Wirtschaft
Ein Rennrodler im Eiskanal.
Ein Rennrodler im Eiskanal.(Foto: picture alliance / dpa)

"Risk on": Dax bleibt in der Erfolgsspur

Der deutsche Leitindex fährt den vierten Tag in Folge Gewinne ein. Die Risikobereitschaft der Aktienanleger ist hoch. Jeder Rücksetzer wird genutzt. Für gute Stimmung sorgt die robuste Entwicklung in der Eurozone.

Ein überraschend starkes europäisches Wirtschaftswachstum und ermutigende Geschäftszahlen von Konzernen wie ThyssenKrupp haben Aktienanleger in Kauflaune versetzt. Daran änderten auch enttäuschende US-Daten nichts. Positiv werteten Investoren auch die erwartete Regierungsübernahme durch den Chef der italienischen Demokratischen Partei, Matteo Renzi.

Der Dax verabschiedete sich mit einem Plus von 0,7 Prozent bei 9662,40 Punkten in den Feierabend. In dieser Woche hat das wichtigste deutsche Börsenbarometer damit um 3,88 Prozent zugelegt. Zum Rekordhoch aus dem Januar fehlen noch 1,36 Prozent oder rund 130 Punkte.

Der MDax stieg um 0,73 Prozent auf 16.754,70 Punkte. Der TecDax gewann 0,06 Prozent auf 1257,26 Punkte.

"Wer zum Valentinstag noch ein kleines Geschenk benötigt, dürfte mit der Finanzierung heute keine Schwierigkeiten haben", sagte Sarah Brylewski, Deutschland-Chefin des Brokerhauses Gekko Global Markets. Schließlich werde der Dax spätestens Anfang kommender Woche sein bisheriges Rekordhoch von 9794,05 Punkten knacken.

Für gute Laune sorgte ein Kurssprung bei ThyssenKrupp nach einem besser als erwartet ausgefallenen Ergebnis.

Schub von guten Konjunkturdaten

Zudem schob die Hoffnung auf eine robuste wirtschaftliche Entwicklung in der Euro-Zone die Börsen an. Die deutsche Wirtschaft hat Ende 2013 überraschend an Schwung gewonnen - das Bruttoinlandsprodukt legte zwischen Oktober und Dezember um 0,4 Prozent zu. Auch in Frankreich ist die Wirtschaft im vierten Quartal etwas schneller gewachsen als erwartet.

Die US-Industrieproduktion ging dagegen um 0,3 Prozent zurück. Erwartet wurde ein Plus von 0,3 Prozent. Da dies aber nur eine Folge des harten US-Winters sei und die Kauflaune der Verbraucher davon unberührt bleibe, machten sich Anleger keinerlei Sorgen, dass die weltgrößte Volkswirtschaft von ihrem Erholungskurs abkomme, sagten Börsianer.

"Jeder noch so kleine Kursrücksetzer wird zum Kauf genutzt", sagte ein Händler. Die Märkte hätten die Unsicherheit wegen der wirtschaftlichen Entwicklung der Schwellenländer und die enttäuschenden Bilanzen in den vergangenen Tagen abgeschüttelt, kommentierten die Analysten von Allianz Global Investors.

Es sei erstaunlich, wie gut das Sentiment trotz der schwächeren US-Daten sei, sagte Gary Yau von der Credit Agricole. Die Stimmung sei erstaunlich schnell auf "Risk on" gewechselt, sagte ein anderer Marktbeobachter.

Zwei-Jahreshoch bei Thyssen

Am deutschen Aktienmarkt standen ThyssenKrupp im Rampenlicht, nachdem der Konzern einen Anstieg des operativen Ergebnisses bekanntgegeben hatte. "Die Bestätigung der Gesamtjahresprognose und die Einschätzungen für das zweite Quartal deuten auf eine wachsende Zuversicht in der Ertragsentwicklung hin", betonte Analyst Michael Broeker vom Brokerhaus Steubing. "Damit wächst unseres Erachtens die Wahrscheinlichkeit, dass das Ertragsziel übertroffen werden kann." Thyssen-Titel stiegen daraufhin auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 20,72 Euro und schlossen 3,8 Prozent fester bei 20,46 Euro. Im Schlepptau stiegen im MDax die Titel des Stahlhändlers Klöckner & Co um 1,6 Prozent.

Beflügelt von einem Auslieferungsplus im Januar kletterten die Aktien des Autoherstellers Volkswagen um 1,1 Prozent auf 202,10 Euro.

Ebenfalls auf der Gewinnerseite standen RWE, die 1,6 Prozent zulegten. Die Aktie steige dank charttechnischer Unterstützung, sagte ein Händler. Bereits am Vortag hatten die Papiere zwei Prozent gewonnen.

Abwärts ging es für die Aktien der Commerzbank, die am Vortag nach der Vorlage der Bilanz stark gestiegen waren. Am Freitag verloren die Titel 2,5 Prozent.

KDG und Kion

Im MDax rückten Kabel Deutschland noch einmal in den Fokus, nachdem am Vortag die Vodafone-Unterwerfung samt Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung abgesegnet wurde. Der Kurs büßte am Ende leicht 0,1 Prozent ein.

Kion gaben ihre Tagesgewinne von über zwei Prozent bis auf ein Mini-Plus von 0,6 Prozent ab. Der Gabelstaplerhersteller steigerte seine Gewinnmarge weiter und hielt gleichzeitig den Auftragseingang relativ stabil. Das sei überraschend, "weil sich das große Thema Schwellenländerkrise hier kaum widerspiegelt", sagte ein Händler. Weder im Absatz- noch in Wechselkurseffekten habe dies große Spuren hinterlassen. "Das gibt Kursfantasie, dürfte das Handelsvolumen beleben und stützt damit auch gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit für eine MDax-Aufnahme", so ein anderer Händler.

Vorsicht in Italien nach Letta-Rücktritt

Nach dem Rückzug des italienischen Ministerpräsidenten Enrico Letta agierten die Anleger an der Mailänder Börse vorsichtig. Das Personenkarussell in Italien drehe sich mit zunehmender Geschwindigkeit, dringend benötigte Strukturreformen würden jedoch nicht angegangen, urteilte LBBW-Analyst Julian Trahorsch in einem Kommentar. Letta hatte am Donnerstag mitgeteilt, er werde Staatspräsident Giorgio Napolitano sein Entlassungsgesuch übergeben. Vorangegangen war ein offener Machtkampf zwischen Letta und seinem Parteichef Matteo Renzi.

Quelle: n-tv.de

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