Index in Deutschland sehen die Schätzungen ebenfalls nicht besonders rosig aus: Analysen rechnen für Juli im Schnitt mit einem Rückgang von 109,7 auf 109,4 Punkte. Hinzu kommt das GfK-Verbrauchervertrauen für August.

Aus den USA kommen bereits am Dienstag Daten zur Verbraucherpreisentwicklung, am Freitag rückt der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter in den Vordergrund.

Quelle: n-tv.de

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