Wirtschaft
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Gebremste Kauflaune in Tokio : China-Börsen wechseln Vorzeichen

In Japan agieren die Anleger äußerst vorsichtig. Grund ist die anhaltende Krise in der Ukraine. Etwas in Erklärungsnot sind die Experten angesichts des Stimmungswandels an den chinesischen Märkten. Ein Grund könnten angekündigte Marktreformen sein.

Der japanische Aktienmarkt ist angesichts der andauernden Krise in der Ukraine mit Kursverlusten in die Woche gestartet. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 0,3 Prozent tiefer bei knapp 14.150 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,65 Prozent auf rund 1158 Zähler.

Nach dem international nicht anerkannten Referendum in der Ostukraine ließen die Anleger Vorsicht walten und hielten sich mit Käufen zurück. Nach Angaben der Separatisten sprach sich eine überwältigende Mehrheit für die Unabhängigkeit der betroffenen Regionen aus.

Börsianer warteten nun gespannt auf die Reaktionen der Regierungen der Ukraine und Russlands, sagte Masafumi Yamamoto, Chefstratege von Praevidentia Strategy. "Es könnte eine militärische Intervention Russlands geben oder mehr Militäraktionen der Ukraine, und der Westen könnte weitere Sanktionen gegen Russland verhängen."

In Tokio könne bis Juni die Vorsicht überwiegen, sagte Takuya Takahashi von Daiwa Securities. Es wird erwartet, dass Ministerpräsident Shinzo Abe dann die Einzelheiten seiner Pläne zur Konjunkturpolitik bekanntgibt.

Olympus zogen um fast 5 Prozent an nach einer Verdopplung des operativen Gewinns im zu Ende gegangenen Geschäftsjahr. Aufwärts ging es auch mit Nippon Steel & Sumitomo Metal nach einem positiv aufgenommenen Geschäftsbericht. Bridgestone verloren 4,4 Prozent. Hier monierten Analysten, das nur schleppend verlaufende Gummigeschäft in Asien und Nordamerika. Konica Minolta rutschten um 11 Prozent ab verfehlten Markterwartungen mit den Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr. Besonders stark bergab ging es mit der Aktie von Dena, die 20 Prozent an Wert verlor. Der Handyspiele-Hersteller hatte eine Gewinnwarnung herausgegeben.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans stieg um 0,5 Prozent. In Seoul standen die Aktien von Samsung Electronics im Rampenlicht, die 4 Prozent anzogen. Anleger spekulierten auf einen umfassenden Konzernumbau. Am Wochenende musste sich Samsung-Aufsichtsratschef Lee Kun Hee wegen eines Herzinfarktes einer Notoperation unterziehen.

"Das sorgt für zusätzliches Momentum für das Unternehmen, den Transformationsprozess zu beschleunigen", meinte Analyst Lee Seung-woo von IBK Securities in Seoul. Die Anleger schienen darauf zu wetten, dass ein potenzieller Wechsel an der Führungsspitze eine aktionärsfreundlichere Politik zur Folge haben werde, Samsung-Aktien also mehr Rendite abwerfen dürften.

Hoffnungen auf Finanzmarktreformen trieben die Kurse an den chinesischen Börsen kräftig nach oben. Der Markt habe positiv auf Visionen des Staatsrats vom Freitag reagiert, die als Indiz für einen weniger regulierten Markt gesehen wurden, hieß es. Eine Folge davon könnte sein, dass ausländisches Kapital leichteren Zugang zum chinesischen Aktienmarkt findet, spekulierten Marktteilnehmer. Außerdem sollen den Planspielen zufolge Genehmigungen von Börsengängen stärker von der Stimmungslage an den Börsen abhängig gemacht werden.

In Shanghai und Hongkong gingen die Indizes mit Aufschlägen von 2 Prozent aus dem Tag. China Construction Bank, Bank of Communications und Agricultural Bank legten um bis zu 2 Prozent zu. Noch kräftigere Aufschläge verzeichneten populäre Einzelaktien wie Tencent, das Immobilienpapier Sun Hung Kai oder die Energietitel Sinopec und China Shenhua Energy. Hier reichten die Gewinne von 3 bis 5 Prozent.

An der indischen Börse in Mumbai ging es ebenfalls kräftig aufwärts. Der Sensex schoss über die 23.000er Marke auf das Rekordhoch von zuletzt 23.378 Punkte nach oben, entsprechend einem Plus von 1,7 Prozent. Mit dem Beginn der letzten Phase der mehrwöchigen Parlamentswahlen in Indien seien nochmals Hoffnungen in den Markt gekommen, dass es zu einem Regierungswechsel kommen werde, hieß es. Seit Anfang des Jahres hat der Markt um rund 10 Prozent zugelegt.

Auch am Devisenmarkt machte sich die Hoffnung auf eine Regierungswechsel breit. Der Dollar gab von knapp unter 60 auf 59,75 Rupien nach. Im Tief fiel er auf ein Zehnmonatstief von 59,52. Analysten begründeten dies aber auch mit dem Exportanstieg im April, während gleichzeitig die Importe nachgaben.

Quelle: n-tv.de

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