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An der Nasdaq stehen die Kurse still.
An der Nasdaq stehen die Kurse still.(Foto: AP)

Tausende Aktien betroffen: Computerfehler legt Nasdaq lahm

Die Pannenserie an den US-Börsen reißt nicht ab. Der US-Börsenbetreiber Nasdaq setzt den Handel mit allen gelisteten Wertpapieren vorübergehend aus. Als Grund werden technische Schwierigkeiten angeführt. An der Nasdaq sind unter anderem Aktien der Internetriesen Apple, Google und Facebook gelistet.

Computerfehler haben den Handel an der US-Technologiebörse Nasdaq zeitweise zum Erliegen gebracht. Software-Probleme seien der Grund, dass es rund zweieinhalb Stunden nach Börsenstart für rund drei Stunden zu einem Stillstand beim Options- aber auch beim Aktienhandel gekommen sei, teilte der Börsenbetreiber mit. Es habe Probleme mit dem sogenannten Securities Information Processor gegeben - das ist eine Schnittstelle, über die Aktienkurse mit anderen Börsenplätzen ausgetauscht werden.

Die Börse habe Händler über die Probleme informiert, hieß es. Die entsprechenden Kurse und Notierungen wurden eingefroren. An der Börse wurde davon ausgegangen, dass die Aussetzung die Kursfindung an anderen wichtigen US-Indizes wie dem Dow Jones Industrial Average sowie dem S&P-500 beeinflusste. Der Handelsstopp an der Nasdaq betraf laut Daten von BATS Global Markets immerhin 28 Prozent aller im laufenden Monat gehandelten Aktien an US-Börsen. An der Nasdaq werden zum Beispiel Aktien der Internetriesen Apple, Google und Facebook gehandelt.

Vertreter des Börsenbetreibers suchten nach Erklärungen für die Panne. Die Regulierungsbehörden stehen nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit Marktteilnehmern, nannten aber keine Details. "Wir verfolgen die Situation und halten uns bei den Börsenbetreibern auf dem Laufenden", sagte SEC-Sprecher John Nester.

Mit der erneuten Panne rückt die Frage nach der Zuverlässigkeit der US-Börsen und deren Handelssystemen wieder in den Mittelpunkt. Denn die aktuellen Probleme sind nur der vorläufige Schlusspunkt einer ganzen Reihe von Pannen an verschiedenen US-Börsen in der jüngeren Vergangenenheit. Die Nasdaq OMX Group ist der zweitgrößte Börsenbetreiber in den USA. "Es ist wirklich schockierend. Wir sind aufgeschmissen. Selbst wenn wir Äpfel handeln wollten, könnten wir dies nicht tun", kommentiert Ramon Verastegui, Leiter von Global Engineering and Strategy bei der Societe Generale die Lage.

Zahlreiche Pannen

Im April legten Software-Probleme die Derivate-Börse CBOE aus Chicago für einen halben Tag lahm. Im Sommer 2012 sorgte der US-Aktienhändler Knight Capital für Schlagzeilen. Knight-Rechner hatten damals unbeabsichtigt den Markt mit Orders geflutet und für Chaos gesorgt. Dem Unternehmen entstand ein Verlust von 440 Millionen Dollar. Das Handelshaus stand dadurch vor dem Kollaps, musste von mehreren Investoren gerettet werden. In Erinnerung ist an der Wall Street zudem noch der sogenannte Flash Crash aus dem Jahr 2010. Damals fiel der Kurs des Standardwerte-Index Dow Jones binnen Minuten um rund 1000 Punkte. Hier lösten Computerprogramme von Hochfrequenz-Händlern eine Verkaufskaskade aus.

Erst am Dienstag hatte es eine Handelspanne an den US-Börsen gegeben. Die größte Investmentbank Goldman Sachs. tätigte wegen technischer Probleme versehentlich eine Flut an Geschäften mit Aktienoptionen und versetzte damit den Markt kurzzeitig in Aufruhr.

Dow schließt im Plus

Die Wall Street präsentierte sich derweil freundlich. Ermutigende Konjunkturdaten aus China und der Euro-Zone trieben den Markt an. Die Einkaufsmanager-Indizes zeigten in China wieder einen Wert leicht oberhalb der Wachstumsschwelle. In der Eurozone gewinnt der Aufschwung Ökonomen zufolge an Dynamik. Damit geriet die Unsicherheit der Investoren, wann die US-Notenbank Federal Reserve aus der Politik des billiges Geldes aussteigt, in den Hintergrund.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 0,4 Prozent auf 14.963 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 zog um 0,9 Prozent auf 1656 Zähler an. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich um 1,1 Prozent auf 3638 Punkte.

Der Einkaufsmanager-Index für die chinesische Industrie stieg im August um 2,4 Punkte auf 50,1 Zähler und signalisiert damit wieder Wachstum. Auch die Privatwirtschaft der Euro-Zone legt weiter zu: Das entsprechende Barometer stieg auf 51,7 Stellen von 50,5 Punkten. Analysten hatten lediglich mit einem Anstieg auf 50,9 Zähler gerechnet. Die US-Frühindikatoren stiegen mit einem Plus von 0,6 Prozent ebenfalls überraschend stark.

"Nachdem die Eurozone im zweiten Quartal aus der Rezession herausgekommen ist, beschleunigt sich nun das Wachstum", so die Analysten der Berenberg Bank. Motor dieser Entwicklung sei die Exportwirtschaft. In der zweiten Jahreshälfte 2013 und Anfang 2014 werde sich der Aufschwung voraussichtlich beschleunigen. Darüber hinaus sorge die Stabilisierung des Wachstums in China für Erleichterung, betonen die Experten.

Die Anteilsscheine des Börsenbetreibers Nasdaq OMX Group gaben mit den Negativ-Schlagzeilen 3,4 Prozent ab.  

Bei den Einzelwerten standen auch die Aktien von Hewlett-Packard im Fokus. Der Konzern hatte die Erwartungen beim Quartalsgewinn erfüllt und beim Umsatz nur knapp verfehlt. Als Belastungsfaktor wurde die Aussage von Chef Meg Whitman gesehen, wonach im kommenden Jahr mit keinem Umsatzwachstum gerechnet werde. Ebenfalls für eine negative Überraschung sorgte, dass der vom Markt hoch geachtete Dave Donatelli, seit vier Jahren verantwortlich für das operative Geschäft, eine andere Aufgabe im Konzern zugewiesen bekam. Der Kurs brach um 12,5 Prozent ein.

Sears-Titel stürzten um 8,2 Prozent ab, nachdem der Kaufhausbetreiber einen Verlust über Marktbefürchtung verbucht hatte. Der Handel an der Nasdaq war temporär ausgesetzt. Die Papiere von Abercrombie & Fitch rauschten um 17,7 Prozent talwärts, der Bekleidungsanbieter verschreckte Anleger mit einer schwachen Gewinnentwicklung. Dagegen kletterten die Titel von GameStop um 9 Prozent, der Einzelhändler für Videospiele schnitt im abgelaufenen Quartal besser als erwartet ab und überraschte auch beim Ausblick positiv.

Quelle: n-tv.de

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