Wirtschaft
Nach dem Rekord-Montag gab es heute keine Freudensprünge an der Börse.
Nach dem Rekord-Montag gab es heute keine Freudensprünge an der Börse.(Foto: REUTERS)

US-Anleger machen Kasse: Dax beendet Kater-Tag mit satten Verlusten

Nach der gestrigen Rekord-Party herrscht heute Kater-Stimmung an der Frankfurter Börse. Der Dax rutscht wieder unter die 12.000er Marke, vor allem Gewinnmitnahmen nagen am Leitindex. Zurückhaltung herrscht auch wegen eines Termins in den USA.

Die Rekordjagd an den europäischen Märkten legte heute eine Pause ein. Der Dax rutschte am Nachmittag wieder unter die Marke von 12.000 Punkten, wo er auch bis zum Ende blieb. "Vor der Sitzung der US-Notenbank begeben sich die Anleger auf hohem Niveau erst einmal in Wartestellung", sagte Andreas Paciorek von CMC Markets. Allein in den vier Sitzungen vor dem heutigen Handelstag hatte der Dax fast sechs Prozent gewonnen, seit Jahresbeginn sind es etwa 23 Prozent.

Ergebnisse der zweitägigen Notenbanksitzung in den USA werden zwar erst am morgigen Mittwoch bekannt. Händler meinen allerdings, die Ungewissheit über die künftige Geldpolitik habe mit den jüngsten schwachen Wirtschaftsdaten wieder zugenommen. Vereinzelt wird auch befürchtet, die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihr Anleihenkaufprogramm schnell beenden, weil die Preise in der Eurozone langsamer fallen. Andere Marktteilnehmer halten das aber für unwahrscheinlich. Der Euro erholt sich auf gut 1,06 Dollar und handelt nahe des Tageshochs.

Zum Aktienmarkt hieß es im Handel, auf dem hohen Kursniveau sei die Verlockung groß, ganze Aktienpakete zu verkaufen und "Kasse" zu machen. So hat sich der US-Investor Permira komplett aus Hugo Boss zurückgezogen und 8,4 Millionen Aktien für insgesamt 950 Millionen Euro platziert. Der US-Fonds Lone Star soll 15 Millionen Aktien der Immobiliengesellschaft TLG für 217 Millionen Euro verkauft haben. Und der Finanzinvestor Triton steigt beim Automobilzulieferer Stabilus aus. Triton verkaufte rund 4,2 Millionen Aktien für 120 Millionen Euro. Hier sprachen Händler von einem "Befreiungsschlag", weil die Spekulation um einen Paketverkauf den Kurs zuletzt gedeckelt habe und dieser hinter den anderen Autozulieferern zurückgeblieben sei.

Daneben wurden bei den großen Highflyern der jüngsten Zeit wie den Titeln aus dem Automobilbereich Gewinne mitgenommen. Der Sektorenindex der europäischen Autowerte fällt um 1,7 Prozent, nur die Einzelhandelsaktien geben noch etwas stärker nach.

Deutschland: Fast alle Dax-Werte mit Verlusten

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Der Dax notierte am Ende mit einem Minus von 1,5 Prozent bei 11.981 Punkten. Der Rekordstand vom Montag bei 12.219 Punkten liegt damit wieder etwas weiter entfernt. Am Nachmittag hatte der Leitindex sein Tagestief bei 11.931 Zählern markiert.

Beim Nebenwerte-Index MDax waren die Verluste noch größer: minus 1,9 Prozent auf 20.714 Punkte. Damit rutschte der MDax wieder unter die 21.000-Punkte-Marke, die er erst am Vortag zum ersten Mal in seiner Geschichte überschritten hatte.

Der TecDax schloss 2,2 Prozent im Minus bei 1637 Zählern, der Euro-Stoxx-50 fiel um 1,0 Prozent auf 3671 Punkte.

Bei den Aktien gab es im Dax nur zwei Gewinner. Lufthansa legten 1,8 Prozent zu. Am Markt seien Titel gesucht, die in der Hausse besonders schlecht gelaufen seien. Daher sind auch die Titel des Versorgers Eon um 0,5 Prozent gestiegen.

Schlusslicht im Dax waren Daimler mit einem Minus von 4,3 Prozent. Die UBS hatte die Aktien von "Neutral" auf "Sell" heruntergesetzt. Schwach auch die Papiere von ThyssenKrupp, die 3,5 Prozent verloren.

Im MDax ging es für Hugo Boss 3,3 Prozent nach unten. Der Finanzinvestor Permira stieg vollständig bei dem Modekonzern aus. Trotz einer höheren Dividende straften Anleger Leoni ab. Die Aktien verloren 2,9 Prozent. Händlern zufolge sorgte der Ausblick für etwas Enttäuschung. Zudem nutzten die Investoren die Gelegenheit, um Kassen zu machen. Seit Jahresanfang hatten Leoni bis zum Handelsstart rund 25 Prozent an Wert gewonnen.

Im SDax gaben TLG Immobilien um 8,2 Prozent nach und Stabilus stiegen trotz der Aktien-Platzierung des US-Fonds Lone Star um 8,3 Prozent.

