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Apple-Aktie fällt unter 100 Dollar: China drückt Wall Street ins Minus

Die US-Börsen können sich dem Abwärtssog nicht entziehen. Im New Yorker Handel gehen die großen Indizes mit Abschlägen von mehr als zwei Prozent aus dem Handel. Besonders schwer trifft es Titel wie Yahoo, Boeing oder Apple.

Die jüngsten Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten gehen auch an den New Yorker Börsen nicht spurlos vorüber. Chinas Bemühen um Schadensbegrenzung konnte die Ängste der Anleger an der Wall Street nicht nachhaltig lindern. Gegen Ende des Handelstags gewann die Furcht Oberhand, dass es am Freitag mit den chinesischen Aktien abermals kräftig nach unten gehen könnte - auch weil die chinesische Börsenaufsicht den Anfang der Woche eingeführten Sicherungsmechanismus kurzfristig wieder außer Kraft setzte. Gute Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt zeigten in dieser Gemengelage wenig Wirkung.

Der Dow-Jones-Index verlor 2,3 Prozent und schloss auf einem Niveau von 16.514 Punkten. Für den S&P-500 ging es um 2,4 Prozent nach unten. An der Nasdaq beendete der Composite-Index den Donnerstagshandel 3,03 Prozent im Minus bei 4689 Punkten. Die Verunsicherung der Investoren ließ sich auch an den lebhaften Umsätzen ablesen, mit denen ihre Flucht aus Aktien einherging: An der Nyse wurden 1,17 (Mittwoch: 1,05) Milliarden Aktien gehandelt. Kursgewinner waren mit 437 erneut in der Minderheit, ihnen standen 2.749 -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 43 Titel.

Von Panikverkäufen wollten Marktteilnehmer trotz der hohen Verluste nicht sprechen. Es sei aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass Anleger sich Sorgen wegen China machten, sagte Mark Kepner von Themis Trading. Er merkte an, dass die US-Indizes durch einige wichtige Unterstützungen gefallen seien, was die Abgaben verstärkt habe.

Das Thema China dürfte den Markt auch am Freitag begleiten. Selbst die Reaktion der Wall Street auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung werde davon abhängen, wie sich in der Nacht zum Freitag die Lage an den chinesischen Finanzmärkten gestalte. Optimistischer zeigte sich Jack Ablin, Chefinvestor der BMO Private Bank: "Die Arbeitsmarktdaten werden viele Bären daran erinnern, dass die US-Wirtschaft gut dasteht", meinte er.

Der "Circuit Breaker" stoppt den Aktiencrash in China: Was wird er Freitagshandel bringen?
Der "Circuit Breaker" stoppt den Aktiencrash in China: Was wird er Freitagshandel bringen?(Foto: REUTERS)

Der Handel an der chinesischen Leitbörse war am frühen Donnerstagmorgen infolge eines neuerlichen Kursverfalls nach nur einer halben Stunde abgebrochen worden. Damit geht die Sitzung als die kürzeste in die 25-jährigen Geschichte der Schanghaier Börse ein.

Auslöser war die heftigste Abwertung des Renminbi seit vergangenem August. Dies fachte die Angst vor einer Kapitalflucht und einer womöglich stärkeren Konjunkturschwäche der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt als bislang befürchtet weiter an. Händler sprachen angesichts der Yuan-Schwäche von steigendem Misstrauen gegenüber den von offizieller Seite verkündeten Daten in China. In diesem Zusammenhang verwiesen Marktteilnehmer auch auf die am Vorabend gesenkte Wachstumsprognose der Weltbank.

Ängste über das Auslaufen von Verkaufsverboten durch Großaktionäre am Freitag hätten den Absturz am chinesischen Aktienmarkt beschleunigt, hieß es im Handel. Denn die getroffenen Nachfolgeregelungen der Regulierungsbehörden zu diesem Verbot seien nicht besonders überzeugend ausgefallen. Die im Großen und Ganzen wie erwartet gefallene Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe interessiert in diesem Umfeld nicht.

