Wirtschaft
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Wall Street tritt auf der Stelle: Dax büßt viel Gewinn wieder ein

Voller Elan startet der Dax in den Handelstag, gegen Ende schmilzt der Gewinn von zwischenzeitlich rund zwei Prozent jedoch zusammen. Übrig bleibt ein Plus, das die Verluste der Vortage nicht ausgleichen kann. Der Absturz der türkischen Lira hat daran einen Anteil.

Zunächst ging es nach den zwei verlustreichen Vortagen wieder kräftig nach oben mit dem deutschen Aktienmarkt - am Nachmittag jedoch büßt der Dax ein Teil seiner Gewinne nach und nach wieder ein und legte am Ende nur noch 0,8 Prozent auf 11.015 Punkte zu. Zum Tageshoch hatte er bei 11.154 Punkten gestanden.

In erster Linie den Absturz der türkischen Lira machte ein Händler verantwortlich für die wieder deutlicher nachgebenden Aktienkurse. Die Gespräche zwischen der Regierungspartei AKP und der republikanischen CHP über die Bildung einer Großen Koalition waren schon nach kurzer Zeit gescheitert. Die türkische Lira geriet daraufhin zum Euro stark unter Druck. "Erst China, jetzt die Türkei: Die Finanzmärkte reagieren gegenwärtig extrem sensibel auf schlechte Nachrichten aus den Emerging Markets und auf deren Währungen", sagte der Händler.

Chinas Notenbank hat den dritten Tag in Folge den Yuan zum US-Dollar abgewertet. Während die Abwertungen in den vergangenen beiden Tagen die weltweiten Börsen stark belastet hatten, weil sie als Zeichen einer schwachen Konjunktur gewertet wurden, blieb der Druck auf die Aktienkurse diesmal aus. Zumal die Abwertung mit 1,1 Prozent niedriger ausfiel als an den Vortagen. Zudem versuchte die Zentralbank über eine ihrer seltenen Pressekonferenzen die Gemüter zu beruhigen.

"Möglicherweise waren auch die Worte des Fed-Mitglieds (William) Dudley hilfreich, der erklärte, dass es von China möglicherweise nicht unangemessen sei, seine Währung abzuwerten, um der Wirtschaft zu helfen", sagte Paciorek. Der Präsident der New Yorker Fed hatte am Vortag gesagt, die Fed werde die Zinsen trotz der Yuan-Abwertung wohl kurzfristig anheben. Dennoch dämpfte der schwächere Yuan die Spekulation auf eine baldige Zinswende in den USA - was an der Wall Street Aktienkäufe nach sich zog.

Deutschland: RWE als größter Verlierer am Dax-Ende

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Der Dax schloss 0,8 Prozent höher auf 11.015 Punkten. Für den MDax ging es 2,0 Prozent nach oben auf 20.629 Zähler. Deutlich fester zeigte sich der TecDax mit plus 2,6 Prozent und einem Anstieg auf 1758 Punkte. Der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 legte 0,8 Prozent zu.

Sehr gut kamen an der Börse die Ertragszahlen von ThyssenKrupp an - zunächst. Der Stahl- und Industriekonzern steigerte sein operatives Ergebnis vor allem dank seines Sparprogramms um mehr als ein Drittel. Der Nettogewinn fiel fast fünf Mal so hoch aus wie im Vorjahr. Die Aktie drehte nach anfänglich deutlichen Gewinnen am Ende jedoch ins Minus und sank um 0,4 Prozent.

Wie erwartet lieferte RWE enttäuschende Geschäftszahlen. Die niedrigen Börsenstrompreise belasten weiter den Versorger. Gemessen am bereinigten Nettoergebnis hat der Energiekonzern im ersten Halbjahr knapp 28 Prozent weniger verdient. Die Aktie markierte einen neuen Tiefstand und fiel mit einem dicken Minus von 7,9 Prozent ans Dax-Ende.

