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Selbst ein kleiner Gewinn von gerade einmal 0,1 Prozent reichte für einen neuen Schlussrekord beim Dax.
Selbst ein kleiner Gewinn von gerade einmal 0,1 Prozent reichte für einen neuen Schlussrekord beim Dax.(Foto: picture alliance / dpa)

Rekordserie an der Wall Street: Dax ächzt zu neuem Schlussrekord

Der deutsche Aktienmarkt bleibt im Wachstums-Modus - zu aktienfreundlich sind die erwarteten Geldfluten der Zentralbanken. Selbst an einem an Nachrichten armen Handelstag gibt es daher ein neues Allzeithoch. Am Ende jedoch schließt der Dax kaum verändert.

Dynamischer Start am Morgen, neues Allzeithoch bei 11.455 Punkten am Vormittag - danach rutschte der Dax nach und nach ab und verbrachte viel Zeit in der Verlustzone. Am Ende raffte er sich nochmal auf und schloss nur knapp oberhalb der Marke von 11.400 Punkten. Aber selbst ein kleiner Gewinn von gerade einmal 0,1 Prozent reichte für einen neuen Schlussrekord - den zehnten in Folge.

"Von der ruhigen Nachrichtenseite fehlt der Treibstoff für weitere Kursgewinne", sagte Analyst Markus Huber vom Wertpapierhändler Peregrine & Black in London. Daher hätten Gewinnmitnahmen den Dax belastet. Das sei aber nicht gravierend, erklärte Huber. In euphorischen Marktphasen sei der Montag ohnehin oft der schwächste Wochentag.

Ein anderer Händler verwies darauf, dass unter der 11.400-Punkte-Marke Stop-Verkäufe gelegen hätten, die ausgelöst worden seien. "Die Börse ist keine Einbahnstraße", gab der Händler zu bedenken. Kleinere Rücksetzer seien notwendig, da sie anderen Marktteilnehmern die Möglichkeit böten, niedriger einzusteigen.

Geld der Zentralbanken stützt

Dennoch stehen die Zeichen an der Börse grundsätzlich auf Wachstum: "Es gibt einige positive Signale aus der europäischen Wirtschaft zu beobachten", sagte Chris Weston, Marktstratege von IG. Dies werde die Europäische Zentralbank aber nicht davon abhalten, wie geplant mit ihrem  Anleihekaufprogramm in diesem Monat zu beginnen. "Eine anziehende Konjunktur verbunden mit einer schwachen Währung sind der richtige Nährboden für einen haussierende Aktienmarkt", sagte Weston.

Aber nicht nur in Deutschland und Europa zieht die Wirtschaft leicht an. Auch in China scheint die Wirtschaft Tritt zu fassen. Dies deuten die diversen Einkaufsmanager-Indizes an, die am Wochenende veröffentlicht wurden, zum Teil in zweiter Lesung. Unterstützt wird die Wirtschaft im fernöstlichen Riesenreich von der chinesischen Notenbank. Sie hat am Wochenende überraschend die Zinsen gesenkt, zum zweiten Mal innerhalb von vier Monaten. Außerdem erhalten die Geschäftsbanken eine größere Flexibilität bei der Festlegung der Zinssätze für Bankeinlagen.

Deutschland: MDax macht es schon wieder

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Der Dax hatte sich nach dem vormittäglichen Rekordlauf am Nachmittag zunächst in der Verlustzone eingerichtet. Am Ende rettete er sich mit einem minimalen Zuwachs von 0,1 Prozent noch auf 11.410 Punkte - der höchste Schlussstand in seiner Gschichte.

Auch der "kleine Bruder-Index", der MDax, war im Rekordmodus: Nachdem er Ende vergangener Woche die 20.000-Punkte-Marke geknackt hatte, stieg er heute erstmals über 20.200 Zähler und stellte ein weiteres neues Allzeithoch bei 20.279 Punkten auf. Am Schluss notierte er 0,3 Prozent im Plus bei 20.143 Punkten.

Der TecDax schloss 0,2 Prozent im Plus bei 1585 Punkten, der Euro-Stoxx-50 ließ 0,3 Prozent nach auf 3589 Stellen.

Deutsche Aktien: Merck steigt vor Zahlen an die Dax-Spitze

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Die Liste der Dax-Kursgewinner führte auch am Ende die Aktie von Merck an, die 2,2 Prozent zulegte. Zuvor hatte die Aktie bei 95,06 Euro ein neues Allzeithoch markiert. Morgen legt der Chemie- und Pharmakonzern seine Zahlen vor. Die Analysten der Commerzbank und auch der Deutschen Bank rechnen mit einem guten Schlussquartal der Darmstädter. Mit Abstand folgten dahinter Allianz auf Platz zwei mit einem Plus von 1,1 Prozent.

Ganz hinten im deutschen Leitindex landeten Heidelbergcement mit minus 2,0 Prozent. Auch Eon ließen 1,8 Prozent nach.

Für die RWE-Aktien ging es um 1,2 Prozent nach unten. Der Energiekonzern schließt trotz der Bedenken der britischen Regierung den Verkauf seiner Öl- und Gasfördertochter Dea an den russischen Oligarchen Michail Fridman ab.

