Wirtschaft
Grün leuchten Börsianern in Tokio die Abwärtspfeile entgegen.
Grün leuchten Börsianern in Tokio die Abwärtspfeile entgegen.(Foto: REUTERS)

Händler vermeiden Risiken: Börsen in Tokio und Schanghai geben ab

An der Tokioter Börse ist der Abwärtstrend ungebrochen, die Korrektur in vollem Gange. Angst vor einem Ausverkauf geht um, die Händler sind daher zurzeit wenig risikofreudig. Aber auch in Schanghai purzeln die Kurse.

Nach dem jüngsten Ausverkauf haben sich zwar einige ostasiatische Börsen am Freitag etwas erholt, die beiden Leitbörsen in Tokio und Schanghai machten dabei aber nicht mit. Auch in Seoul ging es weiter abwärts. Der japanische Aktienmarkt wurde im Handel als das größte Opfer des aktuellen Stimmungsumschwungs in ganz Asien gesehen.

Zum Wochenschluss verlor der Nikkei-Index nun 1,4 Prozent auf 14.533 Punkte und wechselte damit nach Definition der Börsianer endgültig in den Korrekturmodus. Der breit gefasste Topix fiel um 18,28 Punkte oder 1,5 Prozent auf 1177 Zähler. 

An keiner Börse der Region fielen die Verluste seit Monatsbeginn derart heftig wie in Tokio aus. Seit dem Zwischenhoch am 25. September büßte der Nikkei 11,2 Prozent ein, zuletzt hatte der Index im Mai 2013 eine derartige Talfahrt erlebt. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von rund 10,8 Prozent zu Buche.

Warten auf den nächsten Ausverkauf?

"Vor allem ausländische Anleger halten sich am japanischen Aktienmarkt derzeit mit Käufen zurück. Es scheint, als warteten sie auf den nächsten Ausverkauf. Dass die Aktien in Tokio derzeit günstig bewertet sind, spielt keine Rolle. Es zählt nur die Risikovermeidung", sagte ein Händler. Die Zahl der offenen Leerverkaufspositionen habe deutlich zugelegt und bewege sich auf einem historisch hohen Niveau, hieß es weiter.

Dabei kam vom Devisenmarkt nur moderater Abgabedruck. Der Dollar erholte sich auf Tagessicht sogar leicht. Mussten zum Vortagesbörsenschluss noch rund 106,12 Yen bezahlt werden, waren es zuletzt 106,58 Yen. "Ein stagnierender oder steigender Dollar stützt in der Regel den japanischen Aktienmarkt, aber die Risikoaversion hält den Markt fest im Griff", sagte Analyst Yutaka Miura von Mizuho Securities.

Europa und USA halten Ostasiens Märkte im Griff

In Schanghai schloss der Index leichter, denn Aussagen des Börsenchefs in Hongkong kamen nicht gut an. Er hatte Hoffnungen auf eine Vernetzung der beiden Märkte noch im Oktober gedämpft, womit der Zugang ausländischer Akteure zu in Schanghai gehandelten Aktien erleichtert werden soll. Einen Zeitplan dafür gebe es nicht, sagte er. Die Titel des Hongkonger Börsenbetreibers verloren gegen den freundlichen Markttrend 0,3 Prozent. In Hongkong wollen Vertreter der Staatsmacht wieder mit der Demokratiebewegung sprechen, was an der Börse honoriert wurde.

Aber auch Sorgen über ein nachlassendes Wirtschaftswachstum machten in Schanghai weiter die Runde. In der kommenden Woche gibt es Beratungen der wichtigsten politischen Führer Chinas auf der Tagung des Zentralkomitees der KP über den künftigen Wirtschaftskurs des Landes. Am Dienstag werden aktuelle Wachstumsdaten veröffentlicht, die enttäuschen dürften.

Übergeordnet gaben Händler quer durch die ganze Region keine Entwarnung für den Aktienmarkt: Der konjunkturelle Abschwung in Europa, der Zustand der US-Ökonomie und die nicht enden wollenden Zinsspekulationen in den USA halten die Märkte in Ostasien weiter im Griff.

Auto-Sensoren stärken Sony-Aktien

Die Abgaben in Seoul wurden indes mit Sorgen über ein Wiederhochkochen der Eurokrise erklärt. In Sydney sorgten Schnäppchenjäger dagegen für etwas festere Kurse. Santos stiegen 0,6 Prozent, nachdem der Konzern einen 16-prozentigen Anstieg des Neunmonatsumsatzes mitgeteilt hatte. Nach einem vorgezogenen Rücktritt des CEO von OZ Minerals sanken die Aktien um 0,9 Prozent.

Unter den Einzelwerten in Tokio liefen die Neulinge von Recruit Holdings weiter steil gegen den Markttrend, die Papiere des Verlages gewannen weitere 6,5 Prozent. Seit dem erfolgreichen Börsendebüt in der laufenden Woche hat der Wert 7,4 Prozent zugelegt. Sony-Aktien gewannen 0,9 Prozent zu, der Elektronikkonzern setzt auf die Massenfertigung von Sensoren für Fahrzeugkameras. Japan Display brachen um weitere 8,1 Prozent ein. Nach der jüngsten Gewinnwarnung hagelte es nun Abstufungen durch die Analystengilde.

Quelle: n-tv.de

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