Wirtschaft
In der vergangenen Börsenwoche büßte der Dax mehr als 4 Prozent ein.
In der vergangenen Börsenwoche büßte der Dax mehr als 4 Prozent ein.(Foto: REUTERS)

Dax-Ausblick: Börsen erwarten turbulente Woche

Der Sommerschlussverkauf ist in vollem Gange. Nicht nur in den Einkaufszentren, auch an den Börsen. Der Verkaufsdruck hat sich noch einmal verstärkt. Und Anleger fragen sich: Wie geht es weiter?

Aktienanleger müssen sich auch in der neuen Woche auf Kursverluste einstellen. "Denn so wie die Investoren in Europa die Luft aus den Aktienbewertungen lassen wollen, könnten sie dies in den USA auch tun", betont Sarah Brylewski, Finanzmarkt-Expertin des Brokerhauses Ayondo. "Ein Blick auf die Bewertungen bei Facebook, Twitter oder dem Biotech-Sektor zeigt, wie hoch das Korrekturpotenzial ist."

Marktanalyst Andreas Paciorek von Brokerhaus CMC Markets verweist zusätzlich auf die weiterhin ungelösten Konflikte in der Ukraine, im Gaza-Streifen und im Irak. In der alten Woche hatte der Dax 4,5 Prozent auf 9210 Punkte eingebüßt. Das ist das schlechteste Ergebnis seit gut einem Jahr. Insgesamt hat die Korrektur den Dax seit seinem Rekordhoch bei knapp unter 10.051 Punkten Mitte Juni bereits nahezu acht Prozent oder fast 800 Punkte gekostet.

Mit der immer wieder kritisierten Ruhe und Selbstzufriedenheit am Aktienmarkt ist es also vorbei. Die Investoren rechnen künftig wieder mit deutlich stärkeren Ausschlägen der Kurse. So ist der VDax als Gradmesser der Risikoeinschätzung, auch "Angstbarometer" genannt, auf Monatssicht von 12 auf 20 Prozent gestiegen. Der deutsche Aktienmarkt wird nun zum Opfer seiner bisherigen Stärke. Auf Sicht von zwölf Monaten hat der Dax andere Indizes wie den S&P-500, den französischen CAC-40 und den Londoner FTSE-100 zum Teil weit hinter sich gelassen. Nun nehmen Anleger hier auch überproportional Gewinne mit.

Adidas-Aktien geben kräftig nach

Brylewski erkennt zwar noch keine Angst, "besorgt ist man aber durchaus". Sie verweist zur Illustration auf die massive Talfahrt der Adidas-Aktie. In 30 Stunden büßte das Papier des Sportartikelherstellers rund ein Fünftel seines Börsenwerts ein. "Und auch der Sturz des Dax auf 9200 Punkte muss längst nicht das Ende der Fahnenstange sein."

Es bleibe abzuwarten, ob die Schnäppchenjäger bereits in den Startlöchern für einen Wiedereinstieg in den Aktienmarkt stünden, oder ob mit weiteren Kursverlusten gerechnet werden müsse, sagt Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black.

Ein großes Thema auf dem Börsenparkett bleiben die Spannungen zwischen dem Westen und Russland. Die Verschärfung der europäischen Sanktionen habe zwar kurzfristig kaum Einfluss auf die Konjunktur in der Eurozone, sagt Asoka Wöhrmann, der die Investitionsentscheidungen bei Deutsche Asset & Wealth Management verantwortet. Dies könne sich aber ändern, sollten die Strafen längere Zeit bestehen bleiben oder Russland Gegenmaßnahmen ergreifen.

Sorgen bereitet den Märkten wohl vor allem die US-Notenbank. Der Druck auf die Fed wächst, die Zinsen zu erhöhen und den Geldhahn immer weiter zuzudrehen. "Die Investoren scheinen sich nicht mehr ausschließlich auf die Unterstützung durch die Zentralbanken verlassen zu wollen", merkt die Metzler Bank an. Die ultralockere Geldpolitik war aber eine Haupttriebfeder für die Hausse an den Börsen.

In diesem Umfeld zunehmender Verunsicherung können die Quartalsergebnisse den Aktienkursen keinen Rückenwind mehr geben. Laut Jan Rabe von der Deutschen Bank erholen sich die Gewinne schon seit mehreren Quartalen "nur quälend langsam". Bislang habe knapp die Hälfte der im Blue-Chip-Index Stoxx-600 enthaltenen Unternehmen Zahlen veröffentlicht. Beim Umsatz hätten nur 45 Prozent die Konsensprognosen übertroffen, beim Gewinn immerhin 54 Prozent. Letzteres ist jedoch weniger als der langjährige Durchschnitt.

