Wirtschaft
Je später der Tag, desto schöner wurde der Handel.
Je später der Tag, desto schöner wurde der Handel.(Foto: REUTERS)

Höchster Schlusskurs der Geschichte: Dax bei stolzen 10.029 Zählern

Besser als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten und ein starker Wall-Street-Start treiben den Dax über die Marke von 10.000 Punkten. "Klassisches Konjunkturspiel", heiß es auf dem Parkett. Nur ein einziger Titel verunziert die Dax-Tafel mit einem Minus.

Nach einem zaghaften Vormittag steigt der Dax nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten um 1,2 Prozent  auf 10.029 Punkten. Der starke US-Arbeitsmarktbericht habe alle Anleger bestätigt, dass sich die Konjunktur global erholt, meinten Händler. Diese Hoffnung sei durch die guten Einkaufsmanager-Indizes aus China am Dienstag ausgelöst worden. Alle großen Weltbörsen hätten danach zu einer Bodenbildung angesetzt, Anleihen umgekehrt ihr Kurs-Top ausgebildet.

"Ein typisches Zeichen für diese Konjunkturhoffnung ist, dass Aktiennachrichten eigentlich uninteressant sind und immer komplette Branchen gekauft werden", sagte ein Händler. In Europa sei dies besonders deutlich zu erkennen. Hier stünden mit den Rohstoff-Werten und dem Reise-Sektor zwei konjunktursensible Sektoren an der Spitze. Beide legten bis zu 1,7 Prozent zu. Sämtliche anderen Sektoren notierten ebenfalls im Plus, lediglich die defensiven Versorger zeigten sich leicht im Minus.

Wie das US-Arbeitsministerium meldete, sank die Arbeitslosenquote im Juni stärker als erwartet auf 6,1. Das unterstreiche nicht nur die fortschreitende Erholung des US-Arbeitsmarktes, sondern untermauere auch das Szenario einer zunehmenden Dynamik der US-Wirtschaft im zweiten Quartal, hieß es. Insgesamt könnten die Zahlen zu einer Belebung der Zinserhöhungsfantasien beitragen, kommentierte Helaba-Volkswirt Johannes Jander.

Kurz zuvor hatte die Europäische Zentralbank wie erwartet mitgeteilt, dass der Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,15 Prozent bleibt. Nach dem Feuerwerk von Sondermaßnahmen im Juni erwarten Experten, dass die EZB die Wirkung ihrer bisherigen Schritte gegen eine drohende Mini-Inflation und Konjunkturflaute zunächst abwarten will und vorerst keine weiteren unkonventionellen Maßnahmen beschließen wird.

In Moskau gab die Hoffnung auf eine anziehende Konjunktur der russischen Börse Auftrieb. Dabei half auch die Aussicht auf eine Lösung für die Krise in der benachbarten Ukraine. Der Moskauer Leitindex Micex gewann bis zu 0,5 Prozent und notierte mit 1522,14 Punkten so hoch wie zuletzt Ende Oktober 2013.

K+S zuversichtlich, Fielmann mit Absatzplus

Die in den vergangenen Tagen eingeleitete Erholung der K+S-Aktie gewinnt an Dynamik. Die Aktie stand mit einem Plus von 2,6 Prozent an der Dax-Spitze. "Dass K+S an der Kapazitätsgrenze arbeitet, ist positiv", sagt ein Händler zum Kali-Geschäft. Sollten die Preise für Kali nun anziehen, könnte das die Aktie nachhaltig nach oben treiben. Die Landwirte wollen von K+S derzeit so viel Düngemittel kaufen wie lange nicht.

Einziger Verlierer waren die Aktien von Volkswagen. Immerhin konnte der Titel in der allgemeinen Euphorie das Minus von 0,2 Prozent eindämmen. Ein Bericht über Produktionsprobleme belastete laut Händlern die Aktien. Die Fertigung in Wolfsburg und Zwickau sei in jüngster Zeit immer wieder unterbrochen worden, berichtete die "Welt" unter Berufung auf das Wirtschaftsmagazin "Bilanz". Zusätzlich sorgte ein Bericht über eine mögliche Übernahme des US-Lkw-Bauers Paccar zeitweise für Verkäufe. Allerdings wies ein VW-Sprecher diese umgehend zurück.

Die Optikerkette Fielmann vermeldet für das Zweitquartal mehr verkaufte Brillen und einen gestiegenen Gewinn. Allerdings beruht die Einschätzung vorerst noch auf Prognosen. Gewinnmitnahmen drückten die Aktie allerdings 2,1 Prozent ins Minus und damit ans MDax-Ende. "Die Quartalszahlen sind nicht so stark wie erhofft", sagt ein Händler. Sowohl der Umsatz als auch der Vorsteuergewinn hätten die Erwartungen leicht verfehlt.

Spekulationen über einen Verkauf von Media-Saturn brachten Metro Kursgewinne ein. Die Aktien des Handelsriesen stiegen i um 3,7 Prozent 33,12 Euro, den höchsten Stand seit Ende Januar. Zwar dementierte ein Metro-Sprecher, dass der Konzern einen Verkauf von Europas größter Elektrohandelskette erwäge. Dennoch hielten sich die Spekulationen im Markt.

Nur Short-Eindeckungen sahen Händler hinter dem Kursplus von 3,9 Prozent bei Südzucker. "Die Aktie hat sich in einem Jahr halbiert", sagt ein Händler: "Da macht man aufgrund des neuen Konjunktur-Optimismus seine Shorts lieber zu und sichert die Gewinne", sagt ein Händler. Fundamentale Kurstreiber gebe es nicht. "S&P hatte vor einer Woche auf eine signifikante Schwächung der Verschuldungslage hingewiesen und Warburg heute die Sell-Empfehlung bestätigt", so der Händler weiter: "Da sind keine wirklichen Kurstreiber".

Den Kurssprung bei SMA Solar führte der Markt auf chartorientierte Käufe zurück. "Fundamental Neues ist nicht bekannt", sagte ein Händler. Am jüngsten Bericht über den Strommix in Deutschland könne es nicht liegen. "Dann wären ja auch andere Erneuerbare-Energien-Hersteller mit oben", so der Händler. SMA stiegen um 6,4 Prozent, Nordex um zwei Prozent.

Quelle: n-tv.de

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