Wirtschaft
Video

Aixtron stürzen ab: Dax-Anleger haben Angst

Fallende Ölpreise, steigender Euro: Das Umfeld meint es nicht gut mit dem deutschen Aktienmarkt. Die Sorgen überwiegen - auch weil einzelne Werte ihre Aktionäre enttäuschen. An der Wall Street gibt es nach Tagen mit Verlusten wieder Kursgewinne.

Anleger haben im Donnerstagshandel am deutschen Aktienmarkt starke Nerven gebraucht. Es ging auf- und abwärts, mehrere Male. "Der Markt hängt am Euro, an den Ölpreisen und an der Wall Street", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil. "Der Markt ist ziemlich furchtsam", sagte ein Börsianer: "Je näher das Jahresende rückt, desto ängstlicher werden Investoren, dass sie eine Bewegung in die eine oder andere Richtung verpassen." Dadurch werde jede Marktbewegung schnell übertrieben.

Der Dax beendete den Handel dann mit 10.599 Punkten und einem Plus von 0,1 Prozent. Das Tagestief markierte er bei 10.500 Zählern. "Ein charttechnisch sehr wichtiger Schritt", sagte ein Händler. Das Tageshoch lag bei 10.647 Stellen. An den vergangenen drei Tagen war der Leitindex an zwei davon schwächer aus dem Handel gegangen. Der MDax verlor dagegen 0,2 Prozent auf  20.670 Punkte. Der TecDax sackte dagegen deutlich ab: 1,8 Prozent ging es nach unten auf 1800 Stellen. Verantwortlich dafür war in erster Linie ein Kurseinbruch von Aixtron.

Devisen: Euro stark

Der Euro sprang zwischenzeitlich mit 1,1023 deutlicher über die Marke von 1,10 Dollar. Allerdings konnte er dieses Niveau nicht behaupten. Am Abend notierte er bei 1,0967 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag auf 1,0943 nach 1,0941 Dollar zur Wochenmitte und 1,0875 Dollar am Dienstag fest. Der Aufwärtstrend bliebt damit intakt. Seit der Sitzung der EZB in der vergangenen Woche hat die Gemeinschaftswährung rund 5 Cent gegenüber dem Dollar zugelegt.

Allerdings wurde am Devisenmarkt nicht nur auf die europäische Geldpolitik geschaut. Der US-Dollar ist zurzeit auch gegenüber anderen wichtigen Währungen wie dem britischen Pfund und dem japanischen Yen relativ schwach. Kommende Woche steht die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed an.

Rohstoffe: Ölpreise instabil

Video

Belastend für den Aktienmarkt wirkte wieder einmal die Entwicklung bei den Ölpreisen. Entgegen der Markterwartung wurde zwar am Mittwoch ein Rückgang um 3,6 Millionen Barrel in den USA vermeldet. Dies scheine aber eher auf das Lager-Management zum Jahresende zurückzugehen als auf eine fallende US-Produktion, hieß es dazu von ANZ Research. Die meisten Händler seien weiter über die Ölschwemme der Opec besorgt, die zudem im November nochmals gestiegen ist.

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar fiel auf 39,94 Dollar. Der Preis für ein Fass der Sorte WTI rutschte dagegen deutlicher ab: rund 3 Prozent auf 38,26 Dollar.

Dax: VW weiter im Fokus

Video

Unter den Einzelwerten lag der Fokus erneut auf Volkswagen. Aussagen von Konzernchef Matthias Müller konnten die Erholung an der Börse nur kurz stoppen. "Die Vorschusslorbeeren waren hoch", sagte ein Händler. Der Kurs ging vorübergehend deutlich ins Minus, nachdem er am Vormittag mit mehr als 138 Euro noch den höchsten Stand seit dem Bekanntwerden des Abgasskandals erreicht hatte. "Besonders aufschlussreich war die Rede nicht", sagte ein Händler mit Blick auf den seiner Ansicht nach geringen Neuigkeitsgehalt. Die Papiere schlossen dennoch 2 Prozent fester.

Mit einem Plus von rund 1 Prozent warteten RWE auf. Der Kurs profitierte laut Händlern von der Stabilisierung der Energiepreise. Außerdem sollen von den kommunalen Anteilseigner positive Signale zu den Plänen für eine Aufspaltung kommen, wie es am Markt hieß.

MDax: Anleger verzeihen KlöCo

Die Aktien des Stahlhändlers KlöCo stiegen trotz einer Gewinnwarnung. Nach anfänglichen Verlusten kletterten die Papiere um mehr als 3 Prozent. Das Unternehmen hatte vor einem Jahresverlust von bis zu 380 Millionen Euro gewarnt. "KlöCo steckt weiter im Strudel der fallenden Stahlpreise", kommentierte ein Händler.