USA: Wall Street folgt Europa ins Minus

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Wie schon an den Vortagen scheint die Wall Street erneut den Vorgaben der Börsen in Europa zu folgen - wenn auch nicht mit der gleichen Dynamik. Am Vortag bescherte die EZB-Liquiditätsflut den Börsen auf dem alten Kontinent Rekordstände, was auch US-Aktien einen ordentlichen Schub verpasste. Heute wurden in Europa Gewinne mitgenommen, und auch an der Wall Street war diese Entwicklung zu beobachten. Allerdings liegen die Ursachen auch in der erkennbaren Vorsicht in den USA vor der anstehenden Sitzung der US-Notenbank Fed.

Der Dow Jones Industrial schloss mit einem Minus von 0,71 Prozent bei 17.849,01 Punkten. Der marktbreite S&P-500-Index sank um 0,34 Prozent auf 2074,20 Punkte. Dagegen präsentierten sich die Technologiewerte an der Nasdaq mit freundlicher Tendenz. Für deren Auswahlindex Nasdaq 100 ging es um 0,12 Prozent auf 4375,63 Zähler nach oben.

Am Aktienmarkt ziehen American Airlines um 7 Prozent an. Das Papier wird in den S&P-500-Index aufgenommen. Die Aktien von General Cable schnellten um mehr als 21 Prozent hoch. Der weltweit größte Kabelhersteller Prysmian erwägt der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge die Übernahme des US-Konkurrenten.

Devisen: Euro auf leichtem Erholungskurs

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Der Euro hat seine jüngste Talfahrt vorerst gebremst. Die Gemeinschaftswährung, die zu Wochenbeginn auf ein Zwölf-Jahres-Tief von 1,0456 Dollar gefallen war, notierte am späten Abend bei 1,05896 Dollar. Angesichts zuletzt enttäuschender Konjunkturdaten ließen die Spekulationen auf eine baldige Zinswende in den USA wieder etwas nach. Die EZB hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,0635 Dollar festgesetzt - 0,78 Cent mehr als am Vortag.

Neben den Zinsspekulationen machten dem Euro zuletzt auch die Anleihenkäufe der EZB zu schaffen. Die Notenbank hat im Zuge ihres insgesamt über eine Billion Euro schweren Kaufprogramms bisher für fast zehn Milliarden Euro Bonds erworben. Seit dem Start der Käufe vergangenen Montag hat der Euro in der Spitze fast vier US-Cent verloren.

Rohstoffe: Ölproduktion steigt - Preis fällt

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Die Talfahrt der Ölpreise an den internationalen Terminmärkten hat sich fortgesetzt. Das Barrel Leichtöl der US-Sorte WTI verbilligte sich um 1,0 Prozent auf 43,46 Dollar. Die europäische Sorte Brent gab um 0,8 Prozent auf 53,51 Dollar nach.

Laut Händlern rechneten viele Anleger mit einem weiteren Rekordaufbau der Ölbestände in den USA. Am Mittwoch wird das amerikanische Energieministerium seine Daten dazu bekanntgeben.

Die Analysten der Commerzbank verwiesen zudem auf die andauernden Verhandlungen im Atomstreit mit dem Iran. Bei einem Regierungswechsel in Israel, wo am Dienstag Parlamentswahlen stattfinden, würde sich die Aussicht auf eine Einigung mit dem Iran erhöhen. "Im Falle einer Aufhebung der Sanktionen könnten im zweiten Halbjahr bis zu eine Million Barrel pro Tag zusätzliches Öl aus dem Iran an den Markt kommen, was eine Preiserholung erschweren würde."

Asien: EZB treibt auch Tokio

In Asien orientierten sich die Börsen derweil nach oben. Für die Musik sorgen weiter Spekulationen über den geldpolitischen Kurs der Notenbanken, aber auch gute Vorgaben aus Europa und diesmal auch den USA. In Schanghai wirkt die Ankündigung von Premier Li Keiqang vom Wochenende nach, der Konjunktur des Landes nötigenfalls unter die Arme zu greifen und in Japan lebt die Hoffnung auf weitere geldpolitische Lockerungen weiter. Zum Ende ihrer zweitägigen Beratungen teilte die Bank of Japan wie weitgehend erwartet mit, zunächst an ihrem bereits sehr expansiven Kurs festzuhalten. Auch in Australien hat die Notenbank die Füße diesmal still gehalten und will zunächst beobachten, ehe sie die Zinsen womöglich weiter senkt.

In Tokio stieg der Nikkei-Index für 225 führende Werte um 1,0 Prozent auf 19.437 Zähler. Der breit gefasste Topix legte um 0,8 Prozent auf 1572 Punkte zu. CIO Kazuyuki Teraosays von Allianz Global Investors führt das deutliche Plus in Tokio weniger auf die Entscheidung der japanischen Notenbank zurück als vielmehr auf die extrem lockere Geldpolitik der EZB und Käufe heimischer institutioneller Anleger.

Quelle: n-tv.de

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