Wirtschaft
Starke Wochen für den Dax: Die Zeit vor Ostern ist traditionell eine gute für Anleger.
Starke Wochen für den Dax: Die Zeit vor Ostern ist traditionell eine gute für Anleger.(Foto: REUTERS)

Osterwochen traditionell stark: Börsen lassen wieder von der Politik

Die schlechten Nachrichten dürften sich die Händler an den Börsen zu Beginn der neuen Woche aus der Kleidung schütteln. Der Fed-Schwenk ist überwunden. Etliche Konjunkturdaten sollten für Rückenwind sorgen - und könnten teils doch negativ überraschen.

An den Aktienmärkten dürfte in der neuen Woche wieder etwas mehr Ruhe einkehren. Nach den zuletzt schlechten Nachrichten - Krim-Krise, Signale für höhere US-Zinsen, schwache Wirtschaftsdaten aus China - können Anleger zumindest durchatmen. Nachdem mit dem Referendum auf der Krim Fakten geschaffen wurden und eine befürchtete militärische Eskalation bislang ausblieb, ebbte die Nervosität an den Aktienmärkten merklich ab. "Wie so oft zeigte sich, dass politische Börsen kurze Beine haben", sagen die Strategen der Helaba.

Bis auf weiteres hätten die Anleger die politische Börse in Sachen Ukraine erst einmal abgehakt, schrieb Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research: "Solange sich die Lage nicht verschärft, dürften die Märkte diese Baustelle nicht wieder aufmachen." Vielmehr könnte der Dax ohne Störfeuer Schritt für Schritt sein altes Rekordhoch anpeilen, da die Wochen vor Ostern traditionell stark seien.

Anstieg auf 9600 Punkte

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Die angedrohten Sanktionen der EU beschränken sich bislang auf Einreiseverbote und Kontosperrungen. Weiterreichende Wirtschaftssaktionen sind laut Helaba vorerst nicht zu befürchten. Der Konflikt schwele aber weiter, sagt Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors. "Die Ukraine wird uns noch weiter beschäftigen. Die Devisenreserven sind drastisch gesunken und die EU nimmt weitere Sanktionen in den Blick sollte sich die Lage verschärfen."

Nach derzeitigem Stand sei das Thema aus Anlegersicht aber erst einmal abgehakt, meint Marktstratege Wolfgang Duwe von der Bremer Landesbank. "Der Markt hat sich als erstaunlich robust erwiesen, das macht mich zuversichtlich." Duwe traut dem Dax in den kommenden Handelstagen einen Anstieg auf rund 9600 Punkte zu. Die vergangene Woche endete mit einem Plus von 3,2 Prozent.

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Auch die Aussicht auf ein nahendes Ende der Niedrigzinspolitik der US-Notenbank hatte die Anleger nicht nachhaltig verschreckt. Die Chefin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Janet Yellen, hatte eine unerwartet zügige Straffung der Geldpolitik angedeutet, damit aber nur kurzzeitig für Kursverluste gesorgt.

"Zinserhöhung ist nicht das Ende der Welt"

"Unseres Erachtens wäre eine Zinserhöhung nicht das Ende der Welt, sondern eine Rückkehr zur Normalität, die für eine fortgesetzte fundamentale Erholung spricht", heißt es bei der Weberbank. "Mit dieser Einschätzung einhergehend gab es konjunkturell, nach den zuletzt wetterbedingt schlechteren Zahlen, wieder positive Signale."

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Überhaupt könnte es für die "Bären" zu früh sein - oder sogar zu spät: Möglicherweise markierte der Dax-Stand von 8.913 Punkten bereits den unteren Wendepunkt. Denn die Lage ist besser als die Stimmung. Das zeigt sich besonders in den USA. Dort läuft der S&P-500-Index schon wieder seinen Rekordstand bei 1.883 Punkten an. Überprint er die Marke, steigt der Kaufdruck voraussichtlich weiter und der Index könnte sogar auf die 1.950er Marke steigen.

Indizien dafür kommen vom Halbleiter-Index SOX, der auf ein neues Mehrjahreshoch geklettert ist. Auch der Banken-Index ist nach oben ausgebrochen.

Im Dax sind zuletzt zwei Angriffe der Bären entscheidend abgewehrt - beim Jahrestief auf dem Höhepunkt der Krimkrise sowie nach dem Schreck der Fed-Auführungen. Dennoch dürfte der deutsche Leitindex vorerst ein "Underperformer" bleiben. Für eine Wiederaufnahme der Lokomotiven-Funktion an den Weltbörsen benötigt er voraussichtlich eine umfassende Entspannung in der Krim- und Ukraine-Krise.

Pralle Konjunkturagenda

Positive Daten könnten die Börsen Experten zufolge auch in der neuen Woche antreiben. Bereits am Montag stehen Einkaufsmanagerindizes für die EU und China auf der Agenda. Gerade die Stimmungsindikatoren aus China könnten dabei für eine negative Überraschung sorgen. In den beiden ersten Monaten des Jahres waren sowohl die Investitionen als auch der Einzelhandelsumsatz und die Industrieproduktion in der Volksrepublik so langsam gewachsen wie seit Jahren nicht mehr. Das hatte auf die Stimmung der Anleger weltweit gedrückt.

Am Dienstag haben Anleger den Ifo-Konjunkturklimaindex im Blick. Angesichts der Verunsicherung durch die Krim-Krise gehen Experten von einem leichten Rückgang des Ifo-Index' aus. Zur Wochenmitte folgt dann aus Deutschland der GfK-Konsumklimaindex.

Am Freitag stehen die Ausgaben der privaten Haushalte in den USA und das US-Verbrauchervertrauen der Uni Michigan im Fokus. Zuvor werden bereits die US-Auftragseingänge für langlebige Güter vermeldet, die nach Meinung von Experten wieder zugelegt haben.

Bilanzsaison geht die Luft aus

Derweil nähert sich die Berichtssaison der Unternehmen dem Ende. Nur Firmen aus der zweiten und dritten Reihe legen noch Zahlen vor. Den Auftakt machen am Montag aus dem MDax der Versicherer Talanx und aus dem TecDax der Laserspezialist LPKF. Am Dienstag öffnen das Biotech-Unternehmen Evotec und der Minicomputer-Hersteller Kontron ihre Bücher. Mitte der Woche folgt der Immobilienkonzern Gagfah - zum Wochenschluss steht Deutsche Wohnen Zahlen vor.

Spannend bleibt zudem Air Berlin: Spekulationen über ein mögliches Zusammengehen mit anderen Fluggesellschaften hatten die Aktien zuletzt beflügelt. Allerdings fiel der Kurs mit Gerüchten, das Unternehmen werde von der Börse genommen und in eine GmbH umgewandelt.

Der Lufthansa und ihren Passagieren droht erneut ein Chaos, nachdem die Piloten im Tarifkonflikt mit der Airline fast einstimmig für einen Streik votierten. Ab sofort muss nach Gewerkschaftsangaben mit befristeten oder unbefristeten Streiks gerechnet werden.

Nähere Informationen zum Geschäftsausblick und zur Entwicklung im vergangenen Jahr will der Arzneimittelhersteller Stada geben. Bei Salzgitter wollen Anleger vor allem wissen, wie der Konzernumbau vorankommt.

Quelle: n-tv.de

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