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Wall Street schaut nach oben: Dax-Erholung endet abrupt

Erholung oder Gegenbewegung? Diese Frage beantwortet der deutsche Aktienmarkt am Dienstag klar - nach zwei Handelstagen mit einem Gesamtplus von mehr als fünf Prozent beim Dax steht wieder ein deutliches Minus. Der Grund ist nicht neu.

Unterschiedliche Richtungen haben die Börsen in Europa un den USA eingeschlagen. Während der Handel in Frankfurt nach zwei Tagen mit Gewinnen wieder im Minus schloss, legten die Werte an der Wall Street zu. In Europa dominierten Gewinnmitnahmen. Zudem gab der Ölpreis wieder nach. Und so schloss der Dax 0,8 Prozent tiefer bei 9135 Punkten. Der MDax gab 1,5 Prozent auf 18.431 Stellen ab. Der TecDax büßte 1,1 Prozent auf 1545 Punkte ein.

Als Stimmungskiller erwies sich der ZEW-Index. "Die sich abzeichnende Abschwächung der Weltkonjunktur und die ungewissen Folgen des Ölpreisverfalls belasten die Konjunkturerwartungen", sagte ZEW-Experte Sascha Steffen. "Angesichts dieser Entwicklungen hat die Sorge über erhöhte Kreditausfallrisiken bereits Aktien- und Anleihenkurse vieler Banken in Europa, den USA und Japan in die Knie gezwungen." Die ZEW-Konjunkturerwartungen fielen erneut und liegen nun bei 1,0 Punkten.

Rohstoffe: Ölpreis bleibt niedrig

Für mehr Aufsehen sorgte die Erklärung von Russland, Saudi-Arabien, Katar und Venezuela, mit einer Deckelung der Öl-Produktion den Preisverfall stoppen zu wollen. Allerdings müssen andere Länder mitziehen, damit das Vorhaben greift. Am Markt überwog dann auch die Skepsis, auch weil die Börsianer auf eine Förderkürzung gehofft hatten. Später erklärte der Iran, seine Produktion auf das Niveau vor den Sanktionen hochfahren zu wollen. Ein weltweites Überangebot gilt als Hauptursache dafür, dass der Ölpreis binnen 18 Monaten um rund 70 Prozent abgesackt ist.

US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 1,4 Prozent auf 29,04 US-Dollar - gegenüber dem elektronischen Vortageshandel gar um 2,3 Prozent. Das globaler gehandelte Rohöl der Sorte Brent gab 3,6 Prozent auf 32,18 Dollar nach.

Dax: Nicht nur "sell on good news"

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Bei den Einzelwerten stand die Berichtssaison im Fokus. Die Zahlen von HeidelbergCement kamen zunächst an der Börse gut an. Vor allem der operative Gewinn liege über den Erwartungen, gleichzeitig gefalle der Ausblick, hieß es im Handel. Doch die Aktien drehten ins Minus, schlossen fast 4 Prozent schwächer. Marktteilnehmer verwiesen nach dem fast 10-prozentigen Kurssprung seit Freitag auf Gewinnmitnahmen nach dem Motto 'sell on good news'.

Das gleiche Bild bei den Autowerten: Hier konnten frische Neuzulassungszahlen aus Europa zunächst stützen. Zum Handelsende standen aber auch negative Vorzeichen. BMW verloren rund 1 Prozent. Daimler gaben etwa 1,5 Prozent und VW mehr als 2 Prozent ab.

MDax: Überraschungscoup von Siemens

Aufwärts ging es zunächst auch mit Osram. Die Titel schossen mehr als 6 Prozent in die Höhe. Auslöser war Händlern zufolge ein Antrag von Siemens auf der Hauptversammlung, über die Entlastung der Vorstände einzeln abzustimmen. "Das ist ein klares Misstrauenssignal an den Vorstandschef", sagte ein Händler mit Blick auf den Vorstandsvorsitzenden Olaf Berlien: "Siemens geht immer noch gegen den Strich, dass sie sich nicht ausreichend über den Milliarden-Investitionsplan ins LED-Geschäft informiert fühlt." Am Ende stand aber auch bei Osram ein Minus: etwa 0,3 Prozent ging es für die Titel abwärts.

Wesentlich deutlicher unter die Räder kamen MTU. Der Kurs brach am Ende um mehr als 6 Prozent ein. Der Triebwerkspezialist hatte wegen Verschiebungen im Seriengeschäft im vergangenen Jahr die eigene Umsatzprognose verfehlt.

