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Gleich zu Beginn des ersten Handelstages dieser Woche markiert der Dax ein neues Allzeithoch.
Gleich zu Beginn des ersten Handelstages dieser Woche markiert der Dax ein neues Allzeithoch.(Foto: picture alliance / dpa)

Kaum Bewegung an der Wall Street: Dax begeistert Börsianer mit Rekord-Show

Der Dax ist ein wahrer Kraftprotz und knackt erneut Rekorde. Die Einigung zwischen Griechen und Eurogruppe wirkt wie Doping - der Dax schießt über 11.100 Punkte hinaus und markiert ein neues Allzeithoch. Ein schwacher Ifo-Index belastet kaum.

Gleich zu Beginn ein Allzeithoch bei 11.159 Punkten: Einen sensationellen Start in die Handelswoche legte am Morgen der deutsche Aktienmarkt hin - getrieben von der Einigung im griechischen Schuldenstreit am vergangenen Freitag. Auch in Tokio hatte der Kompromiss für ein zwischenzeitliches 15-Jahres-Hoch beim Nikkei gesorgt. An den US-Börsen hatte die Einigung bereits am Freitag Rekorde purzeln lassen - heute jedoch drehen Dow Jones und Co. zu Beginn ins Minus. In Frankfurt beruhigte sich der Dax nach dem anfänglichen Höhenrausch schnell wieder, blieb aber den gesamten Handelstag über in der Gewinnzone - und schließt am Ende oberhalb der Marke von 11.100 Punkten.

Händler bewerteten die Euphorie teilweise als überzogen: "Alles, was wir haben, ist eine Vereinbarung auf Verhandlungen, die zweifellos komplex und schmerzhaft werden dürften", sagte Chris Weston vom Broker IG. Es müsse sich erst noch zeigen, ob Griechenland sich letztlich tatsächlich auf die fiskalischen Ziele und strukturellen Reformen einlasse, welche die Hardliner in der Eurogruppe fordern, sagt Weston. Neuwahlen in Griechenland seien nach der getroffenen Vereinbarung jedenfalls nicht ausgeschlossen.

Etwas enttäuscht zeigten sich Anleger hingegen vom Ifo-Geschäftsklimaindex - obwohl dieser leicht von 106,7 Punkten im Vormonat auf 106,8 Punkte gestiegen war, wie das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung mitteilte. Befragte Ökonomen hatten aber einen Anstieg auf 107,7 prognostiziert. "Die Zahlen sind ungeachtet der verfehlten Konsensschätzungen als solide einzustufen", sagte Ralf Umlauf von der Helaba. Der vierte Anstieg in Folge untermauere das Wachstumsszenario.

Deutschland: Rekord-MDax nähert sich der 20.000

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Den Dax kostete der Ifo-Index möglicherweise einen kleinen Teil seines zunächst satten Tagesgewinns: Er stieg nach seinem Rekordhoch etwas weniger energisch. Am Ende schloss der deutsche Leitindex 0,7 Prozent im Plus auf 11.131 Punkten. Das war - wen wundert es noch - ein weiterer Schlussrekord, der dritte in Folge.

Bei aller Freude über den Dax darf nicht unerwähnt bleiben, dass auch der "kleine Bruder" MDax ebenfalls in Rekord-Gier war: Der Nebenwerte-Index stieg ebenfalls auf ein neues Allzeithoch bei 19.839 Zählern - und nimmt jetzt Kurs auf die 20.000-Punkte-Marke. Am Schluss gewann der MDax noch 1,0 Prozent auf 19.852 Punkte.

Der technologielastige TecDax stieg 1,2 Prozent auf 1570 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 legte um 0,7 Prozent auf 3516 Zähler zu.

Deutsche Aktien: Deutsche Börse AG und Merck ganz oben

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Größter Gewinner im Dax waren die Aktien von der Deutschen Börse AG mit einem Plus von 2,7 Prozent. Stark auch Merck mit einem Zuwachs von 2,2 Prozent. Der Dax-Spitzenreiter aus dem frühen Handel, die Commerzbank-Aktie, landete am Ende mit einem Zuwachs von 1,3 Prozent nur im Mittelfeld.

Deutsche Bank blieben mit einem Minus von 0,4 Prozent nicht nur hinter dem freundlichen Gesamtmarkt zurück, sondern rutschten damit auch fast ganz ans Dax-Ende. Der Kurs wurde gebremst von der Nachricht von Dow Jones Newswires, dass die US-Tochter der Deutschen Bank in den USA den Stresstest nicht bestehen dürfte. Größter Verlierer waren jedoch ThyssenKrupp mit einem Minus von 1,1 Prozent.

Im MDax standen die Aktien der Aareal Bank an der Spitze. Sie legten um satte 6,0 Prozent zu. Die Immobilienbank übernimmt für 350 Millionen Euro in bar die kleinere Konkurrentin Westimmo.

Keinen guten Tag erwischten QSC, die im TecDax 11,6 Prozent abrutschten. Das Betriebsergebnis (Ebitda) des Telekomkonzerns ging für das Gesamtjahr 2014 auf 35,0 Millionen Euro zurück nach 77,8 Millionen Euro im Vorjahr.