Die Ankündigung eines Restrukturierungsprogramms bei dem US-Turbinenspezialisten Dresser-Rand drückt Siemens ins Minus. Die Aktien gehörte mit einem Abschlag von 1,2 Prozent zu den schwächsten Dax-Werten.

Deutsche Aktien II: Rheinmetall profitieren von Wehr-Etat

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Gegen den Trend rutschten ElringKlinger im Nebenwerte-Index MDax um 5,7 Prozent ab. Die vorgelegten Geschäftszahlen seien fast komplett hinter den Erwartungen geblieben, sagte ein Börsianer. Gleiches gelte für den Ausblick.

Die Aktie von Rheinmetall gehört zu den Gewinnern des noch jungen Jahres, seit Jahresbeginn liegt sie bereits 26 Prozent im Plus. Heute ging es 1,3 Prozent nach oben. Im Handel wurde auf die Aussagen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verwiesen, der ab 2017 einen höheren Verteidigungsetat in Aussicht stellt.

Der Kurs des Gabelstapler-Herstellers Jungheinrich schloss nahezu unverändert. Das Bankhaus Lampe hatte die Aktie von "Kaufen" auf "Halten" gesenkt. Borussia Dortmund stiegen im SDax nach dem 3:0-Heimsieg gegen den Erzkontrahenten Schalke 04 um 2,6 Prozent.

USA: Wall Street mit neuen Rekorden

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Nach den Verlusten zum vergangenen Wochenausklang hat auch die Wall Street wieder auf Rekordmodus geschaltet. Der Allerdings blieben die Anleger zunächst zurückhaltend. Einen Grund zur Vorsicht liefern enttäuschende Konjunkturdaten: Die Amerikaner konsumierten im Januar weniger, obwohl ihre Einkommen zulegten. "Wenn der Markt die gemischten Daten erst einmal verarbeitet hat, werden wir vermutlich den Versuch sehen, die Kurse im Laufe des Handelstages nach oben zu treiben", sagt Analyst Peter Cardillo vom Broker Rockwell Global Capital.

Der Dow-Jones-Index kletterte um 0,9 Prozent auf 18.289 Punkte und damit erneut auf Rekordhoch. Der Nasdaq-Composite stieg um 0,9 Prozent auf 5.008 Punkte - die Höchstmarke von 5.133 rückt damit in Reichweite. Der marktbreite S&P-500 legte um 0,6 Prozent zu und markierte ebenfalls - auf Schlusskursbasis - ein Rekordhoch.

Zu den größten Gewinnern zählten Aktien des Chip-Herstellers Freescale, die sich um gut 11 Prozent verteuern. Der niederländische Anbieter NXP schluckt den kleineren US-Rivalen. Das gemeinsame Unternehmen wird einen Börsenwert von mehr als 40 Milliarden Dollar haben.

Devisen: Euro steckt wieder unter 1,12 Dollar fest

Der Euro ist nach besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten aus dem Währungsraum zeitweise über 1,12 US-Dollar gestiegen. Im späten US-Handel fiel die Gemeinschaftswährung aber wieder auf 1,1183 Dollar zurück. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1227 Dollar festgesetzt.

Rohstoffe: Aussicht auf Atomstreit-Einigung drückt Ölpreise

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Der Ölpreis ist mit deutlichen Abschlägen in die neue Woche gestartet. Öl der Nordseesorte Brent verbilligte sich um 4,9 Prozent auf 59,54 Dollar je Fass. Der Preis für West Texas Intermediate (WTI) sank um 0,3 Prozent auf 49,59 Dollar je Barrel. Händlern zufolge spekulierten einige Anleger auf eine Erhöhung der iranischen Öl-Exporte. Der Iran hält eine Einigung im Atomstreit in dieser Woche für möglich, sollten die USA und andere westliche Nationen die Sanktionen gegen Teheran aufheben.

Iran kann sein Öl aufgrund der internationalen Sanktionen seit Jahren nur eingeschränkt exportieren. US-Außenminister John Kerry und sein iranischer Kollege Mohammed Dschawad Sarif wollten sich in dieser Woche in Montreux zu Verhandlungen treffen. Gerüchte, es habe bereits eine Einigung gegeben, wies Kerry zurück.

Asien: Chinas Notenbank sorgt für Schub

Die Leitzinssenkung der chinesischen Notenbank hat auch an den Asien-Börsen für positive Stimmung gesorgt. Die wichtigsten Indizes in der Volksrepublik kletterten um bis zu 0,3 Prozent. In Japan schloss der Nikkei der 225 führenden Werte mit einem Plus von 0,15 Prozent bei 18.826 Zählern, nachdem er im Handelsverlauf auf den höchsten Stand seit April 2000 geklettert war. Im Februar hatte das Barometer 6,4 Prozent gewonnen. Der MSCI-Index für die Region Asien-Pazifik mit Ausnahme Japans tendierte kaum verändert.

Händler in Tokio sagten, neben der Zinssenkung in China, die die dortige Wirtschaft stützen dürfte, helfe der schwache Yen exportorientierten Firmen wie Toyota.

Quelle: n-tv.de

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