USA: The trend is your friend

Derweil knüpften die US-Börsen an ihre Erholung an. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte 1,4 Prozent auf 16.196 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg 1,6 Prozent auf 1895 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 2,3 Prozent auf 4435 Punkte vor. Dabei stützten die zuletzt besonders gebeutelten Sektoren Finanzwesen, Konsum und Technologie. Nach dem Feiertag zu Wochenbeginn hatten die Kurse einiges nachzuholen, denn in Asien und Europa war am Vortag Kauflaune aufgekommen. Die ins Minus gedrehten Ölpreise brachten Anleger nur kurz ins Grübeln. Händler bescheinigten den US-Börsen angesichts der Entwicklung am Erdölmarkt eine gewisse Robustheit.

Geleitschutz für den Aktienmarkt kam von Analystenseite: Sowohl JP Morgan als auch Morgan Stanley urteilten, die Märkte seien überverkauft. Schwächer als erwartet fiel allerdings die Geschäftsaktivität des verarbeitenden Gewerbes im Großraum New York gemäß Empire State Manufacturing Index aus. Das schien Anleger in ihrer Hoffnung auf ein Verschieben der nächsten Leitzinserhöhung in den USA zu bestärken. Ins selbe Horn blies der Präsident der Federal Reserve im Bezirk Philadelphia: Patrick Harker sah die Chancen auf eine weitere US-Leitzinserhöhung im März schwinden.

Bankenwerte ziehen an 

Unter den Einzelwerten stiegen General Electric um 2,1 Prozent. Der Chef der Öl- und Gassparte von GE lotete die Geschäftsmöglichkeiten in Teheran aus. Der Besuch von Lorenzo Simonelli im Iran war die erste Visite eines Spitzenmanagers aus dem US-Energiesektor, seit der Staat wegen seines Atomprogramms mit Sanktionen des Westens belegt worden war.

Die in jüngster Zeit gebeutelten Bankenwerten erholten sich etwas. JP Morgan hatte die Aktien von Morgan Stanley und Goldman Sachs auf "Übergewichten" hochgestuft. Die Analysten erkannten in den US-Investmentbanken, auch im Vergleich mit den europäischen Wettbewerbern, erheblichen Wert. Goldman Sachs und Morgan Stanley verfügten über eine ausgezeichnete Kapitalposition. Papiere beider Banken stiegen um 2,0 und 2,7 Prozent.

ADT Corp stimmte der Übernahme durch die Beteiligungsgesellschaft Apollo Global Management zu, bei der das auf häusliche Sicherheitstechnik spezialisierte Unternehmen mit 6,93 Milliarden US-Dollar bewertet wurde. Der Kaufpreis entsprach einer Prämie von 56 Prozent. Die ADT-Aktie sprang um 47,5 Prozent in die Höhe.  Positive Geschäftsberichte beflügeln

Die Papiere von Restaurant Brands International zogen um 5,7 Prozent an. Der Betreiber der Schnellrestaurantkette Burger King wies besser als erwartet ausgefallene Gewinnkennziffern aus. Das galt auch für Hormel Foods, die um 7,1 Prozent zulegten. Der Lebensmittelkonzern erfreute zudem mit einem erhöhten Ausblick.

Asien: Chinas Börsen stark

Die asiatischen Aktienmärkte machten erneut etwas Boden gut. Der steigende Ölpreis, eine Stabilisierung der Börsen in China und ermutigende Konjunkturdaten aus den USA weckten bei Investoren die Hoffnung, dass nach den jüngsten Turbulenzen das Schlimmste vorbei sein könnte. Viele Anleger deckten sich zudem mit Schnäppchen ein.

Der Nikkei-Index schloss 0,2 Prozent fester bei 16.054 Punkten, nachdem er am Montag mehr als 7 Prozent in die Höhe geschnellt und damit einen großen Teil der Verluste aus der vergangenen Woche wettgemacht hatte. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans stieg um 1 Prozent. In Hongkong ging es für den Hangseng 1,2 Prozent aufwärts. In China schloss der Index der Shanghai Composite 3,3 Prozent fester, der Shenzhen Composite legte 3,1 Prozent zu. Die Kreditvergabe in China ist so hoch wie nie zuvor. Investoren werten das als positives Zeichen, weil es auf ein Anziehen der Wirtschaft hindeutet.

Am Devisenmarkt kehrte weitgehend Ruhe ein. Nachdem der Euro am Vortag deutlich Terrain gegen den Dollar verloren hatte, gab die Gemeinschaftswährung nun nur noch leicht auf ein Einwochentief nach. Im späten US-Handel wurde sie mit 1,1138 Dollar bezahlt - im Tageshoch am Vortag hatte der Euro noch 1,1269 gekostet. Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, hatte am Vortag den Willen zum Handeln erneut unmissverständlich verdeutlicht.

Quelle: n-tv.de

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