TecDax: Aixtron schocken

Video

Ganz anders reagierten die Anleger bei Aixtron. Der Kurs des Chipanlagenbauers brach zeitweise 43 Prozent ein. Am Ende standen ein Rekordabschlag von 41 Prozent. Der Grund: Ein chinesischer Kunde hatte einen Großauftrag zusammengestrichen. Das ist der größte Kurssturz der Firmengeschichte. "Eine echte Katastrophe", sagte ein Händler. "Das Umsatzziel für 2016 impliziert einen Verlust im kommenden Jahr."

SDax: Hornbach sacken ab

Hornbach Holding verloren zwischenzeitlich 20 Prozent, schlossen 18 Prozent leichter. Der Baumarkt-Betreiber hatte nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal seine Ergebnisziele für das Geschäftsjahr 2015/2016 gekappt. Hornbach Baumarkt fielen 14 Prozent.

Tui sprangen dagegen fast 5 Prozent an. "Mit den Zahlen steigt das Kaufinteresse", so ein Marktteilnehmer. Sowohl der Umsatz als auch der Gewinn hätten die Prognosen leicht übertroffen. "Damit steigt das Vertrauen in die Strategie und das Wachstum", sagte der Marktteilnehmer. Den Ausblick hatte das Unternehmen bestätigt.

USA: Wall Street ergrünt wieder

Die US-Börsen haben legten zum ersten Mal in dieser Woche wieder zu. Händler sprachen von Schnäppchenjägern, die sich nach den jüngsten Kursrückgängen bei einigen Titeln eindeckten. Grundsätzlich hielten sich Anleger angesichts des weiterhin sprunghaften Ölpreises und der in der kommenden Woche erwarteten Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed aber zurück. Die meisten Volkswirte gehen davon aus, dass die Fed dann erstmals seit fast einem Jahrzehnt die Zinsen wieder anheben wird.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewann 0,5 Prozent und schloss bei 17.575 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 legte 0,2 Prozent auf 2052 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,4 Prozent auf 5045 Stellen.

Vor allem Aktien von Öl-Firmen wie Exxon und Chevron hatten in den vergangenen Tagen unter Druck gestanden. Am Donnerstag gewannen Exxon 1,2 Prozent und Chevron 3,1 Prozent.

Twitter verteuerten sich um 7,5 Prozent. Der Kurznachrichten-Dienst testet eigenen Angaben zufolge eine Anwendung, mit der Werbung eine größere Reichweite bekommt. Damit könnten zusätzlich zu den etwa 320 Millionen Nutzern rund eine halbe Milliarde Menschen erreicht werden, die nicht auf der Webseite eingeloggt sind.

Um 12,6 Prozent aufwärts ging es mit den Papieren von GoPro. Ein Analyst hatte geschrieben, der Helmkamera-Hersteller sei ein gutes Übernahmeziel für den Technologiekonzern Apple.

Asien: Chinas Börsen trotzig

Die näher rückende Zinsentscheidung in den USA setzte den Börsen in Ostasien zu. Die Anleger gingen auf Nummer sicher und verkauften Aktien. Händler sprachen vereinzelt auch von einer Art Angststarre. Am stärksten gaben die Börsen in Tokio und in Sydney nach. Die Indizes in Schanghai und Hongkong trotzten der Abwärtstendenz zwar lange, schlossen aber am Ende ebenfalls mit Einbußen. Dass sich der Markt in Schanghai lange behaupten konnte, führten Marktbeobachter auch darauf zurück, dass die chinesische Notenbank den Yuan-Referenzkurs zum Dollar bereits den vierten Tag in Folge gesenkt hatte.

Zinsentscheidungen vom Tage in Südkorea und in Neuseeland waren derweil wie erwartet ausgefallen und sorgten für keine stärkeren Impulse. In Seoul legte der Kospi 0,4 Prozent zu, in Neuseeland gab das Marktbarometer 0,2 Prozent nach. In Tokio ging es 1,3 Prozent abwärts auf ein Fünfwochentief von 19.046 Punkten. In Sydney betrug das Minus 0,8 Prozent.

Rohstoffe: Vorsicht beim Goldpreis

Leichte Abgaben verzeichnete der Goldpreis. Marktteilnehmer sprachen von einer erhöhten Zurückhaltung vor der Fed-Sitzung: Steigen die Zinsen, würde die Attraktivität von Gold, das keine Zinsen abwirft, etwas verblassen. Zudem dürfte ein im Zuge der Zinserhöhung steigender Dollar das Sentiment zusätzlich belasten. Die Feinunze kostete am Abend 1072,32 Dollar und damit fast einen Dollar weniger als noch zur Wochenmitte.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen