Wirtschaft
Tunnelblick.
Tunnelblick.(Foto: REUTERS)

Anleger fürchten Alleingang der USA: Dax bläst zum Rückzug

Wer wird Syrien angreifen? Und wann? Keiner weiß, wie es weitergeht. Anleger wittern die Ruhe vor dem Sturm und machen einen Bogen um Aktien. "Vor dem langen Wochenende zieht sich jeder aus riskanten Positionen raus", heißt es mit Blick auf den Labor Day.

Angesichts einer nach wie vor drohenden Eskalation des Syrien-Konflikts haben Investoren vor dem Wochenende Gewinne eingestrichen. Die europäischen Börsen gaben nach; auch Öl und Gold verbilligten sich. Der US-Dollar profitierte unterdessen weiter von seinem Status als weltweit liquideste Währung und stieg auf den höchsten Stand seit vier Wochen.

Der Leitindex Dax ging 1,1 Prozent schwächer bei 8103 Zählern aus dem Handel. Auf Wochensicht hat er damit 3,7 Prozent verloren, so viel wie seit Mitte Juni nicht mehr. Der EuroStoxx50 büßte ebenfalls 1,3 Prozent ein auf 2721 Punkte. In New York gab der Dow-Jones-Index der Standardwerte bis zum europäischen Handelsschluss 0,3 Prozent nach, die Technologiebörse Nasdaq 0,7 Prozent.

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"Vor dem langen Wochenende zieht sich jeder aus riskanten Positionen raus", sagte ein Händler mit Blick auf den Labour Day in den USA am Montag. "Alles dreht sich um den Konflikt in Syrien, das überlagert auch die Unsicherheit rund um das weitere Vorgehen der Fed." Die US-Notenbank hat angekündigt, ihre massiven Anleihenkäufe bald zu drosseln. Investoren rätseln nun, ob das bereits im September passieren wird. Am Freitag veröffentlichte Daten zum US-Verbrauchervertrauen und zur Lage der Unternehmen im Großraum Chicago wurden von Analysten als enttäuschend gewertet. Für die US-Notenbank ergebe sich dadurch ein Problem, sagte John Canally, Investmentstratege von LPL Financial in Boston. Denn die Fed werde wie angekündigt ihre Konjunkturhilfen drosseln - obwohl die Wirtschaft schwach bleibe. Der Euro fiel in diesem Umfeld unter die Marke von 1,32 Dollar und war so günstig wie zuletzt Ende Juli.

Höchster Preisanstieg beim Brent-Öl seit einem Jahr

Am Ölmarkt machten Investoren Kasse. Ein Fass der amerikanischen Sorte WTI verbilligte sich um 0,7 Prozent auf etwas mehr als 108 Dollar. Am Mittwoch hatte die Angst vor einem unmittelbar bevorstehenden Militärschlag des Westens gegen Syrien und danach möglicherweise drohender Versorgungsengpässe mit dem wichtigen Rohstoff den Preis über die Marke von 112 Dollar getrieben. So viel war seit mehr als zwei Jahren nicht mehr gezahlt worden.

Brent-Öl verbilligte sich um 0,4 Prozent auf 114,70 Dollar je Fass. Allein im August ist der Preis allerdings um rund sieben Dollar gestiegen, so stark wie seit etwa einem Jahr nicht mehr binnen eines Monats. "Der Handel ist sehr volatil", sagte Alex Yap, Analyst bei der Energieberatungsfirma FGE in Singapur. "Sollten sich die USA für einen Militärschlag entscheiden, dürften die Preise schnell wieder nach oben gehen."

Der Preis für die Feinunze Gold pendelte um 1400 Dollar, nachdem er wegen der Syrien-Angst zur Wochenmitte bis auf 1433 Dollar gestiegen war.

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Hermes punktet mit Luxus-Artikeln

Am hiesigen Aktienmarkt hatten vor allem konjunkturabhängige Werte das Nachsehen. Die zuletzt gestiegenen Ölpreise und die Unsicherheit über die Auswirkung einer möglichen Eskalation auf die Weltwirtschaft machten Flug-, Industrie- und Autowerten zu schaffen. Zu den größten Dax-Verlierern zählten Lufthansa und Continental, die zwei und 1,9 Prozent an Wert verloren. Siemens gaben 1,7 Prozent nach. Auf der Gewinnerseite standen nach einer Kurszielerhöhung von Goldman Sachs die Titel von Lanxess ganz oben mit einem Plus von einem Prozent.

In Paris honorierten Anleger den überraschend guten Halbjahresbericht von Hermes mit einem Plus von 2,1 Prozent. Dank der anhaltend hohen Nachfrage nach seinen handgenähten Leder-Handtaschen und Seidentüchern stieg das operative Ergebnis um 14 Prozent. Auch der Ausblick sei ziemlich ermutigend, sagte ein Händler.

Slim-Deal steht auf der Kippe - KPN auf Talfahrt

International machte KPN von sich Reden: Die geplante Milliardenübernahme der niederländischen E-Plus-Mutter durch den Telekom-Mogul Carlos Slim steht wieder auf der Kippe. Die unabhängige KPN-Stiftung hatte am Vorabend mitgeteilt, alles in die Wege geleitet zu haben, um die mehr als sieben Milliarden Euro schwere Offerte von Slim zu blockieren. Es sei offen, wie Slims Konzern zu den KPN-Plänen stehe, die deutsche Mobilfunktochter E-Plus an O2 zu verkaufen, hieß es zur Begründung. KPN fielen an der Börse in Amsterdam um 3,4 Prozent. Hierzulande notierten O2 0,1 Prozent höher

Quelle: n-tv.de

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