Die Furcht vor einer schwächeren Nachfrage aus China ließ zudem die Ölpreise auf den niedrigsten Stand seit fast zwölf Jahren fallen, was wiederum US-Börsenschwergewichten wie Exxon und Chevron zusetzt. Die Aktien von Exxon Mobil verbilligten sich um knapp 1,3 Prozent. Die Anteilsscheine von Chevron gaben 3,3 Prozent nach.

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Gold hingegen profitiert von seiner traditionellen Rolle als Fluchtwährung in kritischen Zeiten. Der Goldpreis steigt erstmals seit neun Wochen wieder über die psychologisch wichtige Grenze von 1100 Dollar pro Feinunze nach Kursen um 1094 am Vorabend. Zuletzt notierte das Edelmetall bei 1109,05 Dollar die Feinunze. Die US-Notenbank hatte am Mittwoch im Protokoll ihrer jüngsten Sitzung durchblicken lassen, dass sie ihre Geldpolitik nur langsam und in kleinen Schritten straffen wird, was Gold ebenfalls attraktiver macht.

Apple-Aktien weiter unter Druck

Unter den Einzelaktien ragte der Kurs von Apple mit einem Minus von 4,2 Prozent aus dem Gesamtmarkt heraus. Die Apple-Aktie fiel damit mit einem Schlusskurs von 96,45 Dollar unter die Marke von 100 Dollar. Nach den Fragezeichen hinter den Zielen bei der iPhone-Produktion sei der Titel nun technisch angeschlagen, heißt es. Weitere Abgaben seien zu befürchten. Ein vielversprechender Zukauf konnte am Tageskurs wenig ändern.

Spekulationen um einen umfangreichen Stellenabbau bei Yahoo schickten die Aktien des Internetkonzerns auf Talfahrt. Yahoo könnte demnach bis zu einem Zehntel der Belegschaft abbauen. Die Papiere des Internetkonzerns fielen um 6,2 Prozent zurück.

Auf der Liste der größeren Kursverlierer im Dow tauchten auch die Aktien von Boeing auf. Die Papiere des Flugzeugbauers verbilligten sich um 4,2 Prozent. Zwar hat der Airbus-Rivale im vergangenen Jahr mehr Maschinen an Kunden ausgeliefert als erwartet, doch gingen 2015 netto nur etwa halb so viele Bestellungen ein wie im Jahr 2014.

Nach schwachen Geschäftszahlen unter Markterwartungen brachen die Titel des Hausbauers KB Home um fast 15 Prozent ein. Walgreens Boots Alliance zogen dagegen um 1,9 Prozent an, die Drogeriekette hatte den Gewinn deutlich gesteigert.

Macy's stiegen um 2,1 Prozent. Die zuletzt schwachen Ergebnisse zwingen den Einzelhändler, über einen Umbau des Unternehmens nachzudenken. Nachdem die Kaufhauskette im vergangenen Herbst noch den Verkauf von Immobilien abgelehnt hatte, lässt sie sich nun dazu von Banken beraten. Am Markt wurde dies positiv gesehen. Der Kaufhausbetreiber J.C. Penney meldete steigende Umsätze, die Titel zogen mit einem Plus von 3,7 Prozent nach.

Der Ausblick der Federal Reserve (Fed) lastete auf dem Dollar: Ein langsamer Zinsanstieg in den USA macht den Greenback weniger interessant, heißt es in Fachkreisen. Der Euro stieg im späten US-Handel auf rund 1,0930 Dollar nach Wechselkursen klar unter 1,08 am Vorabend. Die Gemeinschaftswährung profitierte indirekt aber auch von den Verwerfungen am Aktienmarkt. Einer der Gründe dürfte sein, dass der Euro neben dem Yen eine Währung für Zinsdifferenzgeschäfte ist. Solche Positionen werden bei steigender Risikoaversion reduziert.

Am US-Rentenmarkt legten die Notierungen abermals zu. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank um 2 Basispunkte auf 2,15 Prozent, nachdem sie am Vortag schon kräftig gefallen war.

Quelle: n-tv.de

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