Wirtschaft
Trister Handelstag in Frankfurt.
Trister Handelstag in Frankfurt.(Foto: imago/Sven Simon)

Twitter entlässt - und legt zu: China drückt die Wall Street nach unten

Der Dienstaghandel beschert dem deutschen Aktienmarkt Kursverluste. Leoni belastet mit seiner Vorwarnung die Autowerte. Die Wall Street schließt sich dem Trend an - China und anstehende Quartalszahlen drücken hier die Stimmung.

Eine Gewinnwarnung von Leoni und schwache chinesische Konjunkturdaten haben am Dienstag in Frankfurt für schlechte Stimmung gesorgt. Die Aktien aus der Automobilbranche standen unter Druck. Als Belastung hinzu kam auch ein unter den Erwartungen gebliebener ZEW-Index, in dem die Börsenprofis ihre Konjunkturerwartungen kundtun. Leichte Unterstützung gab es aus den USA. Dort drehten die Indizes nach rotem Handelsbeginn leicht ins Plus.

Für den Dax endete eine Serie von sieben Gewinntagen in Folge. Der Leitindex verbrachte mehrere Stunden unterhalb der Marke von 10.000 Punkten. Am späten Nachmittag baute der Dax seine Verluste etwas ab und schloss um 0,9 Prozent tiefer bei 10.033 Punkten. Zum Wochenstart hatte das Börsenbarometer bereits an Dynamik verloren und sich nur noch knapp ins Plus gerettet. Der MDax sackte um 1,6 Prozent auf 19.728 Zähler ab. Hier wirkte sich der dramatische Kursverlust von Leoni aus. Der TecDax gab um 1,7 Prozent auf 1727 Punkte nach.

"Die Erholungsbewegung könnte in eine Konsolidierung münden", sagte ein Marktteilnehmer. Das Recovery sei erst einmal beendet. Das sei aber auch "kein Beinbruch", nachdem der Dax seit Ende September fast 10 Prozent zugelegt habe. Die rückläufigen Umsätze hätten in den vergangenen Tagen bereits ein Auslaufen der Erholung angedeutet. Solange der Leitindex über 9500 Punkten handele, bleibe das übergeordnete Bild aber positiv.

ZEW-Index enttäuschend

Negativ auf den Dax wirkte sich auch der schlechter als erwartet ausgefallene ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen aus. Das Barometer fiel im Oktober bereits den siebten Monat in Folge - und zwar überraschend kräftig um 10,2 auf 1,9 Punkte. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang auf 6,0 Zähler gerechnet. "Der Abgasskandal bei Volkswagen und die Wachstumsschwäche der Schwellenländer dämpfen die Konjunkturaussichten für Deutschland", sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest.

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Das Papier des MDax-Mitglieds Leoni brach um 33,5 Prozent ein. Der Automobilzulieferer kappte seinen Ausblick für das aktuelle Geschäftsjahr sowie die Mittelfrist-Prognose für das Jahr 2016. Noch vor wenigen Wochen hatte Vorstandsmitglied Andreas Brand die Ziele bekräftigt.

Durch die Leoni-Gewinnwarnung in Mitleidenschaft gezogen wurden im Dax die Autowerte. BMW und Daimler verbilligten sich um je 1,3 Prozent. Volkswagen sackten um 2,1 Prozent ab. Im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal streichen die Wolfsburger die Investitionen für die Marke VW zusammen. Sie sollen pro Jahr um eine Milliarde Euro gekürzt werden. Wegen des Skandals muss der Konzern einem Bericht zufolge womöglich einen Teil der Abwrackprämien zurückzahlen, die 2009 und 2010 Diesel-Fahrern gewährt wurden.

Im Sog des Kurseinbruches bei Leoni büßten auch die Papiere anderer Zulieferer deutlich an Wert ein. So sackten die Anteilsscheine von Continental, ElringKlinger, Norma, Hella und Dürr kräftig ab. Der Börsenneuling Schaeffler verlor 2,9 Prozent an Wert.

SAP sorgten für einen der wenigen Lichtblicke an diesem tristen Handelstag und gingen um 5,4 Prozent hoch. Damit wurde der Dax-Abschwung etwas abgebremst. Europas größter Software-Konzern hatte den Betriebsgewinn überraschend stark um 19 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro gesteigert.

Auch die Versorger ließen nach den kräftigen Aufschlägen vom Vortag Federn. Die Anleger nahmen am Dienstag Gewinne mit. Eon verbilligten sich um 4,7 Prozent, für RWE ging es sogar um 5,8 Prozent runter.

Hochtief gaben um 6,3 Prozent auf 76,65 Euro nach. Der Großaktionär Katar hat seinen 10-prozentigen Anteil am MDax-Unternehmen komplett verkauft, und zwar für 77 Euro je Aktie, an dieser Marke orientiert sich der Kurs nun.

USA: Wall Street unentschlossen

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Belastet von schwachen Konjunkturdaten aus China haben die US-Börsen nachgegeben. Die Einfuhren der Volksrepublik brachen im September um mehr als 20 Prozent ein. Das war bereits der elfte Monat in Folge mit einem Rückgang. Zudem machten Börsianer Ängste am Markt vor möglicherweise schlechten Unternehmenszahlen für die Kursverluste verantwortlich. In dieser Woche wollen unter anderen Goldman Sachs, Bank of America, Wells Fargo und die Citigroup ihre Bilanzen vorstellen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,3 Prozent tiefer bei 17.082 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gab 0,7 Prozent auf 2003 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,9 Prozent auf 4796 Punkte.