Noch stärker bergab ging es zunächst für CTS Eventim: Wegen Ermittlungen des Kartellamts eröffneten die Aktien 15 Prozent schwächer, erholten sich später jedoch etwas. Letztendlich schlossen sie nur noch 2,6 Prozent im Minus.

USA: Dow schwächelt

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Nach den jüngsten Rekordständen an der Wall Street hielten sich die Anleger zurück. Auch die US-Börsen richteten ihren Blick nach Griechenland, wo die neue Regierung an einer Liste mit Reformen arbeitet. Zudem waren die Anleger angesichts der für Dienstag und Mittwoch geplanten Anhörung der US-Notenbankchefin Janet Yellen vor dem US-Kongress vorsichtig. Die Marktteilnehmer erhoffen sich von ihr Hinweise darauf, wann die Fed die Zinsen erhöhen wird.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Minus von 0,1 Prozent auf 18.116 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 trat bei 2109 Zählern auf der Stelle. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq gewann dagegen 0,1 Prozent auf 4960 Punkte.

Im Mittelpunkt des Interesses standen Valeant Pharmaceuticals und Salix, nachdem Valeant ein Übernahmegebot von 10 Milliarden Dollar vorgelegt hatte - was einem Kaufpreis von 158 Dollar je Salix-Aktie entspricht. Letztere hat dieses Niveau allerdings schon erreicht, nachdem Übernahmespekulationen den Kurs allein seit Jahresbeginn um über 35 Prozent nach oben getrieben haben. Valeant ziehen um 14 Prozent an und Salix sinken um rund 1 Prozent.

Auslandsmärkte: Israelischer Leitindex auf Rekordhoch

Die überraschende Zinssenkung der israelischen Notenbank hat den Aktienmarkt des Landes am Montag angeschoben. Der Leitindex der Börse Tel Aviv drehte ins Plus und stieg um bis zu 0,4 Prozent auf 1502 Punkte - ein Rekordhoch.

Gleichzeitig ging die Währung des Landes auf Talfahrt. Ein Dollar verteuerte sich auf 3,909 Schekel von zuvor 3,8592 Schekel. Im Kampf gegen die Deflation - eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen - und die Aufwertung des Schekel senkte die Zentralbank den Schlüsselsatz auf 0,1 von zuvor 0,25 Prozent.

Devisen: Euro sinkt unter 1,13 Dollar

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Am übrigen Devisenmarkt kann von Euphorie über die Einigung zwischen Griechenland und Eurogruppe keine Rede sein. Der Euro, der am Freitag nach der Einigung zwischen der EU und Griechenland um mehr als einen US-Cent auf 1,1430 Dollar gestiegen war, hat wieder nachgegeben und notiert 1,1333 Dollar. Hierbei wirkt nicht nur der schwächere Ifo-Index belastend. Laut der Commerzbank richten die Anleger die Blicke schon wieder über den großen Teich. Und hier bewegt die Frage, wann wird die US-Notenbank den Zinserhöhungszyklis starten und in welcher Geschwindigkeit.

Rohstoffe: Ölpreise rutschen wieder ab

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Auch am Ölmarkt purzeln die Preise wieder. Ein Fass US-Leichtöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligt sich um 2,7 Prozent auf 49,48 Dollar, die europäisches Referenzöl der Sorte Brent ist wieder für weniger als 60 Dollar zu haben: Aktuell kostet ein Barrel Brent-Öl 58,90 Dollar, 1,32 Dollar weniger als zuletzt.

Sich ausweitende Streiks in US-Raffinerien, die damit kein Rohöl mehr nachfragen, und die Wiederaufnahme der Förderung auf dem größten Ölfeld in Libyen verstärken die Sorgen vor einer Überversorgung des Marktes und drücken die Preise neben der Stärke des Dollar ebenfalls. Auf dem Weltmarkt besteht zudem weiterhin ein Überangebot an Rohöl.

Der Goldpreis profitierte - anders als der Dollar - nicht von den schwachen Daten aus Deutschland und den Sorgen um Griechenland. Gedrückt wird der Preis für das gelbe Metall vielmehr von der Aufwertung des Dollar. Die Feinunze wird mit 1201 Dollar gehandelt, nach Preisen um 1213 im Tageshoch am Freitag. Immerhin macht Nomura Zeichen einer Nachfrageerholung in Indien und China aus. Beide Länder zählen zu den wichtigsten Absatzmärkten für physisches Gold.

Asien: Anleger schieben Nikkei an

Zuvor war die Tokioter Börse zu Wochenbeginn beflügelt von der Einigung im Schuldenstreit zwischen Griechenland und seinen europäischen Geldgebern auf den höchsten Stand seit 15 Jahren gestiegen. Der Nikkei der 225 führenden Werte kletterte um 0,7 Prozent auf 18.467 Punkte. Im Verlauf hatte das Marktbarometer mit 18.509 Punkten den höchsten Stand seit Mai 2000 erklommen.

Während in Schanghai und Taiwan wegen der Feierlichkeiten um das Mondneujahrsfest nicht gehandelt wird, hat der Aktienmarkt in Hongkong bei als dünn beschriebenem Handel den Betrieb wieder aufgenommen. Der HSI bewegt sich dabei kaum vom Fleck.

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Quelle: n-tv.de

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