Dem Rohstoffkonzern K+S hatten der schwache Euro, Einsparungen und bessere Preise als im Vorjahr ein starkes zweites Quartal beschert. Umsatz und Ergebnis legten im Vorjahresvergleich kräftig zu, die Aktie legte um 2,4 Prozent zu.

MDax und SDax: Ströer hat alles richtig gemacht

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Im MDax war Aurubis auf Rekordkurs. Umsatz und bereinigtes operatives Ergebnis legten deutlich zu. Die Aktie stieg um 6,8 Prozent. Der Salzgitter-Konzern, Großaktionär bei Aurubis, lieferte erstmals seit 2011 wieder ein positives Halbjahresergebnis vor Steuern ab, der Wert der Aktie ließ jedoch 0,3 Prozent nach. Mit einem Konzerngewinn von 542,8 Millionen Euro verlief das erste Halbjahr 2015 für die Deutsche Wohnen ebenfalls sehr erfolgreich, die Titel zogen um 5,7 Prozent an.

Gute Nachrichten gab es auch aus dem SDax. Sehr positiv werteten Händler die Übernahme von T-Online, den Einstieg von Deutscher Telekom und die Quartalszahlen vom Werbevermarkter Ströer. An der Nachrichtenlage sei alles hervorragend, die Aktie sollte darauf sehr fest reagieren. "Damit steigt Ströer in eine neue Dimension auf", sagte ein Händler. Auch die Quartalszahlen wurden positiv gewertet. Die Aktie setzte sich mit plus 11,7 Prozent an die SDax-Spitze.

USA: Wenig Bewegung an der Wall Street

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Wenig verändert zeigte sich die Wall Street, womit die Erholungsgewinne vom Mittwoch weitgehend verteidigt werden konnten. Der Hauptbelastungsfaktor der vergangenen Tage, die Yuan-Abwertungen der chinesischen Notenbank, hat scheinbar seinen Schrecken verloren.

"Möglicherweise waren auch die Worte des Fed-Mitglieds William Dudley hilfreich, der erklärte, dass es von China möglicherweise nicht unangemessen sei, seine Währung abzuwerten, um der Wirtschaft zu helfen", so Andreas Paciorek von CMC Markets. Der Präsident der New Yorker Fed hatte am Vortag erklärt, die Fed werde die Zinsen trotz der Yuan-Abwertung wohl kurzfristig anheben. Für wenig Bewegung sorgen die vorbörslich veröffentlichten US-Konjunkturdaten.

Der Dow-Jones-Index schloss nahezu unverändert bei 17.408 Punkten. Der S&P-500 verliert 0,1 Prozent auf 2083 Zähler, und der Nasdaq Composite gab 0,2 Prozent auf 5034 Punkte nach.

Der S&P-500-Index sei im Wochenverlauf mehrmals in die kritische Zone zwischen 2034 und 2055 Punkten gefallen, merkt Aktienstratege Sam Stovall von S&P Capital IQ an. "Sobald der Index diese Zone erreicht, gibt es verstärktes Kaufinteresse, doch es ist wichtig für den bestehenden Aufwärtstrend, dass der Index den oberen Rand dieser Unterstützungszone nachhaltig überwindet."

Bei den Einzelwerten gaben Cisco um 0,3 Prozent nach, nachdem die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal über den Erwartungen des Marktes ausfielen. Die Aktien von News Corp stiegen um 5,2 Prozent, obwohl der Medienkonzern sein viertes Geschäftsquartal mit einem Verlust abgeschlossen hatte.

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Die Tesla-Aktie befand sich mit einem Plus von 1,9 Prozent ebenfalls auf der Überholspur. Der Elektroautohersteller will Aktien im Wert von 500 Millionen Dollar verkaufen. Mit dem Erlös sollen die hohen Ausgaben für Projekte wie das Model 3 und eine Batteriefabrik in Nevada finanziert werden. Es ist der erste Aktienverkauf des Unternehmens seit Mai 2013.