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Im Blickpunkt standen die Aktien von Twitter, die um 1,1 Prozent anzogen. Der Kurznachrichtendienst streicht Hunderte Stellen. Der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson (J&J) hob seine Gewinnprognose an. Zudem will das auch für Pflegeartikel wie Penaten-Creme und Listerine-Mundwasser bekannte Unternehmen für zehn Milliarden Dollar eigene Aktien zurückkaufen. Die Börsianer reagierten dennoch verhalten: Die J&J-Aktie ließ 0,6 Prozent Federn. Die Anteilsscheine des Billigfliegers JetBlue fielen 7,8 Prozent, nachdem JPMorgan die Bewertung auf "neutral" gesenkt hatte.

Molson-Coors-Papiere kletterten dagegen fast zehn Prozent. Händler begründeten die Aufschläge mit der Mega-Fusion in der Bierbranche. Weltmarktführer Anheuser-Busch InBev, zu dessen Imperium Marken wie Beck's, Budweiser und Corona gehören, will seinen größten Rivalen SABMiller für umgerechnet 92 Milliarden Euro schlucken. Im Rahmen der Übernahme muss SAB wahrscheinlich seine 58-Prozent-Beteiligung an einem US-Gemeinschaftsunternehmen mit Molson Coors abstoßen.

Asien: Nikkei rot, Licht und Schatten in China

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Nach den jüngsten Kursgewinnen machten die Anleger an den asiatischen Börsen Kasse gemacht. Die Verluste hielten sich aber in Grenzen. Die Kurse in Asien waren zuletzt auf den höchsten Stand seit zwei Monaten geklettert. Insgesamt zeigen sich Investoren wieder risikobereiter, weil sie es für immer unwahrscheinlicher halten, dass die US-Notenbank noch in diesem Jahr die Zinsen erhöht, wie Händler erläuterten. Zudem rechnen immer mehr Anleger mit weiteren Maßnahmen der Regierung in China, um das schwächelnde Wirtschaftswachstum anzukurbeln.

In Tokio sank der Nikkei um 1,1 Prozent auf 18.234 Punkte. Der MSCI-Index für die Asien-Pazifik-Region ohne Japan sank um rund 1 Prozent.

In Shanghai drehte der Markt nach anfänglichen Verlusten ins Plus: Der Index ging 0,2 Prozent höher aus dem Handel. Dagegen gab der Index in Hongkong 0,8 Prozent nach. Handelsdaten aus China schickten gemischte Signale über den Zustand der zweitgrößten Volkswirtschaft. Ein erneuter Einbruch der Importe im September ließ Zweifel an der Stärke der chinesischen Binnenkonjunktur aufkommen. Zugleich schrumpften die Exporte aber weniger stark als vorhergesagt. Anleger gehen von weiteren Stützungsmaßnahmen der Regierung in Peking aus.

Devisen: Euro bewegt sich kaum

Der Kurs des Euro gab nach anfänglichen Gewinnen geringfügig nach. Nach einem kurzen Ausflug über die Marke von 1,14 US-Dollar pendelte die Gemeinschaftswährung am späten Nachmittag um die Marke von 1,1360 Dollar herum. Insgesamt gab es aber beim Euro seit Beginn der Woche nur vergleichsweise wenig Bewegung.

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1374 (Montag: 1,1373) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8792 (0,8793) Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,74800 (0,74010) britische Pfund, 136,16 (136,61) japanische Yen und 1,0910 (1,0928) Schweizer Franken fest.

Nach Einschätzung der Devisenexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank spricht der aktuell vergleichsweise robuste Euro dafür, dass der Markt vorerst nicht mit einer weiteren Öffnung der Geldschleusen durch die EZB rechnet. "Das kann aber schnell umschlagen, sobald Konjunkturdaten ein schwächeres Wachstum im Euroraum widerspiegeln", warnte die Expertin. Ihrer Einschätzung nach ist das "Rückschlagpotenzial für den Euro hoch".

Rohstoffe: Gewinnabgabe bei Ölpreisen 

Volatil zeigte sich der Ölmarkt. Nach anfänglichen Zugewinnen gaben die Ölpreise wieder etwas nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November kostete am späten nachmittag 50,32 Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) betrug 48,02 Dollar.

Händler erklärten den morgendlichen leichten Anstieg der Ölpreise mit jüngsten Importdaten aus China. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt waren die Importe im September zwar im Jahresvergleich insgesamt stark gefallen, allerdings hatten sich die Ölkäufe etwas vom Dreimonatstief im August erholt. Am Vortag hatten noch Produktionsdaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) die Ölpreise um jeweils mehr als zwei Dollar nach unten gedrückt.

Das Kartell hatte laut dem jüngsten Monatsbericht im September so viel Rohöl gefördert wie seit 2012 nicht mehr. Das Volumen lag mit durchschnittlich 31,57 Millionen Barrel pro Tag deutlich über dem offiziell von der Opec anvisierten Förderziel von 30 Millionen Barrel.

Quelle: n-tv.de

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