"Wer Begründungen sucht, kann sie in der Aktienbewertung, der Saisonalität, der Lage in der Ukraine, der Staatspleite Argentiniens oder der Notenbankpolitik finden - oder aber schlicht darin, dass eine Korrektur überfällig war", sagt Daniel Saurenz von Feingold Research.

Euro stützt die Kurse

Wie geht es nun weiter? Die gegenwärtige Abwärtsbewegung ist stärker und dauert länger als die drei jüngsten Schwächephasen im Januar, März und April. Damit nimmt aber auch die Wahrscheinlichkeit einer zumindest vorübergehenden Erholung zu. Die nächste markante Marke für den Dax ist das Jahrestief vom 14. März bei 8913 Punkten. Bis dahin hat der Dax noch gut 3 Prozent Abwärtspotenzial. Ob Investoren auf diesem Niveau das Chancen-Risiko-Verhältnis wieder als attraktiv für den Wiedereinstieg erachten, bleibt abzuwarten.

Unterstützung bekommen die Kurse derweil vom Euro. Die lange Zeit feste Gemeinschaftswährung, die sich derzeit noch in vielen Quartalsberichten negativ niederschlägt, hat seit Anfang Mai zum Dollar von 1,40 bis auf unter 1,34 nachgegeben. Sollte der Trend fortdauern, dann könnten exportorientierte Unternehmen etwas aufatmen. Auch zum Pfund Sterling, zum Yen und zu anderen asiatischen Währungen wie Singapur-Dollar, Hongkong-Dollar und thailändischer Baht hat der Euro teils stark abgewertet.

Zahlenflut dauert an

Unterdessen läuft die deutsche Bilanzsaison weiter auf vollen Touren. Am Dienstag stehen die Zahlen von BMW und Deutsche Post auf der Agenda. Bei Lanxess (Mittwoch) erhoffen sich Anleger ähnlich wie bei der Commerzbank (Donnerstag) Details zu den geplanten Einsparungen. Die Zahlen der Allianz (Freitag) treten ebenfalls in den Hintergrund. Börsianer richten ihre Aufmerksamkeit stattdessen auf Aussagen, wie es bei der Fondstochter Pimco nach den Turbulenzen in den vergangenen Monaten weitergehen soll.

In den USA will Time Warner am Mittwoch seine Bücher öffnen. Hier dreht sich alles um die geplante 80 Milliarden Dollar schwere Offerte des Medienzaren Rupert Murdoch. Dessen Firma News Corp hat für Freitag die Bekanntgabe ihrer Zwischenbilanz angekündigt.

Mit Spannung warten Investoren außerdem auf die Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Trotz der anhaltend niedrigen Inflation werde EZB-Chef Mario Draghi voraussichtlich keine umfassenden Anleihekäufe - Quantitative Easing (QE) genannt- ankündigen, sagt Commerzbank-Analyst Michael Schubert. Zu diesem Mittel werde die Notenbank erst dann greifen, wenn die Inflation auf weniger als 0,25 Prozent von derzeit 0,4 Prozent zurückgehe oder die zweckgebundenen billigen Notenbankkredite (TLTRO) weniger stark in Anspruch genommen würden als gedacht.

Konjunktur im Blick

Bei den Konjunkturdaten richtet sich die Aufmerksamkeit auf die deutschen Zahlen zu Auftragseingang (Mittwoch) und Industrieproduktion (Donnerstag). In beiden Fällen sage Analysten im Schnitt für Juni einen Anstieg voraus, der jedoch das Minus des Vormonats nicht ausgleichen wird. Am Dienstag stehen zudem die europäischen Einzelhandelsumsätze für Juni auf der Agenda. Hier rechnen Experten nach der Stagnation im Vormonat mit einem Plus von 0,2 Prozent. "Europa und Deutschland verabschieden sich gerade von den Wirtschaftswachstumsaussichten, die noch zu Jahresanfang so rosig schienen", betont Portfolio-Manager Daniel Zindstein vom Vermögensverwalter Gecam. Damit verpuffe auch die Hochstimmung, die im Frühsommer noch zu spüren gewesen sei. "Im Gegensatz zu den meisten Märchen mit Happy End hat das Sommermärchen an den Börsen ein ungewisses Ende", warnt er.

Quelle: n-tv.de

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