Wirtschaft
Die Händler am deutschen Aktienmarkt verlässt das Vertrauen in die Kurse. Der Dax bricht ein.
Die Händler am deutschen Aktienmarkt verlässt das Vertrauen in die Kurse. Der Dax bricht ein.(Foto: picture alliance / dpa)

Leitindex schmiert ab: Dax-Anleger lassen Federn

Am deutschen Aktienmarkt purzeln die Kurse: Der Dax bricht deutlich ein. Eigentlich halten sich die Argumente für und gegen Aktienkäufe die Waage. Doch die schwächelnde deutsche Konjunktur verunsichert die Investoren - die Anleger ergreifen die Flucht.

Die Dax-Anleger haben am Mittwoch kalte Füße bekommen und sind massiv aus Aktien geflüchtet. Der deutsche Leitindex rauschte 1,7 Prozent auf 9.210,96 Zähler nach unten. Auch der MDax der mittelgroßen Unternehmen büßte 1,1 Prozent ein auf 16.157,12 Punkte. Der TecDax der Technologiefirmen ging 0,8 Prozent leichter bei 1.270,36 Punkten aus dem Handel. Damit scheiterte bereits der zweite Anlauf des deutschen Leitindex, weiter nach oben durchzustarten.

Auch an der Wall Street hat die Rekordjagd zunächst ein Ende. Die Amerikaner hatten den europäischen Markt zuletzt mit nach oben gezogen. Nach fünf Rekordtagen in Folge bricht der US-Leitindex Dow Jones Industrial aber seine Rally ab. Händler sehen die Märkte in einer Patt-Situation zwischen schwacher Konjunktur und Geldpolitik.

Die schwache Konjunktur in Europa führe dazu, dass Anleger mit Käufen zögerten. Neue Nahrung bekommt die Angst durch die Prognosen des Sachverständigenrats: Die so genannten Wirtschaftsweisen haben ihre Erwartung für das Wachstum in diesem Jahr deutlich von 1,9 Prozent auf 1,2 Prozent nach unten korrigiert. Im kommenden Jahr erwarten sie sogar nur noch einen Zuwachs von 1 Prozent.

Investoren haben "Finger am Abzug"

Andererseits stützen gerade die schwachen Wirtschaftserwartungen die Aussicht auf eine noch lockerere Geldpolitik in Europa. Auch in Großbritannien könnten Inflations- und Wachstumsaussichten am Mittwoch gesenkt werden und zwar von der Bank of England.

Christian Gritzka von Knapp Voith warnt vor weiteren "Schockwellen" wie Anfang Oktober: "Die Kurse sind der Konjunktur zu weit vorausgelaufen", so der Vermögensverwalter. "Eine kleine Nachricht aus dem Nichts kann die Märkte drehen", warnt er. Neben der Konjunkturschwäche in Europa sei die Zinserhöhungsspekulation in den USA ein potenzieller Störfaktor für die Aktienkurse: "Das Risiko ist so hoch wie lange nicht mehr", sagt Gritzka. Er ergänzt, in der Vermögensverwaltung sei er noch voll investiert. "Wir sitzen aber mit dem Finger am Abzug", kündigt er den Aufbau einer Cash-Quote an.

Entwarnung gibt dagegen Vermögensverwalter Michael Timm von TAM: "Institutionelle Anleger müssen zugreifen, wenn die Kurse fallen", erwartet er mit Blick auf den "herrschenden Anlagenotstand. Die Minus-Zinsen sind ein Auffangnetz für fallende Kurse", ergänzt er. Besonders interessant seien unter diesem Gesichtspunkt dividendenstarke Werte.

Devisen-Skandal drückt Bankaktien

Im Fokus standen bei den Investoren die Bilanzen zahlreicher Unternehmen. Die Zahlen von E.On kamen bei den Anlegern zunächst gut an. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank in den ersten neun Monaten zwar um sieben Prozent auf 6,6 Milliarden Euro, lag damit aber noch über den Erwartungen der Analysten. "Das Russland-Geschäft schwächelt zwar, aber das ist inzwischen auch keine Überraschung mehr", sagte ein Händler. Die Titel rückten um bis zu 1,6 Prozent vor. Getrieben vom Gesamtmarkt schmolz das Plus aber wieder ab. Am Ende gingen E.On-Titel 3,4 Prozent im Minus aus dem Handel.

Auch mit der Deutschen Post waren die Investoren unzufrieden, die Aktien gaben 3,1 Prozent nach. Konzernchef Frank Appel bereitet das das stark konjunkturabhängige Frachtgeschäft Sorge. Im SDax kletterten Ströer zunächst um 2,6 Prozent, die Papiere gaben aber im Handelsverlauf einen Großteil ihrer Gewinne wieder ab und notierten am Ende nur 1,0 Prozent stärker. Die Werbefirma wächst mit ihrer Online-Werbung und dem Plakatgeschäft deutlicher als gedacht und ist für das Gesamtjahr nun optimistischer.

Abwärts ging es auch für die Commerzbank: Die Aktien gaben 2,8 Prozent nach. Auch die Deutsche Bank verlor 1,9 Prozent. Fünf internationale Großbanken hatten sich mit Aufsichtsbehörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz auf Strafen wegen des Devisenskandals geeinigt. Gegen die Deutsche Bank wird ebenfalls wegen der Manipulation von Devisenkursen ermittelt. Sie konnte sich allerdings noch nicht mit den Behörden verständigen

Quelle: n-tv.de

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