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Sorge um die EZBDax auf Zwei-Jahres-Tief

09.09.2011, 18:11 Uhr
Aga
Die Anleger hatten jede Menge Kröten zu schlucken. (Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Der überraschend angekündigte Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark drückt den Dax am Freitag auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Mit dem Rücktritt steige die Unsicherheit im ohnehin schwierigen Marktumfeld, sagen Händler.

Der deutsche Aktienmarkt ist am Freitag unter erheblichen

Abgabedruck geraten. Nachdem der Markt bereits mit Verlusten in den Handel

gestartet war, baute er diese am Nachmittag noch massiv mit der Nachricht aus,

dass EZB-Chefvolkswirt und Direktoriumsmitglied Jürgen Stark seinen Posten bei

der EZB bis Jahresende aufgibt. Der Dax ging mit einem Minus von vier Prozent

oder 219 Punkten auf 5.189 Zählern aus dem Handel und schloss damit sehr schwach.

Umgesetzt wurden in Dax-Titeln auf Xetra rund 229,3 (Vortag: 161,7) Mio. Aktien

im Wert von rund 3,88 (Vortag: 3,27) Mrd. Euro.

Zwar wurden persönliche Gründe für die Entscheidung Starks

genannt, im Handel vermutet man allerdings Differenzen über die Anleihekäufe

der EZB als Grund für den Rücktritt. Derweil gab es auch Spekulationen, dass

Griechenland am Wochenende seine Zahlungsunfähigkeit erklären könnte. Laut

Kreise soll das Land dies dementiert haben. Zugleich meldete die

Nachrichtenagentur Bloomberg, Deutschland bereite einen Plan zum Schutz des

heimischen Bankensektors vor, sollte es tatsächlich zu einer Insolvenzerklärung

kommen.

Als belastend erwiesen sich auch Aussagen von

US-Finanzminister Timothy Geithner. Die USA gingen nicht davon aus, dass es zu

einer gemeinsamen Intervention der Zentralbanken der G7-Staaten an den

Finanzmärkten komme. Bereits zur Eröffnung geriet der Markt unter Druck. Die

Ankündigung eines Job-Programms durch den US-Präsidenten Barack Obama konnte

die Investoren ebenso wenig überzeugen wie eine Rede des Fed-Chairman Ben

Bernanke, in der dieser nochmals die Handlungsmöglichkeiten der US-Notenbank

dargelegt hat.

Die Verschärfung der Schuldenkrise führte zu einem Absturz

des Euro gegen den Dollar. Zugleich stiegen die Risikoprämien auf griechische

Staatsanleihen auf ein neues Rekordhoch. Auch jähre sich der Jahrestag der

Anschläge auf das World Trade Center in New York - ein weiterer Grund, nicht

mit offenen Positionen ins Wochenende zu gehen, hieß es im Handel. Aus

technischer Perspektive ist der Dax nun beim Jahrestief bei 5.150 Punkten

unterstützt und dann bei der psychologischen Marke von 5.000. Ein Widerstand

ist bei 5.500 Punkten auszumachen.

Bayer-Aktien gingen mit einem Plus von 0,1 Prozent auf 38,99

Euro als einzige Aktie im Dax mit einem positiven Vorzeichen aus dem Markt. Ein

Beratergremium der US-Gesundheitsbehörde FDA hatte am Vorabend das Medikament

"Xarelto" zur Prävention von Schlaganfällen bei Patienten mit

Vorhofflimmern zur Zulassung empfohlen. Noch am Dienstag hatte es von der FDA

negative Aussagen zu dem Mittel gegeben, was die Bayer-Aktie um 7,5 Prozent nachgeben

ließ. J.P. Morgan rät nun weiter zum Übergewichten der Aktie.

Porsche-Vorzugsaktien brachen dagegen um 13,6 Prozent auf

37,99 Euro ein. VW und Porsche werden nicht wie ursprünglich geplant noch in

diesem Jahr verschmelzen. Wegen rechtlicher Hürden sei zum jetzigen Zeitpunkt

eine Einschätzung der wirtschaftlichen Risiken eines Zusammengehens nicht

möglich, teilte Porsche mit. Es geht um Risiken, die den Stuttgartern aus

Ermittlungen in den USA und Deutschland entstehen könnten.

Gegen die ehemaligen Porsche-Vorstände Wendelin Wiedeking

und Holger Härter laufen hierzulande und in den USA Verfahren beziehungsweise

Klagen wegen möglicher Marktmanipulation im Zusammenhang mit der gescheiterten

Übernahme von VW durch Porsche. Hieraus könnten Porsche horrende

Schadenersatzforderungen entstehen. VW fielen um 3,9 Prozent auf 103,75 Euro.

BMW gaben drei Prozent auf 51,69 Euro und Daimler 3,7 Prozent auf 32,36 Euro

nach.

Banken und Versicherer wurden mit der eskalierenden

Schuldenkrise in der Eurozone sowie dem Rücktritt von Jürgen Stark massiv verkauft.

Allianz verloren 6,7 Prozent auf 61,44 Euro, Munich Re fünf Prozent auf 81,66

Euro, Commerzbank 8,7 Prozent auf 1,67 Euro, Aareal Bank 9,9 Prozent auf 12,21

Euro und Deutsche Bank 7,3 Prozent auf 23,08 Euro. In der zweiten Reihe brachen

TUI 6,8 Prozent auf 4,06 Euro ein. Den Kursverlust erklärten sich Händler mit

der Kontrollmehrheit von Mehrheitsaktionär Mordaschow. "Einige Anleger

wollen hohen Freefloat und keine zu mächtigen Einzelaktionäre sehen",

sagte ein Händler.

Quelle: sla/rts/DJ