Wirtschaft
Pfui Spinne? Davon kann keine Rede sein, aber Anleger haben zumindest vorerst genug und kehren dem Aktienmarkt den Rücken.
Pfui Spinne? Davon kann keine Rede sein, aber Anleger haben zumindest vorerst genug und kehren dem Aktienmarkt den Rücken.(Foto: picture alliance / dpa)

Kursrutsch in Lissabon und Athen: Dax-Anleger ziehen sich zurück

Der Abgabedruck am deutschen Aktienmarkt hält an. Die schwachen Wachstumszahlen aus der Eurozone hallen nach. Es gibt aber auch andere Sorgen. Nach Griechenland rückt Portugal in den Fokus. Hier läuft das Rettungspaket der Internationalen Geldgeber aus.

Der Markt hat nach dem Erreichen eines neuen Allzeithochs am Donnerstag den Rückwärtsgang eingelegt. Händler sprachen von einer leicht angeknacksten Stimmung. Neben der Wachstumsschwäche in der Eurozone machten Händler auch die bald anstehenden Europa-Wahlen als möglichen Risikofaktor aus.

Der Dax verlor 0,3 Prozent auf 9629 Punkte. Am Donnerstag hatte der deutsche Leitindex sich noch zu einem neuen Rekordhoch auf 9810,29 Zähler hochgeschwungen.

Der MDax büßte 1,0 Prozent auf 16.185 Punkte ein, der TecDax verlor ebenfalls 1,0 Prozent bei 1218 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 notierte 0,3 Prozent leichter bei 3172 Punkten.

Konjunkturschock am Vortag

Die Vorfreude auf mögliche geldpolitische Lockerungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) war nach dem Allzeithoch am Vortag nahtlos der Sorge über die schwache Konjunktur in Europa gewichen. Einige Anleger befürchten, dass die Wachstumserwartungen für die Währungsunion zu hoch sind. Die jüngsten Daten hatten gezeigt, dass die Wirtschaft in der Eurozone zu Jahresanfang nur halb so stark gewachsen ist wie erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt in den 18 Ländern des Währungsraums stieg zwischen Januar und März um 0,2 Prozent - gerechnet hatten Experten mit einem Plus von 0,4 Prozent.

Für Verstimmung sorgten auch die größten Kursverluste des S&P-500 seit einem Monat und die damit verbundene Eintrübung des charttechnischen Bildes. Händler gingen davon aus, dass das auch am deutschen Markt nicht spurlos vorbeigehen dürfte, zumal die US-Märkte zuletzt der entscheidende Schrittmacher für die Börsen gewesen sind. Falle der Dax unter den seit Ende Januar bestehenden Korrekturtrend bei 9573 Punkten, dürfte sich die Abwärtsbewegung ausweiten, sagte ein Händler. Die Anleger seien jüngst "zu optimistisch geworden", dies spreche für einen Rücksetzer.

Bei den Einzeltiteln sorgten zahlreiche Dividendenabschläge das Bild. So schütteten die Deutsche Börse, BMW und Fresenius Medical Care aus - auch Deutsche Telekom wurden ex Dividende gehandelt. Die defensiven Versorgeraktien waren gesucht, auch unterstützt durch eine Kaufempfehlung für RWE durch Goldman Sachs. Für das RWE-Papier ging es 2,2 Prozent nach oben, die Eon-Aktie wertete 0,9 Prozent auf.

TUI-Aktien verloren nach dem Quartalsausweis 2,5 Prozent. Schwach fiel der Umsatz aus, was allerdings vor allem auf negative Währungseffekte zurückzuführen war. Equinet wollte das leicht gesenkte Umsatzziel daher nicht überbewerten. Auf der Ergebnisseite wurde das bereinigte Ebit um 20 sowie das ausgewiesene Ebit sogar um mehr als 50 Millionen Euro übertroffen, hoben die Analysten positiv hervor.

Südzucker-Papiere standen unter Druck und verloren 0,7 Prozent. "Wer bei den endgültigen Quartalszahlen auf irgendeine positive Botschaft gesetzt hat, der wurde enttäuscht", sagte ein Beobachter. Stattdessen dürfte der voraussichtlich weiter fallende Zuckerpreis in der EU weitere Hiobsbotschaften von Südzucker nach sich ziehen. "Der Rückgang der EU-Zuckerpreise und damit des Gewinns ist nicht zyklischer, sondern struktureller Art", merkte Barclays an.

Katerstimmung in Griechenland und Portugal

Die schwachen Wachstumszahlen aus der Eurozone und das leichte Wiederaufflackern der Unsicherheiten in der Eurozone sorgten auch an anderen europäischen Börsen für Ernüchterung. Nachdem sich die Athener Börse am Vortag in schwacher Verfassung präsentiert hat, ging es zum Wochenausklang auch für portugiesische Aktien mit Abschlägen von 2,6 Prozent kräftig nach unten.

Hintergrund der Talfahrt war das am Samstag endende Rettungspaket der internationalen Geldgeber. Dann muss das Land auf eigenen finanziellen Füßen stehen.

An der Börse Lissabon brachen die Aktien der portugiesischen Bank Banco Espirito Santo um 6,0 Prozent ein, nachdem das Kreditinstitut eine 1,045 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung angekündigt hat. Die neuen Papiere sollen mit einem Abschlag zum Donnerstagsschlusskurs von 38 Prozent ausgegeben werden. Darüber hinaus verbuchte die Bank im abgelaufenen Quartal erneut einen Verlust.

Die griechische Börse setzte ihre Talfahrt unterdessen fort. Der Leitindex des Athener Aktienmarktes rutschte um 3,5 Prozent ab und notierte mit 1089,53 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit Anfang Oktober 2013.

Steuerpläne und Europawahl

Die Staatsanleihen des Mittelmeer-Anrainers warfen Investoren ebenfalls aus ihren Depots. Der Kurs der richtungsweisenden zehnjährigen Titel gab nach seinem vierprozentigen Vortagesminus ein weiteres Prozent nach. Im Gegenzug stieg die Rendite auf ein Zwei-Monats-Hoch von 6,975 Prozent.

Die Bonds litten Börsianern zufolge vor allem unter den Überlegungen der Regierung, ausländische Anleger zu besteuern, die in den Jahren 2012 und 2013 griechische Staatspapiere hielten. Das sei eindeutig der Versuch, einen Teil der Gewinne einzustreichen, die Hedgefonds in den vergangenen Jahren mit griechischen Anleihen gemacht hatten, sagte ein Fondsmanager. Die große Frage sei aber, wie Griechenland diese Gewinne bestimmen und das Geld eintreiben wolle.

Einige Händler und Analysten verwiesen zudem auf die anstehenden Europawahlen. Die erwarteten Stimmengewinne euroskeptischer Parteien könnten den politischen Rückhalt der Regierungskoalition in Athen schmälern und vielleicht sogar zu Neuwahlen führen.

Quelle: n-tv.de

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