Devisen: Euro lässt nach, bleibt aber über 1,11 Dollar

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Nach dem Höhenflug der vergangenen Tage ist der Euro unter Druck geraten. Analysten halten dies für eine angemessene Kurskorrektur, nachdem der Euro von den wachsenden Sorgen um China bislang verschont geblieben war. Bis zum Nachmittag fiel die Gemeinschaftswährung auf 1,1118 US-Dollar. In der Nacht war der Euro noch kurzzeitig bis auf fast 1,12 Dollar geklettert. Zuvor war die Gemeinschaftswährung sechs Handelstage in Folge gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1109 (Mittwoch: 1,1155) Dollar festgesetzt.

Seit dem Wochenbeginn hatte die unerwartete Abwertung des chinesischen Yuan für Unruhe an den Devisenmärkten geführt. Am Donnerstag hat sich die Lage dann allerdings wieder etwas entspannt. Für Analysten der Commerzbank ist die Abwertung des Yuan eine angemessene Kurskorrektur, nachdem der Euro während der Turbulenzen um China zunächst stark zugelegt hatte.

Rohstoffe: Öl ist wieder günstiger zu haben

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Mit Abgaben zeigen sich die Ölpreise. Während es für die US-Sorte WTI um 1,7 Prozent auf 42,57 Dollar nach unten geht, gibt der Preis für Brent um 0,6 Prozent auf 49,86 Dollar nach. Am Vortag hatten positive Aussagen der Internationalen Energieagentur (IEA) zur Erdöl-Nachfrage noch für steigende Preise gesorgt. Begünstigt durch den Preisrutsch unter 50 Dollar je Barrel bei Brent-Öl steige die weltweite Ölnachfrage mit der höchsten Rate seit fünf Jahren. Die IEA hob deshalb ihre Verbrauchsprognose deutlich an.

Für den Goldpreis geht es nach zuletzt fünf Handelstagen mit Aufschlägen wieder abwärts. Hintergrund sind Aussagen des World Gold Council, wonach die Nachfrage für das Edelmetall im zweiten Quartal auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren gefallen ist. Die jüngsten Yuan-Abwertungen der chinesischen Notenbank hatten aus Sorge um eine deutliche konjunkturelle Eintrübung in China für erhöhte Nachfrage gesorgt. Für die Feinunze müssen 1114 Dollar bezahlt werden, 10 Dollar weniger als zum US-Settlement am Vortag.

Asien: Nikkei verdaut Yuan-Schock, Schanghai steigt munter

Die asiatischen Märkte haben die überraschende Abwertung der chinesischen Landeswährung Yuan verdaut und sich am Donnerstag überwiegend wieder fester präsentiert. In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index ein Prozent höher bei 20.595 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index ging mit einem Plus von 0,1 Prozent bei 1667 Punkten aus dem Handel.

In Tokio halfen Börsenschwergewichte wie Fast Retailing dem Nikkei auf die Sprünge. Die Aktien des Unternehmens legten nach einem zweiwöchigen Abwärtstrend um 2,8 Prozent zu. Trend Micro stiegen nach den Bilanzzahlen sogar um 5,2 Prozent.

Der überraschend schlechte Auftragseingang im Maschinenbau habe die Börse kalt gelassen, sagten Händler. Im Juni fielen die Aufträge für Maschinen um 7,9 Prozent, der erste Rückgang seit vier Monaten, wie die Regierung mitteilte. "Der Einfluss des Yuan-Falls auf die japanische Wirtschaft dürfte nicht so groß sein", sagte Kenji Abe, Aktienstratege bei Bank of America Merrill Lynch. Er rechne daher mit einer schnellen Stabilisierung des Tokioter Marktes.

In China fand der Shanghai-Composite-Index nach anfänglichen Verlusten ins Plus und schloss um 1,8 Prozent höher. Zweifel an der Tragfähigkeit des chinesischen Wirtschaftswachstums hatten zuvor die Anleger zum Rückzug aus chinesischen Aktien veranlasst, nachdem die in den vergangenen Tagen veröffentlichten Konjunkturdaten enttäuscht hatten.

Quelle: n-tv.de

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