Wirtschaft
Rund um Basra im Irak sprudelt das Öl. Täglich werden rund 2,6 Millionen Barrel umgeschlagen. Das sind etwa 90 Prozent der Ölexporte des Landes. Anleger stimmt das skeptisch.
Rund um Basra im Irak sprudelt das Öl. Täglich werden rund 2,6 Millionen Barrel umgeschlagen. Das sind etwa 90 Prozent der Ölexporte des Landes. Anleger stimmt das skeptisch.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Irak und Ölpreis im Fokus: Dax-Anleger sind vorsichtig

Die Eskalation der Situation im Irak und der hohe Ölpreis alarmiert Börsianer. Die Krise weitet sich schneller aus als erwartet. Der Ölpreisanstieg drückt vor allem die Kurse der Autobauer und Fluggesellschaften.

Der Vormarsch islamistischer Kämpfer im Irak hat den Ölpreis am letzten Handelstag der Woche auf ein Neunmonats-Hoch getrieben. Aus Furcht vor den Folgen einer möglichen Störung der irakischen Ölexporte für die Weltwirtschaft trennten sich Investoren von Aktien und nahmen Kurs auf "sichere Häfen" wie Gold oder Staatsanleihen.

Der Dax notierte zuletzt 0,2 Prozent leichter bei 9912 Zählern. Der EuroStoxx50 reagierte auf den letzten Metern der Handelswoche auf die Erholung an den US-Börsen und landete ganz knapp im Plus bei 3284 Punkten. Anlass der plötzlichen US-Gewinne war die starke Performance von Intel im Dow-Jones-Index. Die Aktien des Chip-Bauers sprangen über 6 Prozent und zogen damit den Index nach oben. Intel hatte ihre Prognose erhöht.

Hoher Ölpreis alarmiert

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Die Nordseeöl-Sorte Brent und das US-Öl WTI verteuerten sich in der Spitze um jeweils mehr als ein Prozent auf 114,69 und 107,68 Dollar je Barrel (159 Liter). "Das sollte für die Aktienmärkte ein Warnzeichen sein", sagte Jens Klatt, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses FXCM. "Es besteht die Gefahr, dass sich die USA wieder in diesen Konflikt mit hineinziehen lassen, was zu ernsthaften Turbulenzen an den Börsen führen sollte." Für Aktienanleger sei das Thema allerdings auch ein willkommener Anlass, um nach dem jüngsten Rekordlauf Gewinne mitzunehmen, ergänzten Händler. Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, waren am Nachmittag um jeweils rund sieben Prozent gestiegen.

Kämpfer der Gruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil) hatten Anfang der Woche die nordirakische Millionenstadt Mossul überrannt. Sie rücken weiter in Richtung der Hauptstadt Bagdad vor. Die wichtigsten Ölverlade-Anlagen befinden sich allerdings im Süden rund um Basra. Dort werden täglich rund 2,6 Millionen Barrel Rohöl umgeschlagen. Um die Islamisten zurückzudrängen, denkt US-Präsident Barack Obama über einen Militäreinsatz nach.

Die Situation im Irak könnte sich zu einem großen Störfaktor entwickeln. Der Markt sei vor allem von dem Tempo überrascht worden, mit dem sich der Konflikt ausbreitet, hieß es auf dem Parkett. "Die Gefahr einer erneuten Beteiligung des US-Militärs im Irak sorgt für eine steigende Risikoaversion unter den Anlegern", sagte Norihiro Fujito, Investmentstratege bei Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities.

Luftfahrt- und Touristikwerte im Minus

Angesichts der Irak-Krise standen vor allem Luftfahrt- und Touristikwerte unter Verkaufsdruck. Sie reagieren insgesamt sensibel auf geopolitische Krisen und steigende Ölpreise. Der europäische Index für diese Branche gab mehr als zwei Prozent nach. TUI und TUI Travel verloren 3,5 Prozent bzw. 2,6 Prozent, Thomas Cook fielen um 7,4 Prozent.

Die British-Airways-Mutter IAG landete mit 2,3 Prozent im Minus,  Lufthansa büßten 3,4 Prozent ein. Letztere leide zudem noch unter den Nachwehen der Gewinnwarnung vom Mittwoch, sagte ein Händler. Die Fluggesellschaft hatte wegen des harten Preiskampfs ihre Ergebnisziele kassiert.

Angesichts des starken Ölpreisanstiegs taten sich auch Autowerte schwer. BMW, Daimler und Continental verloren jeweils rund 0,6 Prozent.

BoE-Zinserhöhung rückt näher

Das zweite große Thema auf dem Börsenparkett war die Geldpolitik der Bank von England (BoE). Notenbankchef Mark Carney hatte betont, eine Zinserhöhung könne schneller kommen als von den Finanzmärkten erwartet. Investoren an den Terminmärkten wetteten daraufhin auf den kommenden Dezember als möglichen Zeitpunkt. Bislang hatten sie für Anfang 2015 mit einer Zinserhöhung gerechnet.

Diese Spekulationen hievten das britische Pfund auf ein Fünfeinhalbwochen-Hoch von 1,6992 Dollar. Gleichzeitig gab der Euro 0,2 Prozent nach und war mit 0,7984 Pfund so billig wie zuletzt im November 2012. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte Anfang des Monats die Zinsen gesenkt und will mit milliardenschweren Geldspritzen die Konjunktur der Euro-Zone ankurbeln. Zur US-Valuta trat die Gemeinschaftswährung am Freitag auf der Stelle und notierte bei 1,3536 Dollar.

Quelle: n-tv.de

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