Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Fulminanter Endspurt : Dax baut Verluste ab

Das ist fast noch einen Punktlandung: Nach zunächst klaren Verlusten fängt sich der Dax und baut seine Verluste fast vollständig ab. Zuvor drehen die amerikanischen Börsen in den positiven Bereich. Die europäische Schuldenkrise lässt die Händler nicht los. Der Bundestag verabschiedet das zweite Rettungspaket für Griechenland.

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Die Schuldenkrise in der Eurozone hat am Montag den Handel am deutschen Aktienmarkt bestimmt. Die desolate Lage Griechenlands war Gegenstand einer Debatte im Deutschen Bundestag. Die Unwägbarkeiten bei der Rettung des südeuropäischen Landes dämpften lange Zeit den Risikoappetit der Investoren. In ihrer Merkel ohne Kanzlermehrheit verdeutlichte Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass der Weg raus aus der europäischen Schuldenkrise ein langwieriger ist. Dennoch legte der Dax zum Handelsende hin einen fulminanten Endspurt hin.

Die durch den zuletzt stark gestiegene Ölpreis entfachte Furcht vor einer Rezession trat zum Handelsschluss in den Hintergrund. Eine Erholung an den US-Börsen sorgte dafür, dass die deutschen Indizes einen Teil ihrer Verluste wieder abbauen konnten.

Der Dax verlor 0,2 Prozent und schloss bei 6850 Punkten. Zuvor befand sich der Leitindex klar unterhalb der Marke von 6800 Punkten. Der MDax sackte um 0,7 Prozent auf 10.381 Zähler ab. Der TecDax verzeichnete ein Minus von 0,9 Prozent und wies 769 Punkte auf.

Der Deutsche Bundestag segnete fast zeitgleich mit dem Handelsschluss in Frankfurt das 130 Milliarden schwere Hilfspaket für Athen ab. Laut Merkel will Deutschland den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM schneller als bisher geplant mit Kapital ausstatten. Die Kanzlerin kündigte in ihrer Regierungserklärung an, dass in einem ersten Schritt Deutschland 11 Milliarden Euro noch in diesem Jahr einzahlen wolle. Die andere Hälfte von 11 Milliarden Euro solle 2013 folgen.

Die Börsianer reagierten zudem enttäuscht auf das Treffen der G20-Finanzminister in Mexiko. So wurde keine Einigung hinsichtlich der Aufstockung des dauerhaften Euro-Rettungsfonds ESM, welcher im Sommer den EFSF ablöst, erzielt.

Am Mittwoch verpasst die Europäische Zentralbank (EZB) den europäischen Banken zum zweiten Mal eine große Liquiditätsspritze, um die nach wie vor klamme Bankenbranche mit Geld zu versorgen. Die Schätzungen schwankten zwischen 300 und 750 Milliarden Euro, sagte Ralf Umlauf von der Helaba zum Umfang des EZB-Tenders. Am Donnerstag und Freitag treffen sich schließlich wieder einmal die Staats- und Regierungschefs der EU, um über Lösungen für die Schuldenkrise zu beraten.

Investoren fürchten einen Ölpreisschock, weil die EU im Atomkonflikt mit dem Iran ab Sommer ein Importverbot für iranisches Erdöl verhängt hat. Der Iran droht seinerseits, die Straße von Hormus zu blockieren, einen der weltweit wichtigsten Handelswege.

Die Automobilwerte gaben nach. Für Daimler ging es um 2,9 Prozent abwärts; BMW sackten um 1,8 Prozent ab. Etwas aus dem Rahmen fielen Volkswagen, die ihr Minus auf 0,7 Prozent abbauen konnten.

Daneben standen lange vor allem Bankenwerte unter Druck. Die Geldinstitute sind mit ihren Anleihen von Staaten der Eurozone-Peripherie unmittelbar von der Entwicklung um Griechenland betroffen. Deutsche Bank verkleinerten zum Ende hin ihr Minus auf 0,1 Prozent; Commerzbank gaben um 2,8 Prozent nach.

Lufthansa büßten 2,4 Prozent ein. Der neuerliche Streik des Bodenpersonals am Frankfurter Flughafen sorgt für erneute Flugausfälle. Auch der hohe Ölpreis bremst die Luftfahrtindustrie. Im MDax verbilligten sich die Aktien des Frankfurter Airportbetreibers Fraport um 1,5 Prozent.

Sky Deutschland profitierten nicht vom Rückzug des Wettbewerbers Vodafone aus dem Kampf um die Bundesliga-Rechte. Vodafone will stattdessen nach Abschluss des Bieterwettstreits über Kooperationen sprechen. "Das passt zur Strategie von Sky", meinte ein Händler. Die Sky-Aktie verlor 4,3 Prozent.

Gerry Weber gaben trotz höher als erwartet ausgefallener Dividende um 0,7 Prozent nach. Das Unternehmen zahlt 65 Cent je Aktie, erwartet wurde eine Dividende von 63 Cent. Ein Ausbruch aus der kurzfristigen Seitwärts-Range zwischen 27,50 Euro und 28,50 Euro sei kurzfristig nicht in Sicht, nachdem der Kurs seit den vorläufigen Zahlen Mitte Januar bereits deutlich gestiegen sei, so ein Marktteilnehmer.

Im TecDax trennten sich die Anleger von Singulus. Die geplante 60 Millionen Euro schwere Anleihe-Emission machte den Papieren des Spezialmaschinenbauers zu schaffen. Sie rutschten um 6,1 Prozent ab. Das Geld solle zwar in den Ausbau des Geschäfts gesteckt werden, schrieb DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer. Die Auftragslage sei aber immer noch schwach.

Quelle: n-tv.de

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